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TRAVELBOOK-Autor bereiste mehr als 70 Länder

„Diese 7 beliebten Sehenswürdigkeiten haben mich am meisten enttäuscht“

Unser Autor hat auf seinen Reisen schon so manche vermeintliche Sehenswürdigkeit besucht, die ihn enttäuscht hat
Unser Autor hat auf seinen Reisen schon so manche vermeintliche Sehenswürdigkeit besucht, die ihn enttäuscht hat Foto: Getty Images/Collage TRAVELBOOK
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

7. Mai 2026, 16:58 Uhr | Lesezeit: 12 Minuten

Das Besuchen von bekannten und berühmten Sehenswürdigkeiten kann zu den Highlights einer jeden Reise zählen. Mitunter wundert man sich bei einem persönlichen Besuch an einem solchen Ort aber auch einfach, warum dieser denn nun so gehypt wird. Unserem Autor ging es auf seinen Weltreisen schon einige Mal so. Hier berichtet er von Touristen-Highlights, die ihn besonders enttäuscht haben.

Lieben Sie das nicht auch? Die Vorfreude auf einen Ort und seine besonderen Sehenswürdigkeiten, von denen Sie schon so viel gelesen haben. Jeder Reiseführer besingt sie, im Netz überschlagen sich die User förmlich beim Umherwerfen der Fünf-Sterne-Wertungen. Die Spannung steigt, endlich ist es soweit, Ihr persönlicher Besuch steht an – und hinterher fragen Sie sich entgeistert, was denn nun alle an diesem vermeintlichen Touristen-Highlight eigentlich so toll finden. So ging es mir auf Reisen nun schon des Öfteren. Hier ist meine Liste von Sehenswürdigkeiten, die mich ganz besonders enttäuscht haben.

Eins noch vorab. Dieser Artikel ist ein rein subjektives Meinungsstück und erhebt keinesfalls Anspruch auf eine Deutungshoheit. Über Geschmack lässt sich zum Glück nicht streiten, und so kann es durchaus sein, dass Sie hier eine oder gleich mehrere der aufgelisteten Sehenswürdigkeiten entdecken und sagen: Was hat er denn, ich fand es dort ganz toll. Ja, vielleicht hätte sogar mir selbst ein gewisser Ort unter anderen Umständen viel besser gefallen. Ich berichte hier nur von meinen persönlichen Eindrücken. Und versuche auch, so genau wie möglich zu begründen, warum ich letztlich von manchen hoch gehandelten Sightseeing-Spots enttäuscht war.

Mona Lisa, Louvre, Paris

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Die Mona Lisa im Louvre wird quasi permanent von Schaulustigen belagert Foto: Hans Lucas/AFP via Getty Images

Wenn es einen Wettbewerb um das überhypteste Gemälde auf der ganzen Welt gäbe, die Mona Lisa würde zweifellos das Rennen um den Spitzenplatz machen. Das Meisterwerk von Leonardo da Vinci hängt im Pariser Kunsttempel Louvre, der definitiv als eines der bedeutendsten Museen der Welt gelten muss. Ein Besuch hier ist für jeden Paris-Reisenden quasi Pflicht. In der langen Reihe der Sehenswürdigkeiten in der französischen Hauptstadt lag er auch für meine Freundin und mich ganz vorne, als wir 2015 vor Ort waren. Wir hatten aber leider nur wenige Stunden Zeit, was an sich schon ein Sakrileg war. Mein Rat an Sie: Wenn Sie in den Louvre wollen, nehmen Sie sich den ganzen Tag dafür frei. Denn hier gibt es so unendlich viel mehr zu sehen als nur die Mona Lisa.

Doch natürlich dachten auch wir uns angesichts der Zeitknappheit, da müssen wir unbedingt hin. Wenn Sie nicht genau wissen, wo in dem gewaltigen Gebäude sie denn nun hängt, folgen Sie einfach den Massen. Die Mona Lisa, ein Gemälde von gerade einmal etwa 77 x 53 Zentimetern Größe, hängt im Louvre in einem eigenen, ansonsten völlig leeren Raum. Doch diesen füllen die Menschen, die das Bild zu jeder Tageszeit belagern, problemlos. Natürlich ist es aufgrund der hohen Schutzmaßnahmen völlig unmöglich, auch nur in die Nähe des Bildes zu kommen, das vermutlich ein Porträt der reichen Adligen Lisa del Giocondo ist. Unter anderem aufgrund ihres geheimnisvollen Lächelns ist das Bild weltberühmt.

