28. September 2026, 10:34 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Es ist für viele Menschen der wohl unliebsamste Teil der Reisevorbereitung: das Gepäck noch einmal wiegen. Man möchte natürlich so viel mitnehmen wie möglich – das Koffergewicht darf aber bekanntlich bestimmte Obergrenzen nicht überschreiten. Bloß warum eigentlich? Und warum machen oft wenige Hundert Gramm einen so großen Unterschied? Oft ist es auch ein finanzieller, wenn man für das Übergepäck Gebühren bezahlen muss. TRAVELBOOK hat herausgefunden, warum die Airlines beim Gepäckgewicht so streng sind.
Wie schwer Koffer sein dürfen, variiert je nach Airline
Es empfiehlt sich, vor einer Flugreise einen Blick auf die Gepäckbestimmungen der verantwortlichen Airline zu werfen. Denn die zulässigen Gewichtsgrenzen unterscheiden sich teilweise. Dahinter steckt unter anderem die Frage, wie viel Gewicht ein Flugzeug beim Start überhaupt haben darf. Für die Berechnung spielen wiederum verschiedene Faktoren eine Rolle.
Jedes Flugzeug darf beim Start eine bestimmte maximale Masse nicht überschreiten. Dabei zählen das Gewicht der Passagiere und ihres Gepäcks mit – aber längst nicht nur. Das Flugzeug selbst bringt sein Gewicht mit, dann sind da noch der Treibstoff, die Crew, Catering, Fracht, und so weiter. Am Ende muss die gesamte Beladung innerhalb bestimmter Grenzen bleiben.
Es kommt auch auf die Größe an
Das Koffergewicht ist wichtig, aber nicht alles entscheidend. Sie können also nicht etwa einen etwas größeren Koffer als Handgepäck nehmen, der dafür aber nur spärlich befüllt ist. Die Gepäckfächer in den Flugzeugkabinen haben begrenzten Platz und dürfen ferner nur innerhalb bestimmter Belastungsgrenzen genutzt werden. Damit Ihr Koffer sicher verstaut werden kann, darf er entsprechend eine gewisse Größe nicht überschreiten.
Die neuen EU-Regeln legen für einen kleinen persönlichen Gegenstand, den Passagiere kostenlos mitnehmen dürfen – etwa eine Handtasche oder einen kleinen Rucksack –, eine einheitliche Größe von 40 × 30 × 15 Zentimetern fest. Beim größeren Handgepäck, das in der Gepäckablage über den Sitzen verstaut wird, bleiben die zulässigen Maße dagegen je nach Airline unterschiedlich.
Airlines achten aufs Koffergewicht – wiegen aber nicht jeden
Normalerweise wiegen Airlines nicht jeden einzelnen Passagier. Stattdessen können sie für die Berechnung auf von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) festgelegte Standardgewichte zurückgreifen. Für Flugzeuge mit mindestens 30 Sitzplätzen gilt derzeit beispielsweise ein Standardgewicht von 84 Kilogramm pro erwachsener Person – das Handgepäck ist dabei bereits eingerechnet. Alternativ können getrennte Standardwerte für Männer und Frauen verwendet werden: 88 Kilogramm für Männer und 70 Kilogramm für Frauen.
Nun denken Sie wahrscheinlich: Das durchschnittliche Körpergewicht der Menschen hat sich in vielen Industrieländern über die vergangenen Jahrzehnte verändert. Beispielsweise in Australien wurden tatsächlich Anpassungen vorgenommen, um dies zu berücksichtigen.
Sollte das (steigende) Passagiergewicht die Werte beeinflussen?
Wie eine ehemalige Pilotin – eine Australierin – beim Nachrichtenportal „The Conversation“ näher erklärt, lag das errechnete Standardgewicht zu Beginn ihrer Karriere im Jahr 1998 noch bei 77 Kilogramm pro Passagier, ohne Handgepäck. Heute gelten je nach Flugzeugtyp und Sitzplatzkapazität andere Werte. Für Flugzeuge mit 150 bis 299 Sitzen lägen sie beispielsweise bei 81,8 Kilogramm für einen erwachsenen Mann und bei 66,7 Kilogramm für eine erwachsene Frau.
