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Weltreisender berichtet

Auf diese miesen Touristenfallen bin ich (leider) reingefallen

Wo es Urlauber gibt, gibt es auch Touristenfallen. Unser Autor ist schon in so manche davon getappt (Symbolfoto).
Wo es Urlauber gibt, gibt es auch Touristenfallen. Unser Autor ist schon in so manche davon getappt (Symbolfoto). Foto: Getty Images/Chalabala
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

29. August 2026, 13:34 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Auf der Suche nach persönlichen Highlights gibt es auf vielen Reisen auch den Moment, wo man sich denkt: Was war das denn jetzt bitteschön? Der Moment, in dem man realisiert, dass man mal wieder einem Nepp auf den Leim gegangen ist. TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann hat in seinen fast 30 Jahren als Weltreisender schon so einige Situationen dieser Art erlebt. Hier ist seine ganz subjektive Hass-Liste der größten Touristenfallen, auf die er selbst reinfiel.

Jeder kennt sie, und garantiert ist auch fast jeder auf einer seiner Reisen schon einmal hineingetappt: Eine der Touristenfallen, die vielerorts auf ausländische Besucher mit harten Devisen warten. Wenn es darum geht, an sich völlig unattraktive Orte oder Angebote zu vermarkten, lassen sich die Locals mitunter richtig was einfallen. Ich spreche aus Erfahrung, denn als Reisender bringe ich seit jeher etwas Wichtiges mit auf Reisen: eine unstillbare Neugier. Aus diesem Grund falle ich aber auch scheinbar besonders häufig auf solchen Nepp rein, der mich dann hinterher fassungslos bis verärgert zurücklässt. Hier ist meine persönliche Hass-Liste der größten Urlaubs-Reinfälle.

Dickhäuter-Drama

Die Nummer eins der weltweiten Touristenfallen sind Angebote mit Tieren. Denn den Menschen vor Ort ist es leider häufig völlig egal, wie es diesen geht, solange sie an ihnen reichlich Geld verdienen. Nun ist der Kontakt gerade mit exotischen Tieren für Urlauber aber natürlich sehr faszinierend, weswegen die Lust auf derartige Erfahrungen ungebrochen groß ist. Ich machte gleich zweimal, und im Abstand von zehn Jahren, den Fehler, auf einen solchen Tierquäler-Bauernfang hineinzufallen. Das erste Mal ereignete sich 2002 in Thailand, wo ich drei unglaublich schöne Wochen mit meinen Eltern und meiner damaligen Freundin verbrachte. Eine meiner bleibendsten Erinnerungen an die Zeit ist aber bis heute eine sehr unschöne.

Wir hatten uns nämlich entschlossen, einen Ausritt auf Elefanten-Rücken zu wagen. Schüchtern näherten wir uns den gewaltigen Dickhäutern, fütterten sie mit Bananen, streichelten über ihre Rüssel. Wie echte Royals stiegen wir dann in Sänften, den Tieren auf die Rücken geschnallt. Und dann begann das Drama: Die Elefanten hatten weniger Lust auf einen Spaziergang mit uns – dafür umso mehr auf den Bambus am Wegesrand. Daraufhin wurden sie von den Wärtern mit spitzen Hacken geschlagen, bis ihre Köpfe blutig waren. Erst auf unsere schockierte Bitte hin, das doch zu unterlassen, hatten die Treiber widerwillig ein Einsehen.

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Der andere Elefanten-Kontakt ereignete sich ebenfalls in Asien, auf einer Reise mit meiner Schwester nach Sri Lanka im Jahr 2012. Dort besuchten wir ein Waisenhaus für die wunderschönen Tiere. Zunächst einmal wurde die Herde zum Bad in einen Fluss getrieben, während wir Touristen sie von einer Aussichtsplattform beobachteten und natürlich reichlich fotografierten. Dann war es Zeit für ein vermeintliches Highlight: Persönliche Fotos mit den Baby-Elefanten. Die Guides drängten uns förmlich dazu, gegen einen saftigen Aufpreis zu posieren. „Meinem“ Baby gefiel das allerdings gar nicht, und so trat es mich einmal beherzt gegen mein Schienbein. Auch wenn es noch so verlockend erscheint: Versuchen Sie, im Urlaub derartigen Angeboten zu widerstehen. Fast immer werden die Tiere darunter leiden.