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Und mit diesem Lächeln, oder zumindest einer Ahnung davon, möchte nun wirklich absolut jeder Besucher gerne ein möglichst kreatives Selfie haben. Obwohl es im Louvre so noch viele andere Sehenswürdigkeiten gäbe, kommen viele Besucher offensichtlich ausschließlich wegen der schönen Unbekannten. Spätestens, seit die Künstler Jay-Z und Beyoncé hier ein Video drehten, dürfte der Hype noch einmal stark zugenommen haben. Uns haben die Massen damals jedenfalls derartig genervt, dass wir nach nur einem kurzen Blick aus wahrscheinlich acht Metern Entfernung auf die Mona Lisa wieder die Flucht ergriffen.

Plitvicer Seenplatte, Kroatien

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Die Plitvicer Seenplatte sieht in der Hochsaison bis zu 13.000 Besucher täglich Foto: Getty Images

Von den zahlreichen Natur-Sehenswürdigkeiten in dem in dieser Hinsicht wahrlich gesegneten Kroatien ist die Plitvicer Seenplatte vielleicht die bekannteste. Erschreckend ist jedoch auch für hartgesottene Sightseeing-Fans, dass sich hier in der Hauptsaison bis zu 13.000 Menschen täglich durch die atemberaubende Landschaft wälzen. Denn das muss man ganz klar sagen, von der Natur vor Ort war ich keinesfalls enttäuscht, im Gegenteil. Jedoch sehr von der Art und Weise, wie man versucht, sie den Menschen näher zu bringen. 2017 also befand ich mich mit einem guten Freund auf einer Kroatien-Reise, und diese war mit Highlights nur so gespickt. Wir hatten bereits die Wasserfälle von Krka besucht, den Paklenica-Nationalpark und die schöne Insel Dugi Otok. Die Plitvicer Seenplatte sollte der krönende Abschluss werden.

Nach nur etwa einer Stunde waren wir dann allerdings völlig entnervt. Denn um die Touristen der wunderschönen Seenlandschaft und ihrer Natur besonders nahe zu bringen, führt man sie auf verschiedenen Routen über sehr schmale Holzstege direkt über dem Wasser. Ja, dieses leuchtet bei Sonnenschein geradezu überirdisch Blau, doch genießen kann man das leider überhaupt nicht. Denn zu jeder Tages- und Jahreszeit drängen über die Stege wahre Massen von Menschen, so dass eine sehr unangenehme Atmosphäre der Ungeduld entsteht – etwa vergleichbar mit der klassischen Situation an der Supermarktkasse, wenn jemandem scheinbar plötzlich einfällt, dass er die Waren ja auch noch bezahlen muss. Und dann anfängt, umständlich nach Kleingeld zu wühlen.

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Wir wurden jedenfalls von hinten permanent geschoben und teils auch physisch beiseite gedrückt. Wollte man mal kurz ein Foto von der erhaben schönen Landschaft machen, kam so sicher wie das Amen in der Kirche hinter einem entnervtes Gestöhne auf. Im Übrigen von den selben Leuten, die dann wenig später selbst stehen blieben, um die Landschaft zu fotografieren. Erst als wir dann etwas abseits der Massen von einer Anhöhe aus das Naturwunder überblickten, kam in uns wieder Ruhe auf. Meine Empfehlung: Planen Sie einen Besuch der unbedingt sehenswerten Plitvicer Seenplatte gut im Voraus. Denn das Gelände ist viel weitläufiger, als man auf den ersten Blick denken möchte. Meine Schwester jedenfalls war einige Zeit später ebenfalls dort und berichtete mir von einem Tag in schönster Einsamkeit.

