Gefährliche Expedition

Wie zwei Deutsche ein verlassenes Ureinwohner-Dorf in Peru entdeckten

Chachapoya
Das ist die Ruinenstadt Kuelap. Ganz in der Nähe entdeckten Tom Schinker und Martin Druschel selbst ein verlassenes Indio-Dorf
Foto: Wandermut

Die zwei Deutschen Tom Schinker und Martin Druschel sind im August 2018 bei einer Expeditionsreise in Peru auf Ruinen einer alten Indio-Kultur gestoßen. TRAVELBOOK erzählen sie von ihrem Kampf gegen Kälte, giftige Tiere und Verletzungspech – und warum ihre Entdeckung erst der Anfang sein soll...

Die Chachapoya wurden vermutlich im 15. Jahrhundert von den Inka unterworfen, davor lebten sie in eher losen Stammesstrukturen. Ihr Name bedeutet auf Quechua (einer Sprache, die in Teilen der Anden gesprochen wird) soviel wie „Wolkenmenschen“. Heute sind nur wenige Relikte ihrer Kultur noch erhalten – so etwa die Mumiengräber am Lago de los Condores oder auch die berühmten Schädel-Mumien im Utcubamba-Tal. Die Gegend der Fundstellen befindet sich etwa 600 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Lima, auf einer Höhe etwa mit der Stadt Trujillo, wo auch die Überreste einer weiteren Kultur, der Moche, entdeckt wurden. In diese Gegend brachen Schinker und Druschel im Sommer 2018 auf.

TRAVELBOOK erzählt Tom von dem mühsamen Weg bis zu ihrem Fund:

Wie kam eure Reise nach Peru eigentlich zustande?

Tom Schinker: „Wir hatten Kontakt zu Ronald Wagter aufgenommen, einem Niederländer, der bereits seit Ewigkeiten in Peru wohnt und mit einer Einheimischen verheiratet ist. Er war damals auch bei der Expedition dabei, die die Mumiengräber am Lago de los Condores entdeckte. Mit seiner Hilfe und der der Einheimischen wollten wir in dieser Gegend ganz gezielt nach weiteren Zeugnissen der Chachapoya-Kultur suchen.“

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Moment mal, ihr seid bereits mit dem festen Ziel aufgebrochen, etwas zu entdecken?

„Genau, für solche Abenteuer haben wir auch unsere Seite Wandermut ins Leben gerufen. Etwas zu entdecken war schon während der etwa acht Monate langen Planungsphase unser Ziel – in der Vergangenheit wurden in der Gegend, in der wir unterwegs waren, immer wieder Ruinen der Chachapayo gefunden, nur waren diese meist bereits geplündert. Als Ronald merkte, dass es uns wirklich nur um das Abenteuer ging und wir auch bereit waren, Risiken einzugehen und für unseren Traum zu leiden, haben wir ihn für unser Vorhaben gewinnen können.“

Chachapoya

Tom (vorne) und Martin mit dem einheimischen Guide Don José
Foto: Wandermut/Emanuel Jöbstl

Wie habt ihr euch auf eure Reise vorbereitet?

„Vor allem galt es, zahlreiche Genehmigungen einzuholen, um die Gegend überhaupt legal betreten zu können – sowohl von öffentlichen Behörden als auch von den Menschen, die in dieser Umgebung leben. An die Einheimischen muss man für das Betreten ihres Bodens auch eine Gebühr entrichten, aber das haben wir gerne gemacht, denn es sind sehr freundliche und gute Menschen. Wir haben die Idee für die Reise dann auf unserer Facebook-Seite geteilt und hatten innerhalb von ein paar Tagen das Team zusammen – insgesamt 12 Teilnehmer und fünf Guides waren am Ende dabei.“

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Chachapoya

Über solche „Wege“ ging es teilweise durch den Dschungel
Foto: Wandermut/Emanuel Jöbstl

Was waren Schwierigkeiten vor Ort?

„Es war lange unklar, ob wir das Gebiet um Leymebamba überhaupt betreten dürfen, denn einer der Einheimischen sträubte sich lange vehement dagegen – am Ende gab er aber zum Glück doch sein Einverständnis. Das Wetter machte uns am meisten zu schaffen, denn es war kalt und windig und derart neblig, dass all unsere Klamotten ständig völlig durchnässt waren. Drei Leute hatten am Ende eine Lungenentzündung, unser Guide Ronald brach sich die Rippen, der Fotograf verletzte sich am Bein. Wir waren insgesamt zwei Wochen unterwegs, wobei wir an manchen Tagen vielleicht nur fünf Kilometer voran kamen – der Dschungel war so dicht, dass wir uns den Weg mit Macheten sprichwörtlich freihacken mussten. Auch gibt es hier viele Tiere, deren Bisse sehr schmerzhaft sind, manchmal reicht es auch schon, sie einfach nur zu berühren. Des öfteren haben wir auch Spuren von Pumas in der Nähe unseres Lagers entdeckt.“

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Was hat euch bewogen, dennoch weiter zu machen?

„Unser Entdeckerdrang war einfach ungebrochen – ehrlich gesagt war das bereits unsere zweite Expedition in diese Gegend, und zuvor hatten wir überhaupt nichts gefunden. Bei dem Krankenstand unserer Gruppe wollten wir diesmal beinahe schon abbrechen, aber dann haben wir doch gemeinsam dafür abgestimmt weiterzumachen.“

Chachapoya

Durch solch unwegsames Gelände mussten die Jungs sich kämpfen
Foto: Wandermut/Emanuel Jöbstl

Das wurde ja dann auch belohnt…

„Am Ende hatte nur mein Partner Martin noch genug Energie, mit zwei Guides loszuziehen in das Gebiet, wo sie schließlich das Dorf entdeckten. Erst weit nach Einbruch der Dunkelheit kamen sie an diesem Tag ins Lager zurück und berichteten euphorisch, sie hätten auf einem Bergkamm Ruinen von alten Rundhäusern entdeckt. Das hat bei Vielen in der Gruppe dann natürlich wieder die Lebensgeister geweckt. Wir sind also am nächsten Tag losgezogen und haben alles dokumentiert. Insgesamt haben wir die Überreste von 36 Rundhäusern gefunden, die unserer Schätzung nach mindestens 500 Jahre oder älter sind.“

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Warum wurde so eine tolle Entdeckung erst so spät bekannt?

„Ehrlich gesagt war unser Fund nach peruanischen Maßstäben alles andere als sensationell, da wurde in der Vergangenheit einfach schon ganz anderes entdeckt. Zudem wird der Staat wohl kaum Geld investieren, um Ausgrabungen an dem Fundort zu fördern – dafür sind die Ruinen einfach zu unspektakulär, aus touristischer Sicht betrachtet – da fördern sie lieber andere Standorte wie Kuelap (auch bekannt als das ‚Macchu Pichu des Nordens‘, Anm. der Redaktion).“

Wie geht es jetzt weiter für euch?

„Unsere Hoffnung ist, von nun an jährlich nach Peru kommen zu können und dabei hoffentlich noch viele weitere Entdeckungen zu machen – am besten, bevor Grabräuber es tun. Wir wollen die peruanische Regierung auf den Plan rufen und so dazu beitragen, mehr über die Kultur der Chachapoya in Erfahrung zu bringen. Ansonsten planen wir gerade unsere nächste Reise, eine Grönland-Durchquerung über das Festlandeis.“

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