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Touristenattraktion auf Sizilien

Die 8000 Mumien in Palermo, die fast lebendig zu sein scheinen

Mumien in den Katakomben von Palermo auf Sizilien, Italien
Die Mumien in den Katakomben des Kapuziner-Klosters in Palermo sind teilweise beängstigend gut erhaltenFoto: Getty Images

Die ganze Geschichte begann mit einem vermeintlichen Wunder: Jahrhundertlang mumifizierten die Kapuziner-Mönche von Palermo tote Menschen – noch heute kann man das gruselige, aber überaus beeindruckende Resultat bestaunen.

Unter der Straßen von Siziliens Hauptstadt Palermo befindet sich einer der wohl ungewöhnlichsten Orte in ganz Europa, wenn nicht sogar der Welt – und definitiv einer der gruseligsten. Denn wer sich in die Katakomben der Kirche Santa Maria della Pace wagt, der wird auf sehr außergewöhnliche Art und Weise mit der Vergangenheit konfrontiert: Aufgereiht in mehreren Räumen befinden sich hier die Mumien von schätzungsweise 8000 Menschen.

Diese sind größtenteils außergewöhnlich gut erhalten, auf manchen Gesichtern meint man gar, noch ein Lachen oder andere Emotionen zu erkennen. Doch nicht nur das: Die Mumien sind auch bekleidet, als könnten sie jederzeit wieder zum Leben erwachen. Manche liegen, viele stehen aufrecht, so erwarten die derart lebendig erhaltenen Toten heute jeden Besucher, der sich in ihre Unterwelt traut.

Am Anfang war ein Wunder

Sizilien
Etwa 8000 „lebende“ Tote sind in den Katakomben aufgebahrtFoto: dpa Picture Alliance

Das alles fing an im Jahr 1597, als die Kapuziner-Mönche, in deren Kloster sich die berühmten Katakomben befinden, Zeugen eines vermeintlichen Wunders wurden, wie die offizielle Webseite des Ortes berichtet: Zwei Jahre lang hatten sie hinter dem Altar ihrer Kirche neue Grabkammern ausgehoben, da ihr Orden seit seiner Niederlassung auf Sizilien im Jahr 1534 schnell gewachsen war, und damit mehr Platz für die Toten notwendig wurde.

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Als sie nun bereits früher bestattete Tote umbetten wollten, machten die Mönche eine schauerliche Entdeckung: Die sterblichen Überreste von 45 ihrer Glaubensbrüder waren auf natürliche Weise mumifiziert worden, man konnte sogar ihre Gesichter noch erkennen. Überzeugt, dass es sich hierbei nur um das Werk Gottes handeln konnte, entschieden die Mönche, diese Mumien fortan auszustellen. Es dauerte nicht lange, da wurden die Mönchs-Mumien bereits wie heilige Relikte verehrt, und natürlich erregte der Fund auch außerhalb der Kirche bei der gläubigen Bevölkerung großes Aufsehen.

Palermos Katakomben – ein einträgliches Geschäft

Für das schien es ein gutes Geschäft zu sein, und so ließen sich besonders reiche und berühmte Bürger von Palermo nach ihrem Tod ebenfalls mumifizieren und hier aufbahren. Jedem, der eine entsprechend großzügige Spende entrichten konnte, wurde diese Ehre zuteil. Später nahm das Kloster dann auch „gewöhnliche” Menschen auf. Interessant ist besonders die heutige Aufteilung der Mumien in den verschiedenen Räumen: So ist eine Kammer allein den verstorbenen Geistlichen vorbehalten, andere wiederum sind nach den ehemaligen Berufen der Toten eingeteilt, und dann gibt es noch einen eigenen Raum für (Jung)Frauen und Kinder.

Hier ruht auf ewig wohl auch eine der berühmtesten Mumien der Welt: die Überreste von Rosalia Lombardo, die 1920 mit nur zwei Jahren verstarb – sie ist derart erstaunlich erhalten, dass sie mitunter auch als „Sleeping Beauty” bezeichnet wird. Sie war gleichzeitig auch der letzte Mensch, der bislang hier aufgenommen wurde, denn 1880 wurde der ungewöhnliche Friedhof offiziell geschlossen.

Wie entstanden die Mumien?

Doch wie schufen die Mönche die auch heute noch erstaunlich gut erhaltenen Mumien? Zunächst einmal wurden nach dem Tod sämtliche inneren Organe entnommen, die Körper in einer trockenen Kammer mit geringer Luftfeuchtigkeit aufbewahrt, denn sie mussten ihre gesamte Flüssigkeit abgeben, um den Prozess der Mumifikation anzustoßen. Um diesen Vorgang noch zu beschleunigen, wurden die Leichen mit Stroh und/oder Blättern gefüllt. Sodann wurde die Kammer bis zu ein Jahr lang verschlossen und schließlich die so entstandenen Mumien noch einmal mit Essig gewaschen und angezogen, bevor sie der Nachwelt präsentiert wurden.

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Und so warten sie auch heute noch auf Besucher, unter ihnen auch Berühmtheiten wie der spanische Maler Diego Velázquez. Unter normalen Umständen ist die Kapelle täglich von 9-13 und von 15-18 Uhr für Besucher geöffnet, der Eintritt beträgt drei Euro. Sollten Sie einen Besuch in Erwägung ziehen, informieren Sie sich unbedingt vorher, wie die aktuellen Öffnungszeiten sind.