Sagrada Familia, Barcelona

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Die Sagrada Familia ist die vielleicht berühmteste Kirche der Welt Foto: Getty Images

Die wahrscheinlich bekannteste und nach dem Petersdom in Rom sicherlich eine der meistbesuchten Kirchen der Welt. Und womöglich tue ich diesem Ort furchtbares Unrecht, indem ich ihn auf meine Liste der enttäuschendsten Sehenswürdigkeiten setze. Aber meine Erfahrung hier reiht sich ein in ein Gesamtbild von Barcelona, das mich bei meinem Besuch eher enttäuschte. 2011 lebte ich nämlich für einige Wochen in Madrid, einer Stadt, in der ich zuvor schon einmal ein unvergessliches halbes Jahr verbracht hatte. Bis heute liebe ich diese Stadt, und sie ist neben meiner Heimat Berlin auch der einzige Ort, an dem ich mir vorstellen könnte, permanent zu leben. Madrid hat einfach eine ganz eigene Magie. Und gemeinsam mit meiner Schwester wollte ich nun auch an dem Hype teilnehmen, der seit jeher um Barcelona herrscht.

Von Anfang an fühlten wir uns von den Menschenmassen erschlagen. Auf der Promenade Ramblas traf ich wie selbstverständlich einen Bekannten aus Berlin, als flanierte ich gerade über den Ku’Damm. Meine Schwester bekam beim Baden an dem völlig belagerten Strand eine allergische Reaktion, und auch sonst waren wir uns beide einig: Madrid war für uns viel schöner. Natürlich wollten aber auch wir das berühmteste Gebäude in Barcelona besichtigen, die Sagrada Familia. Nennen Sie es Voreingenommenheit, aber es wurde ein Reinfall. Die Kirche liegt wenig erhaben mitten an einer viel befahrenen Straße, und sah von außen aus wie eine riesige Baustelle. Was sie ja auch ist, denn noch immer baut man an ihr. Es waren dann aber die unzähligen Reisebusse vor Ort, die uns dazu bewegten, die Szenerie fluchtartig wieder zu verlassen. Ich habe die Kirche bis heute nie von innen gesehen. Und nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Chinenische Mauer, Peking

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Die Chinesische Mauer ist fast immer überlaufen Foto: Getty Images

Ein offizielles Weltwunder, auf der Liste welches Reisenden dürfte so etwas schon fehlen? Überhaupt waren meine drei Wochen in China im Jahr 2003 bis heute eine der intensivsten Reisen, an die ich mich erinnern kann. Wir reisten per Auto, Zug und Schiff als Austauschschüler durch das gewaltige Land, besuchten die Verbotene Stadt, das Grab des Philosophen Konfuzius und einen heiligen Berg. Und natürlich durfte hier auch eine Visite der Chinesischen Mauer nicht fehlen. Von der Hauptstadt Peking ging es also los. Zum damaligen Zeitpunkt sagte man uns, die rapide wachsende Millionen-Metropole würde sich irgendwann den nahe liegenden Abschnitt der Mauer einfach einverleiben. Ob das mittlerweile passiert ist, vermag ich nicht zu sagen. Aber bei unserem Besuch war es dennoch so voll, als sei das längst geschehen.

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Die Stimmung wie auf einem Jahrmarkt, bunte Souvenirbuden mit unfassbarem Ramsch buhlten um die Aufmerksamkeit der Touristen. Touristen wie mir, denn ich erstand vor Ort tatsächlich vor dem Aufstieg auf die Mauer eine hölzerne Maske, die auch heute noch in meinem alten Kinderzimmer hängt. Sich den übermenschlichen und für zahllose Arbeiter tödlichen Aufwand auch nur vorzustellen, den der Bau der Mauer erfordert haben muss, fiel allerdings ob der Überfüllung sehr schwer. Auf keinem der zahlreichen Fotos auf dem Monument bin ich allein. Im Gegenzug wurde ich enervierend oft dazu aufgefordert bis gedrängt, als Europäer doch bitte für ein Foto mit Einheimischen zu posieren. Das Skurrilste: Wer nach dem Aufstieg auf die Mauer nicht zu Fuß wieder runter wollte, konnte eine Art Sommerrodelban nutzen.

Panama-Kanal, Panama City

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Der Panamakanal ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten des kleinen Landes Foto: Getty Images

Stellen Sie sich eine Schleuse vor, durch die Schiffe fahren. So weit, so unspektakulär, nur eben in sehr viel größeren Dimensionen. Hier dümpeln keine Hausboote vorbei, sondern die größten Frachtschiffe, die je gebaut wurden. Das ist es dann aber auch schon, und wie sich der Panama-Kanal zu einer der Top-Sehenswürdigkeiten in Mittelamerika entwickeln konnte, ist mir vollkommen schleierhaft. Ja, die Geschichte seiner Entstehung ist so verlustreich wie spektakulär. Darüber wird man in einem Museum in dem der Schleuse anhängenden, mehrstöckigen Gebäude hinreichend aufgeklärt. Doch das wahre Ziel der Schleusen-Pilger ist ein riesiger Balkon, von dem auf man die selbige von oben sieht. Wow. Also, eher, gähn.

