6. Oktober 2026, 10:49 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Flugzeuge sehen eben aus wie Flugzeuge: Hinter dem Cockpit folgt ein langer, schmaler Rumpf, auf der linken und rechten Seite jeweils eine Tragfläche und viele Fenster. Aber wer sagt, dass es genauso sein muss? Das Start-up JetZero hat mit seinem Z4 einen Flieger entwickelt, der optisch eher an eine Art Rochen erinnert. Und das soll natürlich nicht nur Folgen für das Erscheinungsbild haben.
Der JetZero Z4 will aerodynamischer sein – und nicht nur das
Die klassische Flugzeugform ist natürlich kein Quatsch. Sie hat sich über Jahrzehnte gehalten, weil sie viele Anforderungen miteinander verbindet – von Aerodynamik und Gewicht über Stabilität bis hin zu Passagierkomfort und praktischer Nutzbarkeit.
Doch es geht offenbar noch besser. Das kalifornische Unternehmen JetZero setzt bei seinem Z4 auf einen sogenannten „Blended Wing Body“ (kurz BWB) und damit auf eine nahtlose Verbindung von Flügeln und Rumpf. Dabei bildet praktisch das gesamte Flugzeug eine tragende Fläche. Die Konstruktion soll dadurch einen größeren Teil des Flugzeugkörpers aerodynamisch nutzbar machen. Das kann den Luftwiderstand verringern und gleichzeitig zusätzlichen Auftrieb erzeugen. Die US Air Force, die die Entwicklung des Konzepts gemeinsam mit JetZero unterstützt, sieht in BWB-Flugzeugen ein erhebliches Potenzial für Effizienzgewinne.
Einsatz für die 2030er-Jahre geplant
Doch das ist alles noch Zukunftsmusik – bis der Z4 tatsächlich Passagiere befördern kann, ist es noch ein weiter Weg. JetZero erhofft, den kommerziellen Betrieb in den frühen 2030er-Jahren starten zu können. Bislang existiert der Z4 vor allem als Entwurf: Das Unternehmen arbeitet an der digitalen Konstruktion, technischen Berechnungen und weiteren Details der Entwicklung.
Auch muss JetZero für die Zulassung des Z4 noch beweisen, dass das ungewöhnliche Konzept tatsächlich funktioniert. Dafür baut das Unternehmen den Jet1, einen großen Versuchsflieger in etwa der Größe des geplanten Z4. Er soll nach aktuellem Zeitplan 2027 erstmals abheben. Zuvor hat JetZero bereits kleinere Testflugzeuge eingesetzt und damit nach eigenen Angaben mehr als 30 Flüge absolviert. Mit dem Jet1 soll nun getestet werden, wie sich das BWB-Konzept in dieser Größenordnung tatsächlich verhält.
Und ein ganz wesentliches Thema ist noch nicht abschließend geklärt: das Finanzielle. Im Juli 2026 unterzeichnete JetZero mit der US-Export-Import-Bank EXIM eine Absichtserklärung über eine mögliche Finanzierung von bis zu drei Milliarden US-Dollar für die geplante Fabrik in North Carolina. Eine Zusage für diese Summe gibt es damit noch nicht. Das Vorhaben muss zunächst weitere Prüfungen durchlaufen und von der zuständigen Stelle genehmigt werden.
Man darf aber trotzdem schon mal einen Blick auf die geplanten Eckdaten werfen.
Mit drei Flügeln! Neues Superflugzeug soll Luftfahrt revolutionieren
Darum hat nicht jeder Fensterplatz im Flieger ein Fenster
Die Dimensionen des geplanten Fliegers
Der Z4 soll später rund 250 Passagiere befördern und bis zu 5000 nautische Meilen weit fliegen können, das sind etwa 9260 Kilometer. Damit könnte er viele Mittel- und Langstrecken ohne Zwischenstopp zurücklegen. Das ist zunächst nicht übermäßig viel – bemerkenswerter ist die angestrebte Treibstoffersparnis, die die ungewöhnliche Bauweise möglich machen soll. JetZero nennt einen um 50 Prozent verringerten Verbrauch verglichen mit herkömmlichen Flugzeugen ähnlicher Größe. Natürlich muss man weiterhin bedenken, dass es sich hierbei um ein Entwicklungsziel handelt.
Auch bei den Triebwerken plant JetZero einen ungewöhnlichen Weg. Sie sollen weit hinten am Flugzeug angebracht werden. Dadurch könnte das Unternehmen die Luftströmung entlang der Oberfläche besser nutzen und so den Luftwiderstand verringern.
Für Reisende dürfte allerdings eine andere Frage noch spannender sein: Wie sieht es im Inneren aus? Schon von außen ist zu erkennen, dass die Kabine des Z4 deutlich breiter und flacher ausfallen soll als die eines herkömmlichen Passagierflugzeugs. Das bekannte Muster aus Sitzreihen, Mittelgang und schmalen Seiten lässt sich auf diese ungewöhnliche Form nicht einfach übertragen.
Wie Passagiere im neuartigen Z4 sitzen könnten
Tatsächlich sind die Details für den Passagierbereich noch nicht endgültig entschieden, weshalb es noch keine passenden Renderings gibt – dafür aber Ideen. Laut JetZero könnte die ungewöhnliche Form des Z4 auch im Innenraum Neues ermöglichen. Denkbar wären mehrere einzelne Bereiche, die stärker voneinander getrennt sind, außerdem breitere Einstiege und eine flexiblere Anordnung der Sitze. JetZero und seine Airline-Partner sehen zudem Potenzial für größere Sitze und zusätzlichen Stauraum für Handgepäck.
Die ungewöhnliche Bauweise bringt allerdings auch eine Herausforderung mit sich – an einer Stelle, die Fluggäste vielleicht vermissen könnten. Denn aus gewöhnlichen Flugzeugen sind Fenster neben fast jeder Sitzreihe kaum wegzudenken. Beim JetZero Z4 fällt die Kabine deutlich breiter aus, sodass viele Passagiere weiter von der Außenwand entfernt sitzen würden. Wie sich das auf das Gefühl in der Kabine auswirkt und ob JetZero dafür eine überzeugende Lösung findet, bleibt abzuwarten. Denkbar wären beispielsweise Oberlichter oder digitale Anzeigen, die den Blick nach draußen ermöglichen könnten.
Auch interessant: Ihre Rechte, wenn der bezahlte „Fenster“-Platz kein Fenster hat
Ob und gegebenenfalls wie der Z4 am Ende mit Fenstern ausgestattet sein wird, ist ebenso offen wie die Frage, ob aus dem ungewöhnlichen Konzept tatsächlich ein neues Passagierflugzeug wird. Man darf gespannt sein!