Alles nur Photoshop?

Wie entstehen eigentlich Fotos von Flugzeugen in großer Höhe?

Ein Passagierflugzeug fliegt in der Regel auf einer Höhe von 10 bis 15 Kilometern. Wie entstehen Fotos der Maschinen während des Flugs?
Ein Passagierflugzeug fliegt in der Regel auf einer Höhe von 10 bis 15 Kilometern. Wie entstehen Fotos der Maschinen während des Flugs?
Foto: Getty Images

Auf Reiseprospekten, Airline-Tickets und Webseiten begegnen uns immer wieder tolle Fotos von Flugzeugen, die über Wolken hinwegfliegen. Doch haben Sie sich jemals gefragt, wie diese Bilder so weit über über unseren Köpfen zustande kommen? TRAVELBOOK klärt auf.

Wenn man das Glück hat, im Flieger am Fenster zu sitzen, wird gerne mal das Smartphone gezückt, um Fotos zu machen. Der Himmel zeigt sich in klarem Blau, die Wolken sehen wie Zuckerwatte aus oder unter einem breiten sich Städte, Berge und Küste aus. Oft landet dann das obligatorische Luftfoto mit Flugzeugflügel auf Instagram oder Facebook. Doch wie entstehen eigentlich die Fotos, die das gesamte Flugzeuge von außen während des Flugs, weit über den Wolken zeigen? Diese Bilder begegnen uns häufig in der Werbung – doch wer steckt hinter den Bildern?

Auf Internetseiten wie denen von Airbus, Boeing oder auch von TUI Fly beispielsweise begegnet dem Besucher sofort ein Flieger, der über den Wolken hinwegschwebt. Bei dem von TUI Fly handelt es sich allerdings um eine Fotomontage. Das Bild ist nicht über den Wolken, in großer Höhe, sondern am Computer entstanden.

Das Flugzeug, das man dort sieht, ist allerdings tatsächlich abgelichtet worden. „Wir beauftragen Boeing mit den sogenannten Air-to-Air-Bildern. Die haben einen Learjet, ein etwas kleineres Flugzeug, mit einer 360-Grad-Kamera, die auf dem Dach des Fliegers unter einer Glaskuppel montiert ist. Damit kann man um das Passagierflugzeug fliegen und es von allen Seiten fotografieren. Der Rest passiert in der Nachbearbeitung“, sagt Jan Hillrichs von TUI Fly zu TRAVELBOOK. Auftraggeber in diesem Bereich gibt es viele, doch ein gelungenes Bild oder Video eines Objektes hoch oben in der Luft zu machen, ist eine Kunst für sich.

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Wie Air-to-Air-Aufnahmen entstehen

Das zeigt sich in der Arbeit der Produktionsfirma Wolfe Air, die sich selbst als Marktführer in Sachen „Cinema Avation“ bezeichnet. Als Referenzen nennen Wolfe Air Filme wie „Interstellar“, „Avengers“ und „Air Force One“. Auch Emirates, Etihad Airways, das amerikanische, koreanische und kanadische Militär sind Kunden der Firma. Sie nutzt insgesamt drei Maschinen – einen Learjet, eine Cessna und einen Helikopter, an deren Rumpf, der Unterseite der Maschinen und an den Flügeln Kameras befestigt werden. Die dabei verwendeten Kamerasysteme nennen sich „Vectorvision“ – das wird vom Piloten gesteuert und ist für HD-Aufnahmen und Fotos geeignet ist – und „Gyron“, das Bildstabilität und verminderte Vibrationen und Störungen, die durch die Maschine selbst und den Wind entstehen können, garantiert.

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Drohnen sind keine Option

In der Regel beauftragen Airlines und Flugzeughersteller Profis wie Justin de Reuck aus Südafrika, der seit 25 Jahren als Fotograf arbeitet und sich seit 2006 auf Luftbild- und Air-to-Air-Fotografie konzentriert. Auf seiner Homepage sind eine Reihe von Bildern von Kampfjets, Frachtern und kleineren Maschinen zu sehen. Er selbst fotografiert immer aus einem zweiten, kleineren Jet heraus, der das eigentliche Flugzeug begleitet. „Manchmal werden die Türen des Jets abmontiert, manchmal fotografiere ich durch eine transparente Überdachung hindurch“, sagt Justin de Reuck. Die Fotos entstehen meist auf einer Flughöhe von 2500 Fuß, also knapp 800 Meter. Einen Fotografen in einer zweiten Maschine für solche Aufnahmen einzusetzen, ist meist unumgänglich – Drohnen sind keine Option. „Drohnen werden niemals benutzt, das wäre nicht nur gefährlich, sondern auch noch illegal“, weiß der Fotograf. Auch er veröffentlicht Videos, in denen er seine Arbeit und die Entstehung der Fotos dokumentiert.

Eines der wohl teuersten Fotoshootings aller Zeiten

Wie teuer und aufwendig es sein kann, Flugzeuge in der Luft zu fotografieren, zeigt ein Video des Flugzeugbauers Airbus aus dem Jahr 2014. Darin bilden sogar fünf Maschinen unterschiedliche Formationen und werden aus einem Helikopter heraus gefilmt und fotografiert. Die Umsetzung dieser außergewöhnlichen Idee verlangte eine akribische Planung, denn die Airbus A300-900 sind insgesamt rund 1,5 Milliarden Dollar wert und fliegen nahe beieinander. Kleinste Fehler hätten zu einem Unfall führen können. Hinzu kommen die Kosten für das Kerosin, die Piloten und die Crew. Das Ergebnis ist aber durchaus beeindruckend: