9. September 2025, 12:09 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Ärgern auch Sie sich, wenn Sie mitansehen müssen, wie Personen – ob nun versteckt oder ganz unverhohlen – an Bäume urinieren? Auch die Pflanzen selbst hat niemand gefragt, ob sie das so lustig finden. Im Stadtwald in Frankfurt am Main gibt es einen Spitzahorn, der sich das nicht gefallen lässt: Er pinkelt zurück! Was es damit auf sich hat, erfahren Sie bei TRAVELBOOK.
Baum dreht den Spieß um und pinkelt selbst
Pinkeln und der Wald sind zwei kaum voneinander trennbare Themen. Nicht zuletzt werden Hunde dorthin ausgeführt, wo diese dann auch ihre Geschäfte verrichten. Doch nicht nur Vierbeiner müssen mal, auch bei Menschen kann sich auf längeren Spaziergängen im Wald mitunter die Blase melden. Sie sollten jedoch wissen: Das Pinkeln im Wald ist für sie nicht erlaubt. Wer dabei erwischt wird, muss mit einem Bußgeld zwischen 35 und 5000 Euro rechnen, je nach Bundesland und Situation. Besonders teuer kann es dabei übrigens werden, wenn man nicht diskret hinter einem Baum verschwindet, sondern direkt daran uriniert. Ein Baum im Stadtwald von Frankfurt am Main kommt diesem Fall zuvor: Er reagiert bereits, wenn man ihm zu nahe kommt, und zwar mit einem kräftigen Wasserstrahl. Sein Name lautet passenderweise Pinkelbaum.
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Die Geschichte des Pinkelbaums
Der Pinkelbaum ist keine Laune der Natur. Er ist eine von insgesamt 15 humorvollen Installationen, die von verschiedenen Vertretern der Neuen Frankfurter Schule entworfen wurden und denen man im beliebten Grüngürtel der Stadt begegnen kann. Sie entstanden im Rahmen des Projekts „Komische Kunst“, das Anfang der 1990er-Jahre ins Leben gerufen wurde, um das Naherholungsgebiet rund um Frankfurt gezielt aufzuwerten. Einige dieser Installationen basieren auf Zeichnungen des Künstlers F. K. Waechter. Dazu gehören ein mit Augen versehener Struwwelpeter-Baum, eine überdimensionale grüne Raupe im Riederwald, die „Monsterkinder“ im Schwanheimer Wald – aus Holz gefertigte Rieseneicheln – und eben auch der ulkige Pinkelbaum am Jacobiweiher. Wie auf der Website der Stadt Frankfurt nachzulesen ist, schenkte Waechter seine Entwürfe zur „Komischen Baumkunst“ der Stadt. Die Vorlage für den Pinkelbaum trägt den passenden Titel: „300 Jahre hat man mich angepinkelt – ab heute piss ich zurück.“
Der Pinkelbaum ist inzwischen berühmt
Wer in Frankfurt lebt und gerne im Grünviertel unterwegs ist, kennt den Pinkelbaum bestimmt. Doch inzwischen ist er auch über die Stadt und selbst über Landesgrenzen hinaus berühmt – bis nach Übersee. So hat ihn beispielsweise „Atlas Obscura“, ein in den USA ansässiger Online-Reiseführer und eine Community-Plattform für ungewöhnliche Orte, Erlebnisse und Geschichten, bereits im Jahr 2016 vorgestellt. Auf Instagram ist er ebenfalls ein gern gepostetes Motiv. Errichtet wurde der Pinkelbaum im Jahr 2006, rund ein Jahr nach dem Tod des Karikaturisten F. K. Waechter.
Apropos Errichten: Sie haben sich wahrscheinlich schon gefragt, wie es dem Pinkelbaum gelingt, seinem Namen gerecht zu werden. In den Stamm wurde ein Rohr eingebaut und der Baum außerdem mit einem Bewegungsmelder ausgestattet. Wenn sich jemand dem Pinkelbaum nun nähert – um sich nun wirklich an ihm zu erleichtern oder auch nicht –, wird der Strahl ausgelöst. Im Winter allerdings nicht, da die Mechanik zum Schutz vor Frost abgeschaltet ist.