Warum nicht auch in Deutschland und anderswo in Europa nachjustiert wurde? Das liegt an den Ergebnissen einer Untersuchung der EASA aus dem Jahr 2021/22. Da hatte die Agentur festgestellt, dass sich das durchschnittliche Gewicht der untersuchten Passagiere offenbar doch nicht in erheblichem Maße verändert hat. Zumindest war der Unterschied zur vorherigen Untersuchung statistisch nicht signifikant.
Das Koffergewicht zu regulieren, bringt Airlines Geld
Dass Gepäckgebühren für Airlines auch eine Einnahmequelle sind, ist kein Geheimnis. Besonders bei Billigfluggesellschaften werden Flüge häufig mit einem niedrigen Grundpreis angeboten, während zusätzliches Hand- oder Aufgabegepäck extra kostet.
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Bei einigen Fluggesellschaften oder deren Abfertigungsdienstleistern gibt es sogar finanzielle Anreize für Mitarbeiter, wenn diese zu großes Handgepäck erkennen. TRAVELBOOK geht hier näher darauf ein. Bei Ryanair sollen es rund 1,50 Euro pro identifiziertem Fall sein. Swissport-Mitarbeiter, die unter anderem für Easyjet an britischen Flughäfen tätig sind, sollen als „Finderlohn“ etwa 1,38 Euro erhalten.
Trotz Aufpreis für Übergepäck gelten Gewichtsgrenzen
Dass Passagiere für zu schweres Gepäck bezahlen und dieses dann doch mitnehmen können, wirkt vor dem oben beschriebenen Sicherheitshintergrund zunächst etwas widersprüchlich. Aber keine Sorge, dieses Modell setzt keine Sicherheitsgrenzen des Flugzeugs außer Kraft. Die Gepäckgebühr ist zunächst eine tarifliche Regelung der Airline. Für die Sicherheit gelten unabhängig davon die technischen Grenzen des Flugzeugs.
Die EASA setzt voraus, dass Airlines vor dem Start sicherstellen müssen, dass die zulässige Startmasse eingehalten wird. Würde das Flugzeug insgesamt zu schwer, müsste die Beladung entsprechend angepasst werden.
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Sperriges, schweres Handgepäck behindert den Ablauf
Allemal kann schweres Gepäck den Ablauf am Flughafen verkomplizieren. Und zwar nicht nur für den Einzelnen, der seinen Flug aufgrund von Problemen bei der Gepäckaufgabe schlimmstenfalls sogar verpassen kann. Entsprechende Erfahrungen teilen Nutzer auf der Plattform „Reddit“.
Die IATA beschreibt die Flugzeugabfertigung als eng koordinierten Prozess. Verzögerungen beim Gepäckhandling oder bei der Beladung können weitere Arbeitsschritte beeinträchtigen und somit den gesamten Turnaround eines Flugzeugs verzögern, also die Bodenzeit zwischen Ankunft an der Parkposition und erneutem Abflug. Das überrascht nicht: Die vielen Koffer müssen logischerweise nicht nur angenommen und transportiert, sondern auch entsprechend den Ladeanweisungen im Flugzeug verstaut und bei Bedarf in der Gewichtsberechnung berücksichtigt werden.
Bedenken Sie beim Packen, wie viel Sie selbst stemmen können
Als Alleinreisende sollten Sie übrigens nicht auf Teufel komm raus die maximale Gewichtsobergrenze für das Gepäck ausschöpfen, wenn Sie diese selbst nicht bewältigen können. Denn es ist aus verschiedenen Gründen nicht fair, Hilfe vom Kabinenpersonal zu beanspruchen. Zum einen hat die Crew wichtige To-dos, um die Sicherheit an Bord zu gewährleisten, und muss sich darüber hinaus auch um Ihre Verpflegung kümmern.
Hinzu kommt, dass das Stemmen des Handgepäcks der Passagiere nicht zu den offiziellen Aufgaben von Flugbegleitern gehört. Das bedeutet auch, dass sie im Falle einer Verletzung beim Hantieren mit einem Koffer nicht versichert wären – dies würde dann nicht als Arbeitsunfall zählen.
Da sie im Zweifelsfall sehr hilfsbereit sind, kommt es dennoch immer wieder vor, dass Flugbegleiter den Passagieren beim Verstauen ihres Gepäcks zur Hand gehen. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass das Hantieren mit Gepäckfächern und Gepäck zu den körperlich belastenden Tätigkeiten im Arbeitsalltag von Flugbegleitern gehört.