13. April 2026, 14:59 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Dass Piloten und Flugbegleiter nur selten Bärte tragen, ist vielen Fluggästen vermutlich schon aufgefallen. Neben ästhetischen Gründen wird dafür vor allem ein mögliches Sicherheitsrisiko für die Piloten angeführt – und damit auch für die Passagiere. Dazu hat jedoch jede Airline ihre eigenen Vorschriften. Warum sich diese nun für das Flugpersonal von Hawaiian Airlines ändern und weshalb das bei vielen Angestellten auf Kritik stößt, erklärt TRAVELBOOK.
In einem anderen Artikel haben wir bereits erläutert, warum Piloten und Kabinenpersonal nur selten mit Bart zu sehen sind: Airlines legen großen Wert auf ein einheitliches, gepflegtes Erscheinungsbild – dazu zählen etwa Mindestgrößen, eine makellose Uniform und ein insgesamt professionelles Auftreten. Auch Gesichtsbehaarung wird je nach Fluggesellschaft reguliert. Neben optischen Gründen spielte dabei lange ein sicherheitsrelevanter Aspekt eine Rolle: Bärte könnten die Dichtheit von Sauerstoffmasken beeinträchtigen. Eine Studie der US-Luftfahrtbehörde FAA aus den 1980er-Jahren stützte diese Annahme.
Sicherheits-Argument bröckelt
Neuere Untersuchungen kommen jedoch zu einem anderen Ergebnis: Laut einer Studie im Auftrag von Air Canada hat Gesichtsbehaarung keinen Einfluss auf die Funktion moderner Sauerstoffmasken. In der Folge lockerten einige Airlines ihre Vorschriften, bei Air Canada sind seit 2018 etwa kurze, gepflegte Bärte erlaubt.
Dennoch unterscheiden sich die Regeln weiterhin stark. Während manche Fluggesellschaften Bärte untersagen oder stark einschränken, erlauben andere, wie neben Air Canada auch etwa Lufthansa, zumindest gepflegte Varianten. Häufig stehen dabei weniger Sicherheitsfragen als vielmehr Professionalität und Außenwirkung im Fokus.
Darum tragen Piloten so selten Bärte
Größe, Gewicht, Tattoos – Kriterien für das Aussehen von Flugbegleiterinnen
Alaska Air Group übernimmt Hawaiian Airlines
Eine Airline, die weiterhin strikt an einem generellen Bartverbot festhält, ist die US-amerikanische Alaska Airlines. Das Unternehmen beruft sich, laut „AirlineGeeks“ dabei sowohl auf ältere Sicherheitsannahmen als auch auf interne Untersuchungen und verfolgt eine klare Linie: Wer hier arbeitet, ist rasiert. Diese Regelung gilt künftig auch für das Personal von Hawaiian Airlines. Denn diese wurden 2024 von der Alaska Air Group als Tochterfirma übernommen. Ab dem 20. April dieses Jahres gelten die Vorgaben auch für die Piloten der traditionsreichen Airline aus Hawaii.
Neues Bartverbot sorgt für kulturelle Spannungen
Die Entscheidung sorgt bereits im Vorfeld für Widerstand. Wie „AirlineGeeks“ weiter berichtet, wurde sogar die Pilotengewerkschaft „Air Line Pilots Association“ eingeschaltet. In einem Statement betonen Vertreter der Hawaiian-Airlines-Piloten vor allem ihre langjährige, einwandfreie Sicherheitsbilanz. Aus ihrer Sicht gibt es keinen Anlass für strengere Vorschriften. Zudem verweisen sie auf kulturelle Aspekte: Für viele Piloten mit hawaiianischen Wurzeln habe Gesichtsbehaarung eine persönliche und kulturelle Bedeutung.
Tatsächlich spielt Haar in der hawaiianischen Kultur traditionell eine besondere Rolle. Es gilt als Träger von „Mana“, also spiritueller Kraft, und kann Identität sowie Zugehörigkeit ausdrücken. Ob dies explizit auch für Bärte gilt, ist nicht eindeutig belegt – dennoch überrascht es kaum, dass die neuen Vorgaben auf internen Widerstand stoßen.
Alaska Airlines weist die Kritik zurück. Vizepräsident Dave Mets betont, man habe „weder Interesse noch Absicht“, die hawaiianische Kultur im gemeinsamen Unternehmen zu beschneiden. Im Gegenteil seien andere Regeln, etwa zu Tattoo-Sichtbarkeit, zuletzt gelockert worden.
Am Bartverbot ändert das jedoch nichts: Laut aktualisiertem Erscheinungsstandard bleibt lediglich ein gepflegter Schnurrbart erlaubt, Vollbärte sind weiterhin untersagt.