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Crashtests

Wer bei den Sicherheitstests für die Luftfahrt vernachlässigt wird

Crashtest-Dummys sind männlich – ein Problem für die Sicherheit weiblicher Passagiere
Fliegen gilt als eine der sichersten Verkehrsformen. Man sollte dabei aber nicht unterschlagen, dass bei den Sicherheitsprüfungen ein Geschlecht bislang weniger berücksichtigt wird. Foto: Getty Images
Laura Pomer
Freie Autorin

9. Oktober 2026, 10:38 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Crashtests sind kontrollierte Kollisionsversuche, mit denen die Sicherheit von Fahrzeugen und deren Schutzsystemen überprüft wird. Sie simulieren die Belastungen, denen Menschen bei einem Unfall ausgesetzt sind. So möchte man ermitteln, wie wirksam beispielsweise Sitze und Sicherheitsgurte vor Verletzungen schützen. In der zivilen Luftfahrt stehen dabei insbesondere die Belastungen bei einer Notlandung im Mittelpunkt. Ein unterschätztes Problem: Die verwendeten Modelle orientieren sich überwiegend an männlichen Körpermaßen. Sie vernachlässigen dabei, dass weibliche Körper in vergleichbaren Situationen anders reagieren könnten. Dies könnte womöglich auf Kosten der Sicherheit von Frauen im Flugzeug gehen.

Frauen und Männer haben denselben grundlegenden anatomischen Aufbau. Darüber hinaus unterscheiden sie sich jedoch in einigen körperlichen Merkmalen, die bei einem Aufprall eine Rolle spielen können. Da sind etwa Körperproportionen, Knochenbau, Muskelmasse und der Verteilung von Körpergewebe. Genau diese Unterschiede sind bei den üblichen Crashtests in der Luftfahrt bislang nicht in gleicher Weise berücksichtigt.

Die Ex-Pilotin Natasha Heap hat das Problem beim Nachrichtenportal „The Conversation“ angesprochen. Sie kritisiert, dass bei der regulären Luftfahrtzulassung weiterhin erwachsene männliche Dummies die zentrale Rolle spielen.

Männlicher Crashtest-Dummy
Crashtest-Dummys sind genormte Testkörper, deren Klassifizierung basierend auf z. B. Geschlecht, Körpergröße, Alter sowie der spezifischen Unfallart erfolgt Foto: Getty Images

Bei den dynamischen Sitzprüfungen für Verkehrsflugzeuge dient ein 50.-Perzentil-männlicher Dummy als Referenz – also ein Körpermodell von etwa 1,75 Meter Größe und rund 77 Kilogramm Gewicht. Weder die europäischen EASA-Vorgaben noch die US-amerikanischen FAA-Regeln sehen für diese Tests ein gleichwertiges weibliches Referenzmodell vor.

Warum orientieren sich Crashtests vor allem an Männern?

Dass sich die ersten Crashtest-Dummys an den Körpermaßen von Männern orientierten, ist vielleicht nicht verwunderlich. Genauer waren es übrigens männliche Militärangehörige – die Puppen wurden 1949 für die US-Luftwaffe entwickelt.

Die Automobilindustrie übernahm bei ihren eigenen Crashtests bald den männlichen Körper als Referenzmodell für Sicherheitstests. Inzwischen werden bei Auto-Crashtests zwar auch Frauen-Dummys eingesetzt, allerdings handelt es sich bei den Puppen zumeist um ältere weibliche Modelle; ein Beispiel dafür ist der Hybrid III 5F. Dieser wurde ursprünglich vom männlichen Dummy abgeleitet und bildet die weibliche Anatomie damit nur begrenzt ab. Deshalb gibt es auch seit Jahren Stimmen, die die Vernachlässigung weiblicher Körpermaße bei automobilen Crashtests kritisieren.

Was bedeutet der Fokus auf männliche Crashtest-Dummies für die Praxis? Die unbefriedigende Antwort: Man weiß es nicht genau. Für die Luftfahrt fehlen wissenschaftliche Untersuchungen, die die bestehenden Schutzsysteme speziell an Frauen testen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass weibliche Fluggäste während einer Notlandung stärker gefährdet wären als Männer.

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Mahnende Beispiele aus der Automobilforschung

Autos verhalten sich bei einem Unfall natürlich anders als Flugzeuge. Dennoch machen Erkenntnisse aus der Verkehrssicherheitsforschung hellhörig. Und hier gibt es übrigens eine recht umfangreiche Datenlage. Eine aktuelle, vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds finanzierte Studie der TU Graz zeigt beispielsweise, dass Frauen bei Autounfällen ein rund 60 Prozent höheres Verletzungsrisiko haben als Männer. Die Forscher führen dies unter anderem auf Unterschiede in Körperbau, Sitzposition und der Wirkung von Rückhaltesystemen zurück.

Für die Luftfahrt gibt es einzelne Arbeiten, die weibliche und männliche Körpermodelle bei simulierten Landungen oder bei Belastungen in Sitzen vergleichen. Hier konnte beispielsweise eine Studie aus den USA zeigen, dass sich die Bewegungen und Belastungen des weiblichen und männlichen Körpers unter denselben Bedingungen unterscheiden können.

Bestehende Frauen-Dummies bilden keinen modernen Frauenkörper ab

Das Ganze ist insbesondere deshalb besonders bemerkenswert, weil weibliche Dummies in der Luftfahrt durchaus existieren. NASA und FAA haben solche Modelle in Forschungsprojekten eingesetzt – etwa einen 5.-Perzentil-Frauen-Dummy gemeinsam mit männlichen Dummies bei Crashtests und Belastungsversuchen. Wenn die weibliche Puppe auch eine vergleichsweise kleine und leichte Frau von rund 1,51 Metern Körpergröße und einem Gewicht von etwa 48 bis 49 Kilogramm verkörpert.

Der entscheidende Unterschied liegt also zwischen Forschung und Zulassung. Frauen werden in einzelnen Forschungsprojekten berücksichtigt, sind aber bislang nicht in gleicher Weise Teil der verbindlichen Referenzmodelle für die Zertifizierung.

Dabei sollte ein Sicherheitssystem, das alle Passagiere schützen soll, doch unbedingt an unterschiedlichen Körpern geprüft werden. Flugsicherheit muss alle Menschen berücksichtigen, die tatsächlich an Bord gehen. Zumal Flugzeuge nicht (mehr) überwiegend von Männern genutzt werden. Eine jüngere repräsentative Fluggastbefragung des Flughafenverbands ADV ergab, dass 48 Prozent der von deutschen Flughäfen abfliegenden Passagiere Frauen waren. Am Flughafen München beispielsweise waren 2024 mit 52 Prozent mehr als die Hälfte der befragten Passagiere weiblich.

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