27. November 2025, 15:43 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Eine ungewöhnliche Aufforderung von US-Verkehrsminister Sean Duffy sorgt derzeit für Aufsehen: Flugreisende sollen künftig auf Schlafanzüge und Hausschuhe verzichten. Was zunächst wie eine kuriose Forderung klingt, ist Teil einer breit angelegten „Höflichkeitskampagne“, die das Miteinander während einer Flugreise verbessern soll. TRAVELBOOK erklärt die Hintergründe.
Bei einem Termin am Flughafen Newark im US-Bundesstaat New Jersey erklärte der Verkehrsminister, dass ihm ein „Verfall der Höflichkeit“ aufgefallen sei – besonders während des hohen Passagieraufkommens in der Ferienzeit. Der Hintergrund ist ernst: Seit der Pandemie hat sich das Verhalten vieler Passagiere dramatisch verschlechtert und Zwischenfälle an Bord häufen sich. Nun soll die Wahl der Kleidung zu einem entspannteren Miteinander beitragen.
Von Kleidung bis Höflichkeit– was zur Kampagne gehört
Laut „Fox News“ richtete sich US-Verkehrsminister Sean Duffy direkt an die Reisenden: „Ich möchte die Menschen dazu bewegen, sich etwas besser zu kleiden. Das ermutigt auch uns zu besserem Verhalten.“ Seine konkrete Bitte: Eine Jeans und ein anständiges Shirt sollten es mindestens sein – Hausschuhe und Pyjamas hätten am Flughafen nichts zu suchen.
Zur „Höflichkeitskampagne“ gehört aber mehr als nur die Kleidungsfrage. Der Minister appellierte auch daran, Piloten und Flugbegleitern „Bitte“ und „Danke“ zu sagen und Mitreisenden beim Verstauen des Gepäcks zu helfen. „Höflichkeit zurückzubringen, verbessert das Reiseerlebnis für alle“, erklärte Duffy gegenüber Fox Business.
Die Zahlen geben ihm recht: Laut Daten der US-Luftfahrtbehörde FAA ist die Zahl der Störungen an Bord seit 2019 um 400 Prozent gestiegen – von auffälligem Verhalten bis zu Gewalt. Fast jeder fünfte Flugbegleiter erlebte 2021 einen körperlichen Übergriff. Auch 2024 liegen die Meldungen über aufsässige Passagiere noch deutlich über dem Vor-Pandemie-Niveau.
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Experten: Pyjamas gehören ins Schlafzimmer
Diane Gottsman, Etikette-Expertin und Gründerin der Protocol School of Texas, unterstützt die Initiative. Gegenüber „Fox News“ betonte sie, dass es bei der Flughafen-Garderobe nicht um Mode, sondern um Höflichkeit gehe. „Aus Etikette-Perspektive sollte der Pyjama der Privatsphäre des eigenen Zuhauses oder Hotelzimmers vorbehalten bleiben – nicht dem öffentlichen Raum.“
Auch Jacqueline Whitmore, ehemalige Flugbegleiterin und Gründerin der Protocol School of Palm Beach, stimmt dem zu. Sie verweist auf das psychologische Konzept der „enclothed cognition“ – die Idee, dass unsere Kleidung beeinflusst, wie wir uns verhalten und wie andere auf uns reagieren. „Wenn wir uns bewusst kleiden, verleiht uns das mehr Selbstbewusstsein und Selbstrespekt“, erklärt sie. „Flip-Flops und Shorts seien zwar auch nicht ideal, aber immer noch besser als Schlafanzüge.“
Die Expertinnen spekulieren zudem, dass Prominente den Loungewear-Trend verstärkt haben. Rihanna wurde mehrfach in luxuriösen Seiden-Schlafanzügen gesichtet. Ed Sheeran trug bereits 2015 Pyjamahosen am Flughafen von Los Angeles. Das Terminal als Wohlfühlzone ist für viele offenbar kein Tabu mehr. Für Kinder allerdings gelte es, etwas großzügiger zu sein, gerade auf Nachtflügen.
Respekt statt Dresscode – worum es wirklich geht
US-Verkehrsminister Duffy wünscht sich letztlich keine Rückkehr zu strengen Flugoutfits. Er fordert jedoch eine Rückkehr zu etwas mehr Respekt – gegenüber sich selbst, der Crew und den Mitreisenden.
Die Expertinnen betonen, dass es nicht um Status oder Formalität gehe. „Es hat nichts mit sozialem Status zu tun, sondern mit dem Respekt, den wir uns selbst und anderen zeigen“, fasst Gottsman zusammen. Komfort und angemessene Kleidung müssten sich nicht ausschließen. Sie erinnern dabei an die „Goldene Ära“ des Fliegens. Damals putzten sich viele Passagiere heraus und betrachteten das Fliegen als besonderes Ereignis. Auch wenn diese Zeiten vorbei sind: Ein Bewusstsein für Auftreten und Höflichkeit könnte das Reiseerlebnis laut Duffy für alle verbessern.