Zwei davon in Deutschland!

Europa hat 7 neue Unesco-Welterbestätten

Ausgrabungsstätte Göbekli Tepe
Hier ist die Ausgrabungsstätte Göbekli Tepe in der Türkei zu sehen
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Jedes Jahr werden neue Orte von der Unesco zur Welterbeliste hinzugefügt, die kulturell, wissenschaftlich oder historisch bedeutungsvoll sind. Von 28 nominierten Stätten wurden in diesem Jahr 19 aufgenommen. Sieben von ihnen liegen in Europa und laden zu Entdeckungsreisen in längst vergangene Zeiten ein.

1. Aasivissuit in Dänemark

Im zentralen Westgrönland, nördlich des Polarkreises, liegt das Inuit-Jagdgebiet namens Aasivissuit. Es erstreckt sich über 2400 Quadratkilometer, zu denen auch Fjorde, Seen und Eiskappen gehören. Insgesamt umfasst die Kulturlandschaft sieben Orte, die von Nipisat im Westen bis zu Aasivissuit im Osten nahe der Eiskappe reichen. Besucher bekommen durch Relikte aus 4200 Jahren menschlicher Geschichte vor allem Einblicke in die damalige Lebensweise. Ab und an stehen sogar noch Gebäude in der Winterlandschaft, obwohl sie weitestgehend unbewohnt ist.

Aasivissuit in Dänemark

Der Ausblick in Aasivissuit in Dänemark
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2. Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk in Deutschland

Diese archäologische Stätte, die in Schleswig-Holstein liegt, bietet Relikte einer Handelsstadt aus dem ersten und frühen zweiten Jahrtausend nach Christus. Durch immer noch vorhandene Spuren von Straßen, Gebäuden, Friedhöfen und einem Hafen kann das Leben seinerzeit auch heute noch rekapituliert werden. Der Grenzkomplex galt damals wegen seiner Lage, zwischen dem fränkischen Reich im Süden und dem dänischen Königreich im Norden, als Knotenpunkt zwischen Kontinentaleuropa und Skandinavien sowie der Nord- und Ostsee. Durch gut erhaltene archäologische Funde kann die Entwicklung der wirtschaftlichen, sozialen und historischen Entwicklung im Europa zu Zeiten der Wikinger auch heute noch erforscht werden.

Große Teile des Danewerks und ganz Haithabu sind Naturschutzgebiet.

Der archäologischen Grenzkomplex Haithabu und Danewerk in Deutschland

Die Landschaft im archäologischen Grenzkomplex Haithabu und Danewerk in Deutschland
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3. Naumburger Dom in Deutschland

Der Naumburger Dom, der in der gleichnamigen Stadt zu finden ist, wurde zwischen 1213 und 1250 errichtet und gehört zu den bedeutendsten Kathedralbauten des Hochmittelalters. Ein Gang durch die Hallen des Kulturdenkmals im Stil der Spätromantik und Frühgotik lässt auf die damalige Technologie, Kunst und Architektur schließen. Weltbekannt ist der heute evangelische Dom wegen der Arbeiten des „Naumburger Meisters“ – ein namentlich nicht bekannter Steinbildhauer des Mittelalters. In den Hallen der Stätte stehen zwölf überlebensgroße Stifterfiguren, die aus der Werkstatt des Künstlers stammen.

Von Montag bis Sonntag ist der Naumburger Dom für Schaulustige geöffnet. Erwachsene müssen 6,50€ Eintritt zahlen. Ermäßigungen gibt es für ALG-II-Empfänger, Studenten, Azubis, Schüler und Gruppen.

Der Naumburger Dom

Der Naumburger Dom in Naumburg
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4. Ivrea, Industriestadt des 20. Jahrhunderts, in Italien

In den 1930er und 1960er Jahren wurde Ivrea von führenden italienischen Stadtplanern und Architekten entworfen. Olivetti, ein Hersteller von Schreibmaschinen, mechanischen Rechenmaschinen und Computern, experimentierte seinerzeit in der Industriestadt. Sie verkörpert die moderne Version der Beziehung zwischen Fertigungsindustrie und Architektur und wird als beispielhaftes gesellschaftliches Projekt angesehen.

Ivrea liegt in der Metropolitanstadt Turin in der Region Piemont.

Die Burg von Ivrea, Turin, Italien

Eine Luftaufnahme der Burg von Ivrea in Turin, Italien
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5. Kalifatsstadt Madīnat az-Zahrā in Spanien

Fast 1000 Jahre war die Kalifastadt Madīnat az-Zahrā in Andalusien in Vergessenheit geraten, bis sie im frühen 20. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. Die archäologische Stätte diente als Sitz des Kalifats von Córdoba, die Mitte des zehnten Jahrtausends durch die Umayyaden-Dynastie errichtet worden war. Urlaubern oder auch Einheimischen wird ein komplett erhaltenes städtisches Ensemble geboten mit Straßen, Brücken, Gebäuden und sogar Alltagsgegenständen. Bei einem Besuch taucht man in die heute verschwundene westliche islamische Zivilisation von Al-Andalus ein – damit wurden Teile der Iberischen Halbinsel bezeichnet, die zwischen 711 und 1492 muslimisch beherrscht worden waren.

Von Dienstag bis Sonntag kann die Stadt für etwa 26€ pro Person besucht werden.

Die Kalifatsstadt Madīnat az-Zahrā in Spanien

In der Kalifatsstadt Madīnat az-Zahrā in Spanien
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6. Göbekli Tepe in der Türkei

Die türkische Welterbestätte liegt in der Bergkette von Germuş im Südosten Anatoliens, nordöstlich der Stadt Şanlıurfa. Errichtet wurde sie zwischen 9600 und 8200 vor Christus durch Jäger und Sammler der vorkeramischen Jungsteinzeit. Bei einer Entdeckungstour werden einem dank in Säulen verewigten Abbildungen von bedrohlichen Tieren und Menschen die Weltanschauung und der Glauben der damaligen Einwohner Obermesopotamiens nähergebracht. Besonderheit der Grabungsstätte: Es handelt sich um die älteste Hochkultur der Menschheit.

Ausflüge werden im Internet in mehrtägigen Gruppen-Touren angeboten. Es sind aber auch private Tagestrips beispielsweise von Istanbul aus möglich.

Historische Stätte Göbekli Tepe in der Türkei

Die historische Stätte Göbekli Tepe in der Türkei
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7. Chaîne des Puys – Tektonikarena der Limagne-Verwerfung in Frankreich

Erstaunlich, aber auch in Zentralfrankreich gibt es Vulkane. Die Welterbestätte bilden die Limagne-Verwerfung, die Vulkankette der Chaîne des Puys und das nach innen gekehrte Relief der Montagne de la Serre. Der größte Vulkan der Kette ist übrigens der Puy de Dôme mit einer Höhe von etwa 1465 Metern in der Lavakuppel. Bei dieser Stätte sind vor allem die geologischen Merkmale interessant: Sie verdeutlichen, wie die kontinentale Kruste seinerzeit aufgerissen und aufgebrochen war, sodass das Magma aufsteigen und die Oberfläche anheben konnte.

Im Internet werden Touren zum Puy de Dôme und dem umliegenden Land angeboten. Wanderer und Abenteurer können den Vulkan auch selbst besteigen – den bequemeren Reisenden steht eine Bahn zum Gipfel zur Verfügung.

Die Chaîne des Puys in Zentralfrankreich

Die Chaîne des Puys in Zentralfrankreich von oben
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Die 7 neuen Welterbestätten Europas im Überblick auf der Karte:

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