Mao-Misere

Eine der skurrilsten und zugleich auch irgendwie lustigsten Touristenfallen, in die ich jemals tappte, erlebte ich 2003 in China. Gerade fertig mit dem Abitur, absolvierte ich mit einer Gruppe von Austauschschülern eine unvergessliche dreiwöchige Reise. Wir besuchten die Chinesische Mauer, das Grab von Konfuzius und übernachteten auf einem heiligen Berg. In Peking stationiert, sahen wir uns natürlich auch die Verbotene Stadt und den Tiananmen-Platz an. Und auf diesem befindet sich der vielleicht meistbesuchte Ort Chinas: das Grab des Diktators Mao Zedong. Mao starb 1976, seitdem liegt sein konservierter Leichnam in einem Schrein. Und noch heute scheint es für jeden „guten“ Chinesen quasi zum Pflichtprogramm zu gehören, diesen zu besuchen.

An die Umstände unserer Visite kann ich mich nicht mehr genau erinnern. So weiß ich zum Beispiel nicht mehr, wie viel Eintritt wir damals zahlten. Nur, dass man für eine Audienz bei Mao zur Kasse gebeten wird, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Was ich aber nie vergessen werde, waren die vielen Blumen. Denn wirklich jeder einheimische Besucher, der Mao sehen wollte, brachte ihm einen Strauß Blumen mit, die er vor dem Sarg niederlegte. So auch wir. Auf diese Weise füllte sich der Raum in atemberaubender Geschwindigkeit mit Bouquets. Die Betreiber der Ruhestätte hatten aber einen geschäftstüchtigen Einfall. So holten sie die Blumen irgendwann einfach durch einen Hintereingang ab und verkauften sie dann vorne noch einmal.

Kaffee-Katastrophe

Und dann ist da noch die vielleicht absurdeste aller Touristenfallen, der Luwak Coffee auf Bali. Kaffee, dessen Bohnen vor dem Mahlen durch den Darm des Fleckenmusang gegangen sind, einer asiatischen Schleichkatzenart. Die Einheimischen nennen ihn daher auch scherzhaft „Cat-Poo-Cino“, wohlwollend übersetzt etwa Katzen-Kacke-Kaffee. Und obwohl sich mir niemals wirklich erschließen wollte, warum Menschen so etwas überhaupt probieren wollen, fiel auch ich eines verregneten Tages in einer Bar auf dem Nepp herein.

Gerade wenn es um kulinarische Genüsse geht, kann ich einfach keinem Angebot widerstehen. Zwei der Luwaks turnten zudem überaus liebenswert hinter dem Bar-Betreiber über die Theke, posierten auch für Fotos. Und so zahlte ich den dreifachen Preis eines normalen Kaffees, für eine saure, quasi ungenießbare Brühe. Nun mag das durchaus an der Zubereitung gelegen haben, denn auf Bali war es tatsächlich der einzige schlechte Kaffee, den ich in drei Wochen trank. Jedoch sollte man den teuersten Kaffee der Welt ohnehin am besten gar nicht trinken, denn laut Recherchen von PETA und anderen Tierschutzorganisationen werden die Schleichkatzen für dessen Produktion unter tierquälerischen Bedingungen in viel zu kleinen Käfigen gehalten. Mehr dazu lesen Sie hier:

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Höhlen-Horror

Kennen Sie den geflügelten Ausspruch: „Hier gibt es nichts zu sehen“? Nun, auf keine der Touristenfallen auf dieser Liste trifft er wohl so zu wie auf die Herkules-Höhle nahe der marokkanischen Stadt Tanger. 2024 war ich von Spanien kommend mit einem Boot dort angelandet und sofort fasziniert von dem fremdartigen Zauber Nordafrikas. Die Hafenstadt ist die zweitgrößte des Landes, ein atemberaubender Moloch und ein Abenteuerspielplatz für mutige Reisende. Gerade die Altstadt von Tanger ist ein wahrer Rausch für alle Sinne. Der mitunter jedoch auch überfordern kann, und so entschloss ich mich bereits an meinem zweiten Tag, die Metropole zu verlassen und zum Cap Spartel zu fahren. An diesem Ort fließen das Mittelmeer und der Atlantik ineinander.

