Amityville-Horror-Haus

Die Geschichte des berühmtesten Spukhauses der Welt

Das ist das unscheinbar aussehende Haus in dem der Massenmörder Ronald DeFeo seine ganze Familie ermordete.
Das ist das unscheinbar aussehende Haus, in dem der Massenmörder Ronald DeFeo seine ganze Familie ermordete
Foto: Getty Images

Am 13. November 1974 ermordete der damals 23-jährige Ronald DeFeo seine ganze Familie in einem Haus in Amityville auf Long Island im US-Bundesstaat New York. Stimmen hätten es ihm befohlen. Ein Jahr später zog eine Familie ein – und wurde angeblich von gruseligen Geistern verfolgt. Was geschah wirklich in dem Amityville-Horror-Haus? Was ist real und was ist Fiktion? TRAVELBOOK hat sich die Geschichte des berühmtesten „Haunted House“ genau angeschaut.

Von Svenja Heinol

Spätestens seit der Verfilmung mit Ryan Reynolds („The Amityville Horror“) ist die grausame Geschichte rund um das „Horror Haus“ in der Ocean Avenue 112 von Amytiville bekannt. Doch die eigentliche Story begann erst nach dem Massenmord von Ronald DeFeo. Denn ein Jahr nach dem Massaker zieht die Familie Lutz mit ihren drei Kindern in das Haus ein. Doch das vermeintliche Traumhaus entpuppt sich schon bald als Albtraum. Nach 28 Tagen verlässt die Familie fluchtartig das Haus – es werde angeblich heimgesucht. Tatsächlich glaubt die Familie nun, dass übernatürliche Kräfte Ronald DeFoe zum Mord getrieben hatten.

Ronald DeFeo in Amityville umgeben von Polizisten

Dieses Foto vom 15. November 1974 zeigt Ronald DeFeo (2. v.r.) umgeben von Polizisten
Foto: dpa picture alliance

Was ist wirklich passiert? TRAVELBOOK taucht in das Mysterium rund um das Amityville-Horror-Haus ein.

Die Morde:

Am 13. November 1974 rannte der damals 23-jährige Ronald DeFeo aufgebracht in eine Bar. „Bitte! Sie müssen mir helfen! Ich glaube meine Mutter und mein Vater wurden erschossen!“, soll er gerufen haben, wie unter anderem die Website „Amityvillefiles“, das größte Web-Archiv zu dem Fall, berichtet. Doch die Wahrheit war noch viel grausamer.

„Amity" heißt übersetzt „Freundschaft". Umso schockierender ist es, dass hier ein Mann seine ganze Familie ermordete.

„Amity“ heißt übersetzt „Freundschaft“. Hier ermordete ein Mann seine ganze Familie.
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Neben seinen Eltern wurden auch die Leichen seiner vier jüngeren Geschwister Allison, Dawn, Johnny und Mark gefunden. Die Leichen fand man tot auf dem Bauch liegend in ihren Betten. Zuerst behauptete Ronald DeFeo, die Mafia hätte etwas mit dem Mord zu tun, doch nur einen Tag später wurde er überführt, denn in seinem Zimmer fand man die Mordwaffe mit seinen Fingerabdrücken darauf.

Mit solch einer Waffe erschoss Ronald DeFeo seine Familie. Es ist eine Marlin Waffe mit dem Kaliber 35.

Mit solch einer Waffe erschoss Ronald DeFeo seine Familie. Es war ein Marlin Gewehr Kaliber 35.
Foto: Getty Images

Er verstrickte sich immer mehr in falsche Aussagen, bis er nach längeren Kreuzverhören nachgab. „Als ich anfing, konnte ich einfach nicht aufhören. Es ging so schnell“, gab er schließlich zu, wie es unter anderem in dem Buch „High Hopes – The Amityville Murders“ von Gerald Sullivan steht, in dem Sullivan die Geschichte des Mords und dem anschließenden Prozess erzählt.

Dort geht Sullivan auch der Frage auf den Grund, warum Ronald seine komplette Familie ermordet haben soll. Bis heute gibt es keine Antwort und Ronald selbst ändert ständig seine Aussage über das Motiv. Zuerst wurde vermutet, er wollte an die Lebensversicherung seiner Familie. Doch das galt bald als unwahrscheinlich. Bekannt war auch, dass Ronald seit der Highschool regelmäßig Drogen, Heroin, Speed und LSD, genommen hatte. Irgendwann bestand er dann darauf, dass Stimmen im Haus ihn dazu gezwungen hätten, seine Familie zu ermorden.

