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Man kann ihr sogar noch Blut abnehmen

Marquise von Dai – die am besten erhaltene Mumie der Welt

Mumie Marquise von Dai
Die fast 2200 Jahre alte Mumie der sogenannten Marquise von Dai ist außergewöhnlich gut erhalten, sogar die Gesichtszüge sind noch erkennbarFoto: dpa picture Alliance

Immer wieder werden weltweit Mumien gefunden, also Leichen, die aufgrund bestimmter Umstände oder durch künstliche Verfahren vor Verwesung geschützt werden. Je nach Zustand liefern die mumifizierten Körper Forschern wichtige Erkenntnisse über die Lebensweise der Menschen vor Hunderten oder gar Tausenden Jahren. Die bislang am besten erhaltene Mumie wurde 1971 in einer Grabkammer in China entdeckt.

Sie starb vor mehr als 2000 Jahren, aber als Archäologen sie in ihrer Grabkammer in der archäologischen Stätte Mawangdui nahe der chinesischen Stadt Changsha fanden, sah es so aus, als habe sie noch bis vor Kurzem gelebt. Und in diesem Zustand verharrt die wohl am besten erhaltene Mumie der Welt bis heute. Die Rede ist von der chinesischen Adeligen Xin Zhui, die im deutschsprachigen Raum als Marquise von Dai bezeichnet wird. Sie lebte während der Han-Dynastie und starb um das Jahr 160 v. Chr.

Das Besondere: Ihre Gelenke lassen sich noch leicht biegen, ihre Haut ist noch immer ein wenig feucht und elastisch, und in ihren Venen ist zum Teil noch Blut enthalten, wie das Wissenschaftsportal „History Collection“ schreibt. Nicht nur ihr Kopfhaar ist noch vorhanden, sondern auch ihre Wimpern und Augenbrauen. Und sogar die Fingerabdrücke der Marquise von Dai sind noch zu erkennen.

umie Marquise von Dai
Die Mumie der Marquise von Dai wurde im Jahr 1971 entdecktFoto: dpa picture Alliance

Was die Autopsie der Marquise von Dai ergab

Die Leiche war so gut erhalten, dass Experten sie im Jahr 1972 einer vollständigen Autopsie unterziehen konnten. Dabei brachten die Chirurgen der Medizinischen Fakultät der Provinz Hunan erstaunliche Details über das Leben und Sterben der Marquise von Dai zutage: So fanden sie heraus, dass die Dame etwa 50 Jahre alt geworden war – ein durchaus respektables Alter für die damalige Zeit. Allerdings war ihr Gesundheitszustand zum Zeitpunkt ihres Todes alles andere als gut. Die adlige Dame war stark übergewichtig, was sich wohl auf ihren luxuriösen Lebensstil und allzu üppige Speisen zurückzuführen lässt.

Neben Darmparasiten entdeckten die Chirurgen, dass die reichhaltigen Mahlzeiten der Dame ihre Arterien verstopft hatten, was zu einer Koronarthrombose und einem massiv geschädigten Herzen führte. Die Herz- und Kreislaufprobleme wurden noch dadurch verschlimmert, dass ihre Ernährung auch zu Gallensteinen geführt hatte, die ihren Gallengang blockierten. Dadurch verschlechterte sich der Kreislauf von Lady Dai, was schließlich in einem schweren Herzinfarkt gipfelte. Dieser Herzinfarkt ereignete sich dem Mageninhalt nach zu urteilen nach einem besonders üppigen Mahl und endete für die Marquise tödlich.

Mumie Marquise von Dai
Anhand des Schädels haben Wissenschaftler rekonstruiert, wie die Marquise von Dai zu Lebzeiten ausgesehen haben könnte, bevor sie übergewichtig wurdeFoto: dpa picture Alliance

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Das Geheimnis um die Mumie der Marquise von Dai

Nicht vollends klären konnten die Wissenschaftler indes, wieso die Leiche der Marquise von Dai derart gut konserviert war. Denn ihrer Körper ist – anders als etwa bei ägyptischen Mumien – nicht ausgetrocknet und die Organe sind sehr gut erhalten. Die Marquise war bei ihrer Entdeckung laut „History Collection“ mit mehreren Lagen Seide umwickelt. Sie lag in vier ineinander geschachtelten und lackierten Holzsärgen. Und im innersten Sarg befanden sich 80 Liter einer Flüssigkeit auf Magnesiumbasis, deren Bestandteile jedoch nicht vollständig identifiziert werden konnten. Aber all das hat vermutlich dazu geführt, dass weder Luft noch Licht oder Wasser an den Leichnam gelangen konnte, weshalb er so gut erhalten ist.

Inzwischen wird die Mumie der Marquise im Provinzmuseum Hunan aufgebahrt und kann dort besichtigt werden. Angeblich bekommt sie dort regelmäßig eine geheimgehaltene Lösung injiziert, die ihren Zustand weiter so konservieren soll, wie er seit nunmehr fast 2200 ist.