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Meine skurrilen (und teils gefährlichen) Begegnungen mit dem Gesetz auf Reisen

Reisen Gesetz
Begegnungen mit dem Gesetz meidet unser Autor auf Reisen nach Möglichkeit kategorisch (Symbolfoto) Foto: Getty Images
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

4. Mai 2026, 7:56 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Auf seinen Reisen, die ihn mittlerweile in etwa 70 Länder geführt haben, erlebt unser Autor mitunter auch die ein oder andere abenteuerliche Situation. Dabei hat er gelernt, sich stets so normal wie möglich zu verhalten, um Begegnungen mit dem Gesetz um jeden Preis zu vermeiden. Denn von diesen hatte er in der Vergangenheit unfreiwillig gleich mehrere. Die meisten waren einfach nur skurril, andere erlebte er als richtig gefährlich. Bei TRAVELBOOK berichtet er von einigen dieser Vorfälle.

Zu den Situationen, die man im Urlaub am liebsten gerne vermeiden würde, kann wohl jeder Reisende spontan für sich gleich ein paar aufzählen. Magenprobleme oder gar Durchfall nach dem Konsum von ungewohnter bzw. verdorbener Nahrung zählen ganz klar dazu. Irgendwo bestohlen oder gar ausgeraubt zu werden, ist sicher eine noch schlimmere Erfahrung, auf die man liebend gerne verzichtet. Mehr als ein Jahrzehnt als Weltreisender hat mich aber auch noch eine andere Lektion gelehrt. Und zwar, wenn möglich, jedwede Begegnung mit dem Gesetz und seinen Ordnungshütern um jeden Preis zu vermeiden. Denn mitunter entstanden für mich aus solchen unfreiwilligen Zusammenstößen sehr unschöne Erinnerungen.

Nun muss es natürlich als Common Sense gelten, sich auf Reisen (wie auch zu Hause) stets so zu verhalten, dass man das Interesse der Exekutive eben nicht erweckt. Nur, und das haben vielleicht auch andere Reisende außer mir bereits erfahren, gelten für diese Goldstandards des guten Verhaltens im Ausland mitunter andere Regeln. Beziehungsweise, die uns sinnvoll erscheinenden Vorsichtsmaßnahmen haben in einem anderen Land einfach keine Gültigkeit. Nicht, weil sie nicht rechtens wären, sondern weil meiner Erfahrung nach Gesetzeshüter dort sich selbst nicht immer an geltende Gesetze halten. Und so gerät man mitunter auch schon einmal völlig schuldlos in unangenehme Situationen. Vor allem meine Reisen nach Süd- und Mittelamerika haben mir davon gleich mehrere beschert.

Hobby-Cops in Mexiko

Die frühste Erinnerung führt mich zurück auf meine erste große Fernreise nach Mexiko im Jahr 2006. Ich war spät nachts in der Pazifik-Metropole Acapulco angekommen, und suchte am Strand nach einem Platz zum Schlafen. Von Hostels hatte ich damals weder ein Konzept, noch das nötige Kleingeld für eine Übernachtung. Bald schon begegnete ich auf meiner Wanderung zwei Sicherheitskräften, eine Art Privat-Polizei, die am Strand patrouillierten. Was ich denn um diese Zeit hier verloren hätte, wollten Sie wissen, und forderten mich auf, meine Taschen zu leeren. Das Gefühl, anderen Menschen und ihrer Willkür ausgeliefert zu sein, lernte ich damals zum ersten Mal kennen. Ein hässliches Gefühl der Ohnmacht, der Unsicherheit, das ich niemandem wünsche.

Die Hobby-Cops fanden unter anderem einen Schraubenzieher für mein Skateboard in meiner Hosentasche, und diesen stuften sie nun als gefährliche Waffe ein. Einer murmelte leise in ein Walkie-Talkie, und Panik wallte in mir auf. Sie würden mich jetzt der Polizei übergeben, sagte der andere zu mir, es sei denn… Bei diesen Worten hielt er vielsagend die Hand auf, und ich verstand sofort. Er und sein Kumpel wollten geschmiert werden. Ich zahlte also einen saftigen Obolus, und durfte auch sofort und mit dem Schraubenzieher in der Tasche weiter meiner Wege gehen. Eine Lektion, die mich für meine künftigen Reisen viel gelehrt hat. Denn tatsächlich kann man sich mit dem ein oder anderen Schein mitunter jede Menge Ärger ersparen. Auch, wenn man sich diesen gar nicht selbst eingebrockt hat.