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Dieser Theorie nahm sich William Weber, Ronnies Strafverteidiger, an und wollte deshalb vor Gericht auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren. 1975 erklärten ihn die Richter jedoch trotzdem des sechsfachen Mordes mit bedingtem Vorsatz schuldig. Er bekam für jeden der Morde 25 Jahre Haft, also ingesamt 150 Jahre. Der 68-jährige Ronald DeFeo ist heute noch in der „Green Haven Correctional Facility“ in Stormville inhaftiert.

Der Horror:

Am 18. Dezember 1975 zogen George und Kathy Lutz mit den drei Kindern von Kathy in das Haus der DeFeo's. Aufgrund von mysteriösen Vorfällen verließen sie es nach nur 28 Tagen

Am 18. Dezember 1975 zogen George und Kathy Lutz mit den drei Kindern von Kathy in das Haus der DeFeos. Aufgrund von mysteriösen Vorfällen verließen sie es nach nur 28 Tagen.
Foto: Getty Images

Hier geht die eigentliche Geschichte rund um den „Amityville-Horror“ los. Wie „Amityvillefiles“ auf ihrer Website schreiben, zog am 18. Dezember 1975, also circa ein Jahr nach den grausamen Morden, die Familie Lutz in das Haus der DeFeos ein. Kathy Lutz, die drei Kinder mit in die Ehe brachte, suchte zusammen mit ihrem Mann George ein Haus, das groß und günstig genug war, um die neu gewonnene Familie zu beherbergen. Als sie sich das Haus in der Ocean Avenue anguckten, wies sie die Maklerin darauf hin, dass in diesem Haus der DeFeo-Mord geschah. Trotz der schrecklichen Vorkommnisse entschloss sich die Familie, das Anwesen zu kaufen und sogar einen Großteil der Möbel von den DeFeos zu übernehmen.

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Ein Priester sollte das Haus segnen

Bevor die Lutzes einzogen, ließen sie ihr Haus jedoch segnen, und zwar von dem Priester Ralph J. Peccoraro. Ihm geschah etwas Merkwürdiges: In einem Zimmer im zweiten Stock, soll er angeblich eine Stimme hinter sich gehört haben die „Get Out“ („verschwinde“) gerufen habe, wie unter anderem BILD berichtete.

Der Priester empfahl den Lutzes, das Zimmer nicht als Schlafraum zu nutzen und sich dort nicht länger als nötig aufzuhalten. Der Raum wurde daraufhin als Nähzimmer genutzt. Doch das war nur der Beginn mehrerer verstörender Ereignisse in dem Haus.

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Die Vorkommnisse im Haus

Laut Aussagen der Familie Lutz gab es Stellen im Haus, die nie richtig warm wurden, sodass George ständig das Bedürfnis hatte, das Holz im Kamin nachzulegen. Die Familie soll mitten in der Nacht von merkwürdigen Geräuschen geweckt worden sein. Obwohl es Winter war, sollen große Fliegenschwärme durch das Haus geflogen sein. Allgemein habe sich die Atmosphäre zwischen den Familienmitgliedern verändert. Ständig seien sie gereizt gewesen, die Kinder sollen ihren Eltern gegenüber viel aufmüpfiger als sonst gewesen sein.

Es habe auch Parallelen zu den Morden gegeben. So sei George Lutz nach eigenen Angaben jede Nacht zwischen 3 und 3:15 Uhr aufgewacht. Später erfuhr er, dass das der Zeitraum war, in dem die Morde geschahen. Alle drei Kinder sollen außerdem nur noch auf dem Bauch geschlafen haben, obwohl sie das vorher nie getan haben.

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Besonders gruselig soll gewesen sein, dass die jüngste Tochter Missy anfing, sich mit einer unsichtbaren Freundin zu unterhalten, die sie „Jodie“ nannte. Sie beschrieb „Jodie“ als ein Schwein mit roten Augen. George soll dieses „Schwein“ später auch gesehen haben und es habe Spuren eines Schweins im Schnee gegeben. Auch Mutter Kathy soll von schrecklichen Albträumen geplagt worden sein. Des Weiteren soll es einen mysteriösen, versteckten Raum mit roten Wänden, unerklärliche Bissspuren und grünen Schleim, der an den Wänden klebte, gegeben haben.

Weil die Familie das Haus nicht verlassen wollte, segnete sie es ein zweites Mal. Danach sollen die Dinge so schlimm geworden sein, dass die Familie Lutz noch Jahre später nicht darüber sprechen wollte. Am 14. Januar 1976 verließen sie fluchtartig das Haus und kehrten niemals zurück.

Die zwei markanten Seitenfenster, die auch in der Verfilmung mit Ryan Gosling zu sehen sind, wurden durch normale viereckige Fenster ausgetauscht.

Die zwei markanten Seitenfenster, die auch in der Verfilmung mit Ryan Reynolds zu sehen sind, wurden durch normale viereckige Fenster ausgetauscht.
Foto: Getty Images

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Was danach geschah

Wie „Amityvillefiles“ schreibt, wollte der Fernsehreporter Marvin Scott mit den Ermittlern für paranormale Aktivitäten, Ed und Lorraine Warren, 20 Tage nach dem Auszug der Lutzes das Haus untersuchen. Als Unterstützung holten sie sich noch Hilfe von verschiedenen Parapsychologen und Hellsehern. Lorraine fühlte angeblich die ganze Zeit über ein „überwältigendes Gefühl von Traurigkeit und Depression“, Ed fühlte sich, als würde er auf den Boden gedrückt. Allerdings spürte der Rest des Fernsehteams, bis auf einen Kameramann, der beim Trepppensteigen unter Herzklopfen und Kurzatmigkeit litt, keine übernatürlichen Kräfte in dem Haus.

Fakt ist jedoch: Eine kuriose Sache wurde doch in dieser Nacht entdeckt. Es wurde eine Kamera im zweiten Stock aufgestellt, die in der Nacht immer mal wieder zufällig Fotos schoss. Dabei entstand dieses unerklärliche Foto:

Zu der Zeit befanden sich keine Kinder in dem Haus. Bis heute ist es ein Rätsel, wer oder was dort in dieser Nacht aufgenommen wurde.

Fazit: Wahrheit oder Lüge?

George und Kathy Lutz schworen bis zu ihrem Tod, dass die Behauptungen wahr waren. Kathy starb am 17. August 2004 im Alter von 58 Jahren, George am 8. Mai 2006 im Alter von 60 Jahren. es wurden nie glaubwürdige Beweise gefunden, die für die Geschichte der Lutzes sprechen.

Im Gegenteil wurden sogar einige Behauptungen widerlegt. So entpuppte sich etwa der geheime rote Raum als ein alter Schrank im Keller und eine Überprüfung des Wetterberichts zeigte, dass in der Nacht, in der man die Schweinespuren im Schnee gefunden haben wollte, gar kein Schnee gelegen hatte.

Außerdem behauptete William Weber, der damalige Verteidiger von Ronald DeFeo, heute, dass er sich die Geschichte damals zusammen mit der Familie Lutz bei ein paar Flaschen Wein ausgedacht habe. Er sah Potenzial in der Geschichte, um damit viel Geld zu machen. Außerdem hätte es seinem Mandanten Ronald DeFeo geholfen, schuldunfähig gesprochen zu werden, wenn die Familie ebenfalls Stimmen in dem Haus gehört hätten. Allerdings wiesen Psychologen schon während des Gerichtsprozesses zurück, dass DeFeo Stimmen hören würde oder eine Geisteskrankheit hätte.

In einem Artikel des Lifestyle- und Jugendmagazins „Vice“ aus dem Jahr 2014 schreibt der Autor, DeFeo hätte ihm gegenüber zugegeben, dass er sich die Geschichte mit den Stimmen nur ausgedacht habe. Hinzu kommt, dass mittlerweile schon mehrere andere Familien in dem Haus wohnten und es keine merkwürdigen Vorkommnisse mehr gegeben hat.

Allerdings: Woher das Foto kommt, ist bis heute nicht bekannt. Zu guter Letzt muss jeder selbst wissen, ob er die Spuk-Geschichte rund um das Amityville Haus glaubt. Die Einzigen, die die Wahrheit wirklich kannten, waren die Lutzes selbst.

 

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