Unesco-Welterbestätte

Wörlitz – die traumhaft schöne Parkanlage im Osten Deutschlands

Der Wörlitzer Park zählt seit 2000 zum Welterbe der Unesco
Foto: Getty Images

Ein Stück England in Deutschland: Das Gartenreich Dessau-Wörlitz gilt als Ursprung des englischen Landschaftsgartens auf dem europäischen Festland. Goethe war von diesem grünen Reich begeistert. Eine Besonderheit ist Europas einziger künstlicher Vulkan, der hier schon seit mehreren Jahrhunderten einmal im Jahr „ausbricht“.

Machen Sie es wie Goethe! Mieten Sie eine Gondel und lassen Sie sich auf den Wasserkanälen durch dieses landschaftsgärtnerische Zauberland rudern. Schon zu Goethes Zeiten galt die Wörlitzer Gartenanlage als Sensation. Begeistert schrieb der Meisterdichter: „Hier ist’s jetzt unendlich schön.“

Europas einziger künstlicher Vulkan

Im Boot hat man das Gefühl, durch ein Landschaftsgemälde zu gleiten: Modellierte Wiesenflächen mit alten Bäumen, typisch für den englischen Stil, das stattliche Schloss, der erste klassizistische Bau in deutschen Landen. Es geht zur Insel Stein mit Europas einzigem künstlichen Vulkan. An Festtagen brodelt und spuckt dieser felsenartige Bau aus dem 18. Jahrhundert noch heute – dieses Jahr allerdings erstmals nicht mehr mit Pyrotechnik, da das fragile Mauerwerk beschädigt wurde, die „Wochenschau“ schreibt. Stattdessen sollen Licht- und Tontechnik zum Einsatz kommen.

„Vesuv von Wörlitz“

Der „Vesuv von Wörlitz“ wurde 1788 bis 1794 für Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau errichtet
Foto: dpa Picture Alliance

Jede Brücke ist anders

Immer wieder schiebt sich die Gondel unter Brücken hindurch. Jede sieht anders aus. Besonders eindrücklich ist die Kettenbrücke mit den Felsgrotten daneben. „Das ist meine Lieblingsecke, weil es da wirklich dunkle Gänge gibt“, sagt Gondelfahrer Patrick Krüger.

Als Kind hat er im Landschaftspark von Wörlitz gespielt. Das Herzstück im Gartenreich Dessau-Wörlitz zählt zur Spitzenklasse der Landschaftsgärten in Europa.

Märchenhaft

Mutet schon fast romantisch an: weiß gestrichene Brücke im Wörlitzer Park
Foto: Daniela David/dpa-tmn

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Fürst Franz als Gartenvisionär

Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) hatte in der Gartenkunst eine Revolution angezettelt. Auf seinen Englandreisen lernte er den englischen Gartenstil kennen: Gärten ohne formale Beete, ohne Symmetrie, angelegt wie eine natürliche Ideallandschaft. So weihte der Fürst 1773 seine progressive Parklandschaft in Wörlitz ein. Die Bevölkerung war im Park und selbst im Schloss willkommen.

Das renovierte Wörlitzer Schloss

Zwei Jahrzehnte dauerte die Restaurierung des Wörlitzer Schlosses. Der Paradebau des Klassizismus empfängt Besucher nun in prächtigen Räumen mit historischem Mobiliar und 130 Jahre alten Seidentapeten. „Als Nächstes werden wir das Haus der Fürstin von 1789 zum Ausstellungszentrum umbauen“, sagt Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. „Und ein Welterbezentrum realisieren.“ 2000 hatte die Unesco das Gartenreich ausgezeichnet.

Schloss Wörlitz

Das Schloss Wörlitz wurde zwei Jahrzehnte lang restauriert – und erstrahlt heute in klassizistischer Pracht
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Das Luisium der Fürstin

Reinste Daseinsfreude ist im Luisium zu spüren. Der idyllische Rückzugsort von Fürstin Luise von Anhalt-Dessau bezaubert durch seine weitgehend originale Ausstattung. Fürst Franz hatte seiner Frau dieses Minischlösschen zum 30. Geburtstag geschenkt.

„Luise war lesebegeistert“, sagt Grita Quilitzsch. „Bis zu 20 Bücher las sie gleichzeitig.“ Die Kastellanin des Schlosses Luisium hat als Kind selbst im Mezzanin, einem Zwischengeschoss des historischen Gebäudes gewohnt, in der „schönsten Wohnung von Dessau“. Heute führt sie Gäste über das knarrende Eichenholzparkett.

Was für ein Leben in diesen anmutigen Salons in der ersten Etage! Zarte Malereien, farbige Wände und ausgewählte Kunstwerke machen den romantischen Landsitz zu einem femininen Ort.

Minischlösschen Luisium

Das Minischlösschen Luisium von außen – ein Geschenk von Fürst Franz von Anhalt-Dessau an seine Frau.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Barockes Schloss Oranienbaum

Vier Jahrhunderte Gartenkunst sind im Park von Schloss Oranienbaum nicht weit vom Wörlitzer Park entfernt zu durchwandern. Der barocke Garten aus dem 17. Jahrhundert wurde teilweise von Fürst Franz in einen englisch-chinesischen Garten umgeformt, mit fünfgeschossiger Pagode und chinesischem Teehaus.

Im Inneren des Schlosses bleiben drei Räume in Erinnerung: der Saal mit den kostbaren Ledertapeten, das Spiegelkristallzimmer und der Fliesenkeller mit den Fayencen, kunstvoller Keramik. Im Gedächtnis bleibt auch die gigantische Orangerie nebenan.

Wörlitzer Park

Kettenbrücke mit Felsgrotten im Wörlitzer Park – nur eine von vielen Brücken in diesem Landschaftsgarten
Foto: Foto: Daniela David/dpa-tmn

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Rokoko-Schloss Mosigkau

Auch im Garten des Rokoko-Schlosses Mosigkau ist man dabei, den einstigen Lustgarten wiederherzustellen. Ein Vergnügen ist es auch heute, sich im historischen Irrgarten aus Hainbuchen zu verlieren. Das Schlossinnere ist gut erhalten, vor allem der Galeriesaal mit den wertvollen Gemälden von Rubens, van Dyck oder Brueghel.

Die Verquickung von Garten- und Kulturlandschaft ist das Besondere am Gartenreich Dessau-Wörlitz. Dank aufwendiger Sanierungen hat man 30 Jahre nach der Wiedervereinigung das Arkadien von Fürst Franz wieder zum Blühen gebracht. Der Gartenflaneur freut sich.

Pracht an den Wänden

Diese wertvollen Gemälde hängen im Galerie-Saal im Schloss Mosigkau
Foto: Foto: Daniela David/dpa-tmn

Anreise

Die beschriebenen Gärten befinden sich in Sachsen-Anhalt, südwestlich von Berlin, rund um die Stadt Dessau-Roßlau. Mit der Bahn etwa von Berlin nach Dessau und dann weiter mit dem Bus. Für den Besuch mehrerer Gärten empfiehlt sich das Auto.

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