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Wegen Angeln verhaftet

So eine Situation muss man aber lesen können, und schlimmstenfalls kann ein Bestechungsversuch auch noch mehr Ärger einbringen. So geschah es mir 2014 in Argentinien, als ich in Patagonien verbotenerweise im kürzesten Fluss der Welt nach Forellen angelte. Eine Dummheit, die geradezu nach Ärger schrie, die mir aber zum damaligen Zeitpunkt sehr aufregend vorkam. Es dauerte nicht lange, dann näherte sich ein Pickup-Truck, der unverkennbar der patagonischen Lokalpolizei gehörte. Ich entschied mich, es auf eine Begegnung ankommen zu lassen, statt zu flüchten. Als der Ordnungshüter mich nun wortreich auf mein Vergehen hinwies, zückte ich denn auch gleich mein Portemonnaie, und hielt ihm einen größeren Schein hin. Ein schwerer Fehler.

„Vas preso!“, schrie mich der Mann mit hochrotem Kopf an. „Du bist verhaftet!“ Ich also wie in einem Film hinten in den Wagen. Man brachte mich dann zu einer Polizeistation, die aussah wie eine gemütliche Blockhütte, und als glaubhafte Kulisse für ein Provinzgefängnis in jedem Western hätte firmieren können. Dort erwartete mich ein anderer Beamter, und versuchte nun, das Geschehene und meine Personalien aufzunehmen. Rückblickend bin ich nicht stolz auf die Aktion, aber ich stellte mich in der Folge derart dumm, dass man mich nach einer halben Stunde „Verhör“ völlig entnervt und quasi ungestraft entließ. Meine Angel wurde konfisziert, das war es aber auch schon. Das war aber auch der einzige Fall in meinem Leben, wo ich auf Reisen im Ausland bewusst eine Gesetzesübertretung riskiert habe.

Nackt bis auf die Unterhose

Verhaftet bzw. festgehalten wurde ich dennoch auf meinen Reisen mehrere weitere Male. In Venezuela kam es gleich mehrfach dazu, wobei sich der erste Vorfall schon am ersten Tag meiner Reise ereignete. Mit einem einheimischen Guide war ich in der Innenstadt der Hauptstadt Caracas unterwegs, und knipste fleißig Fotos. Als ich gerade ein paar Tauben aufnahm, sprachen mich auf einmal zwei Polizisten an. Was denn hier so spannend wäre, und ob sie mal meinen Pass sehen könnten. Den hatte ich leider vorsichtshalber, aus Angst vor Taschendieben, zu Hause gelassen. Und so nahmen die beiden Cops mich und meinen Begleiter kurzerhand fest und brachten uns auf eine Art mobile Wache an einer Straßenecke. Dort saßen außer uns schon jede Menge andere „Delinquenten“.

Bereits nach kurzer Zeit ließ man uns dann aber wieder gehen. Ich nehme an, mein Guide hatte wiederum die Brieftasche gezückt. Später erklärte er mir dann, die Polizisten hätten wegen meiner hochwertigen Kamera vermutet, ich sei ein ausländischer Spion. Das zweite Mal war nicht so glimpflich. An der Grenze zu Kolumbien saß ich in einem Überlandbus, der plötzlich stoppte. Ein Soldat mit automatischem Gewehr stieg ein, inspizierte die Gesichter, und forderte mich auf, mit ihm auszusteigen. Auf der Wache musste ich mich dann, völlig ohne Erklärung, bis auf die Unterhose ausziehen, während er meinen Rucksack sehr intensiv durchsuchte. Als er darin nichts Verdächtiges fand, fragte er mich ganz offen, was ich ihm denn nun schenken würde, damit er mich gehen ließe.