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Die Meerenge von Gibraltar, in der Mittelmeer und Atlantik zusammenfließen, soll der Legende nach der Sagenheld Herkules selbst geschaffen haben, indem er die Erde spaltete. Und ganz in der Nähe des Cap Spartel befindet sich dann auch eine Herkules-Höhle, die alle Touristenführer und lokalen Guides sowieso dringend empfehlen. Warum, ist mir allerdings völlig schleierhaft. Fünf Minuten in der winzigen Höhle waren schon zu lang. Und das für einen Preis von 60 Dirham, umgerechnet fast sechs Euro. Im Übrigen hat die Grotte auch überhaupt nichts mit der Mythengestalt Herkules zu tun. Stattdessen war sie wohl 25 Jahre lang Zuflucht für einen Piraten gleichen Namens. Wirklich eine Abzocke im wahrsten Sinne des Wortes.

Kaffeefahrt-Betrug

Die wirklich denkwürdigste aller Touristenfallen, in die ich im Laufe meines Lebens tappte, waren sogenannte Kaffeefahrten. Unfassbar günstig angebotene Reisen, zum Beispiel eine Woche in der Türkei All-inclusive mit Flügen für 150 Euro – so viel bzw. wenig kostete das 2009. Die Sache hat nur einen Haken. Auf der Rundreise wird man immer wieder zu Geschäften für Schmuck, Lederwaren und Teppiche geschleppt. Meine Schwester bekam, warum auch immer, in dieser Zeit häufig solche Angebote. Und wir dachten, das schauen wir uns einfach mal live an. Das Ganze war an Skurrilität wirklich nicht zu überbieten. Gleich bei der Begrüßung schüchterten die Gastgeber die meist älteren Gäste gehörig ein. Natürlich könne man auch einfach seinen Urlaub genießen, müsse nicht zu einem gehörigen Aufpreis das Ausflugspaket buchen. Aber dann hätte man diverse gravierende Nachteile.

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Genauso muss man natürlich nicht in die diversen Geschäfte, zu denen man im Verlauf einer solchen Kaffeefahrt immer wieder gekarrt wird. Ich erinnere mich, dass ich stattdessen meist einfach mit anderen ebenfalls genervten Gästen ein paar Bierchen kippte. Wenig überraschend stellten wir auch bald fest, dass das Ausflugspaket komplette Abzocke war. So gingen wir bei einer Tempelanlage einfach auf eigene Rechnung zur Kasse und zahlten letztlich gerade mal ein Zehntel dessen, was unseren armen Mitreisenden abgepresst wurde. Auch die Drohung, der Reisebus würde nicht auf Abtrünnige warten, war letztlich nichts als ein kläglicher Einschüchterungsversuch.

Dass die Masche aber durchaus zog, sah ich auf meinen insgesamt drei Teilnahmen an solchen Kaffee-Reisen immer wieder. Da kamen Gäste, leicht angeheitert, mit absolutem Ramsch für mehrere hundert Euro aus der Lederwarenfabrik. Ließen sich sogar, noch eine Null mehr am Ende der Summe, Teppiche andrehen und nach Hause schicken. Die Charaktere, die wir auf unseren Reisen kennenlernten, waren teils absolute Unikate. Figuren, die sich kein Theaterschreiber so hätte ausdenken können. Heute würde ich eine solche Kaffeefahrt wohl nicht mehr mitmachen, aber es war dennoch eine absolut einzigartige Erfahrung, an die ich gerne und mit breitem Lächeln zurückdenke.

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