Unerwartetes Erlebnis

Plötzlich musste ich in Griechenland einen Coronatest am Flughafen machen

Frau macht Corona-Test am Flughafen
Schneller Corona-Test am Flughafen (Symbolbild)
Foto: Getty Images

Eine Woche Griechenland im September. Die Reise, die bereits vor Corona gebucht war, stand mehrmals auf der Kippe. Jetzt sollte der Urlaub auf der Insel Zakynthos doch klappen. Davor aber wird TRAVELBOOK-Autorin Sonja Koller plötzlich am Flughafen von einem Coronatest überrascht.

Seit zehn Jahren steht für mich jeden Sommer Urlaub in Griechenland an. Meist verbringe ich eine Woche auf der ionischen Insel Zakynthos. In diesem Sommer aber ist alles, und vor allem das Reisen, anders. Dass ich meinen jährlichen Sommerurlaub tatsächlich auf Zakynthos verbringen kann, überrascht mich. Griechenland gilt zum Zeitpunkt meiner Reise nicht als Risikogebiet, mein Urlaub sollte also kein Problem sein. Die Einreise-Bestimmungen verunsichern trotzdem.

Flugverbindungen in diesem Jahr sind etwas anders – meine gewohnte Direktverbindung Berlin-Zakynthos gab es nicht. Nach Athen aber schon, also buchte ich einen Flug mit Zwischenstopp in der griechischen Hauptstadt, obwohl mir ein Direktflug wohl einigen Stress erspart hätte.

Erste Dramen schon am Flughafen Tegel

Der Easyjet-Flug nach Athen sollte um sieben Uhr starten, und während ich noch müde Abschied vom Flughafen Tegel nahm, spielten sich am Gate bereits Dramen ab. Zur Einreise nach Griechenland benötigt man einen QR-Code, das sollte jeder Urlauber wissen. Denn darauf wurde man bei Recherche zum Reiseland, beim Buchen und in E-Mails der Fluggesellschaft hingewiesen. Um den Code zu erhalten, muss man in einem Onlineformular Daten zur Person, dem Wohnsitz und darüber angeben, wo man sich in den letzten zehn Tagen aufgehalten hat.

Den Code selbst bekommt man erst am Tag des Abflugs um Mitternacht zugeschickt. Ohne Code kommt man nicht nach Griechenland und scheinbar auch nicht so leicht in den Flieger, was sich an jenem Morgen am Flughafen Tegel herausstellte. Denn zwei Gäste hatten keinen Code parat. Ich aber hatte ihn und somit einen Platz im vollen Flieger ergattert. In drei Stunden nach Athen, dann Umsteigen, drei Stunden warten und nach einer weiteren Stunde Flug ab auf die Insel – so lautete der Plan. Aber so einfach sollte es nicht sein…

Von Schlange zu Schlange

Angekommen in Athen stellten sich alle Fluggäste, natürlich eng gedrängt, in eine Schlange, an dessen Ende ein Angestellter des Flughafens darüber entschied, ob man einen Coronatest machen musste oder nicht. Ob seine Entscheidung auf dem Code basiert, kann ich nicht beurteilen. Die Augen des Griechen huschten kurz über meinen Code und die dazugehörende Zahlenreihe und er sprach das gefürchtete Wort aus: „Test“.

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Dass ich hier nur umsteigen und eigentlich nach Zakynthos wollte, interessierte ihn nicht. Ich erklärte, dass ich mich auf der Insel testen lassen könne, aber der Mann wiederholte das scheinbar einzige Wort, dass für seine Aufgabe relevant war. „Test“. Ich musste mich hinter der Hälfte der Passagiere meines Flugzeugs in eine neue Schlange zu den provisorisch aufgestellten Testkabinen stellen.

Stäbchen in den Mund und viele Fragezeichen

Hier standen sechs Kabinen hintereinander. Jede war mit Vorhang und zwei Arzthelfern ausgestattet. Hinter mir wartete eine Mutter mit ihrem Sohn, der sie quengelig fragte, was sie hier machten. „Mami kriegt jetzt ein Stäbchen in den Mund gesteckt“, erklärte sie ihrem Sprössling, was diesen noch mehr verwirrte und zu mehr Fragen anregte. Auf die Frage „Warum?“ wusste die Mutter auch keine Antwort. Denn Passagiere, die in Griechenland ankommen, werden am Flughafen zufällig für einen Coronatest ausgewählt.

 

Ich war verunsichert. Würde ich meinen Anschlussflug erreichen können? Musste ich nach dem Test in Quarantäne, bis das Ergebnis bekannt wurde? Wenn ja, wo? Etwa am Flughafen? Die Schlange bewegte sich schnell, doch ich konnte nicht sehen, wohin die Passagiere nach dem Test verschwanden. Wie lange dauert dieser Test und wie lange würde ich auf das Ergebnis warten müssen?

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Noch bevor ich in Panik ausbrechen konnte war ich dran. Eine junge Frau in Schutzkleidung winkte mich in eine Kabine und nuschelte, ich sollte meinen Code ihrem Kollegen zeigen. Dieser scannte ihn und warf einen Blick in meinen Pass. „Jetzt die Maske runter und ‚Ahhhh‘ machen“, forderte mich die Frau auf und schob mir ein Stäbchen tief in den Mund. Kurz schoß ein Bild in meinen Kopf, wie ich mich auf ihre Füße ergebe. Ein Stäbchen, so tief in meinem Rachen, löste einen gewissen Brechreiz aus, der auch unangenehm enden könnte.

Kein Testergebnis ist ein gutes Zeichen

Nach zehn Sekunden war der Test aber zum Glück vorbei und man schickte mich, ohne Anweisungen, weiter in den Teil des Flughafens, wo sich auch die anderen Passagiere aufhielten. Es war vorbei. Ich musste weder in Quarantäne noch wurden mir andere Anweisungen gegeben, was jetzt zu tun war. Das Testergebnis bekam ich nie. Ein gutes Zeichen, denn nur auf Covid-19 positiv getestete Personen werden benachrichtigt.

Auf der Fahrt vom Flughafen in Zakynthos zum Hotel war ich noch nie so erleichtert. Meine alljährliche Dosis Zakynthos, Tzatziki, Ouzo und Souvlaki durfte ich also auch in diesem Corona-Sommer genießen.