Versehentlicher Schmuggel

Er hielt mehrere Souvenirs hoch, die ich für meine Familie daheim gekauft hatte. Ein Paket Kaffee hätte er wohl gerne gehabt, aber als ich ihm sagte, dies sei für meine Oma, zeigte selbst er Verständnis. Mütter und vor allem Großmütter sind in Südamerika heilig. Schließlich ließ er sich mit einer 50-Cent-Münze abspeisen, nachdem ich behauptet hatte, das seien 50 Euro. Anschließend durfte ich meine Fahrt, vor Anspannung zitternd, fortsetzen, der Bus hatte sogar auf mich gewartet. An das Gefühl, völlig unverschuldet und fast vollständig nackt vor einem Mann mit riesiger Knarre zu stehen, kann ich mich bis heute nur allzu gut erinnern.

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Beinahe zum Schmuggler geworden

Eine meiner prägendsten Begegnungen mit dem Gesetz auf Reisen war aber eine, die zum Glück niemals wirklich stattfand. Auf der Rückreise von Belize nach Hause gab es nämlich einen Zwischenstopp in Dallas, Texas. Nun haben vielleicht auch Sie schon einmal von dem knallharten Prozedere der Homeland Security der USA gehört, was selbst Menschen auf der Durchreise betrifft. Auf jeden Fall ist es strengstens verboten, fremde Tier- und Pflanzenarten in die Staaten einzuführen. Und kurz vor der Landung in Dallas fiel mir nun siedend heiß ein, dass sich in meinem Apothekentäschchen, bereits für die Durchreise nach Berlin eingecheckt, Pflanzensamen aus Belize befanden, die mir ein Einheimischer geschenkt hatte.

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Mir war vollkommen klar, dass die Homeland Security den Rucksack eines Südamerika-Reisenden durchsuchen würde. Und ich hatte erst kurz zuvor ein Buch gelesen, in dem jemand in den USA am Flughafen verhaftet wurde, weil er Dreck aus einem anderen Land unter seinem Stiefel kleben hatte. Die vier Stunden Aufenthalt am Airport von Dallas gehörten zu den längsten meines Lebens. In ständiger Angst, mein Name könne aufgerufen werden, und ich so meinen Heimflug verpassen. Bereits auf dem Rollfeld kam es dann noch einmal zu einer wahren Herzstillstand-Szene, als die Polizei kurz vor dem Abflug meine Maschine betrat, und tatsächlich jemand anderen, warum auch immer, rausholte. Als ich in Berlin-Tegel landete, entdeckte ich übrigens auf meinem Rucksack ein Etikett, welches besagte, mein Gepäck sei durchsucht worden.

Dank Polizei zu besserem Wechselkurs

Eine weitere Begegnung der etwas anderen Art mit dem Gesetz hatte ich dann wiederum in Argentinien. Zu Besuch bei einem befreundeten Journalisten in Buenos Aires war ich auf der Suche nach einer „Casa de Cambio“. Also einer Geldwechselstube. In meinem Touristenführer war sie sogar mit Adresse vermerkt, trotzdem konnte ich sie nicht finden. Und so sprach ich schließlich einen vorbeigehenden Polizisten an. Der lachte nur und sagte: „Sei doch kein Idiot. Komm mit zu meinem Kumpel, der macht dir einen viel besseren Wechselkurs.“ Tatsächlich erhielt ich ein deutliches Mehr als erwartet für meine Devisen, und der Beamte ging, fröhlich pfeifend, mit einer dicken Provision in der Tasche seiner Wege.

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Vielleicht haben ja auch Sie, liebe Lesende, bereits solche skurrilen oder auch unschönen Begegnungen mit dem Gesetz auf Reisen gehabt. Mich persönlich haben meine vergangenen Erfahrungen gelehrt, potentiell brenzlige Situationen heute besser deuten zu können. So kann man ihnen bestenfalls aus dem Weg gehen, bevor sie überhaupt entstehen. Ansonsten ist es immer noch am besten, Ruhe zu bewahren. Auch, wenn man selbst vielleicht gar nicht versteht, wie es denn nun zu einer bestimmten Lage kommen konnte. Und das Wichtigste: Lassen Sie nicht zu, dass solche Erfahrungen die Erinnerung an Ihren gesamten Urlaub prägen.

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