Jeder, der schon einmal an einer Schleuse warten musste, weiß, wieviel Zeit mitunter nötig ist, um schon ein normales Boot hindurch zu manövrieren. Bei den Mega-Kähnen, die den Panama-Kanal passieren möchten, dauert das dann natürlich umso länger. Man sieht also streng genommen als Besucher überhaupt nichts, es sei denn, man bringt sehr viel Sitzfleisch mit. Dafür ist das Prozedere dann aber bei Weitem nicht interessant genug. Das Ganze ist bin etwa so spanend, wie einem Regentropfen zuzuschauen, der eine Glasscheibe hinabrinnt. Und dafür zahlt man dann als Erwachsener bis zu gut 17 Dollar (knapp 15 Euro) Eintritt. Nein danke, nicht nochmal.

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Mittelpunkt der Welt, Ecuador

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Ja, das ist der geografische Mittelpunkt der Erde. Nein, hier gibt es absolut nichts zu sehen Foto: Getty Images

Am geografischen Mittelpunkt der Welt zu stehen ist in etwa so spannend, wie es sich anhört. 2013 hatte ich bei meiner ersten von insgesamt drei mehrmonatigen Südamerika-Reisen die Gelegenheit, diese vielleicht unspektakulärste aller Sehenswürdigkeiten auf dieser Liste mit eigenen Augen zu sehen. Sie liegt in der Nähe der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Ein Obelisk markiert den Breitengrad Null, das sogenannte Äquatordenkmal. Fun Fact: Moderne Messungen haben ergeben, dass der tatsächliche Nullmeridian ein paar hundert Meter weiter liegt als die markierte Stelle. Rund um diese Attraktion hat man dennoch einen skurrilen Vergnügungspark errichtet, der meiner Erinnerung nach größtenteils aus Fressbuden besteht. Dann kann man noch ein Foto von sich mit dem Obelisken machen, das war es dann aber auch schon. Trotzdem ist der Ort einer der meistbesuchten in ganz Ecuador.

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Ubud, Bali, Indonesien

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Ubud auf Bali wird von Touristen aus aller Welt geradezu überrannt Foto: Getty Images

Was hatten meine Freundin und ich vorab nicht alles Tolles über Ubud gelesen, dieses selbsternannte spirituelle Zentrum auf der Trauminsel Bali. Ein Ort, der in der Neuzeit vor allem durch den Film „Eat, Pray, Love“ mit Julia Roberts in der Hauptrolle bekannt geworden ist. Fakt ist: Ubud war schon seit Jahrhunderten tatsächlich ein Ort, wo Menschen von der gesamten Insel kranke Angehörige für eine Heilung hinbrachten. Die zahlreichen Tempel der Stadt sind absolut beeindruckend, genau wie die Metropole als solche. Fast wirkt es so, als wäre eine Kulisse aus „Tomb Raider“ bei absoluter Höchstgeschwindigkeit mit der Moderne kollidiert. Coffee Shops oder Restaurants in alten Palast-Anlagen? In Ubud ein normaler Anblick.

Was uns am meisten nervte, waren jedoch all die Sinnsuchenden, man könnte gröber auch Spinner sagen. Unzählige Yogastudios als auch Angebote für Kurse in zum Beispiel Traumaheilung, Klangtherapie, Handlesen und Kartenlegen, um nur einige zu nennen, holten diese, beziehungsweise ihr Geld, dann auch perfekt ab. In den Straßen rauschte zu jeder Tages- und Nachtzeit ein geradezu infernalischer Verkehr, dazwischen verkauften Läden wie Dream Land“, „Above the clouds“ oder „Angel Bali“ traditionelle balinesische Medizin, Räucherstäbchen, Bio-Kosmetik und -Lebensmittel, spirituelle Musikinstrumente. Ich habe bei TRAVELBOOK sogar einen eigenen Artikel darüber geschrieben, und Ubud war für mich das Berlin von Bali.

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