Brandenburg

Beelitz-Heilstätten – Deutschlands gruseligste Klinik

Auf der Gelände der Beelitz-Heilstätten unter anderem ein Art Kreativ-Zentrum werden, auch touristisch möchte man das Areal erschließen
Auf der Gelände der Beelitz-Heilstätten unter anderem ein Art Kreativ-Zentrum werden, auch touristisch möchte man das Areal erschließen
Foto: dpa picture alliance
Geradezu gespenstisch mutet dieser alte Operationssaal angesichts seines Verfalls an
Geradezu gespenstisch mutet dieser alte Operationssaal angesichts seines Verfalls an
Foto: Getty Images
Die Kosten für eine Restaurierung der Gebäude geht in die Millionen
Die Kosten für eine Restaurierung der Gebäude geht in die Millionen
Foto: dpa picture alliance
Von den Wänden bröckelt der Putz. Vermeintliche Geisterjäger wollen in der Klinik paranormale Aktivitäten nachgewiesen haben
Von den Wänden bröckelt der Putz. Vermeintliche Geisterjäger wollen in der Klinik paranormale Aktivitäten nachgewiesen haben
Foto: dpa picture alliance
Vandalismus ist ein großes Problem: Sicherheitsleute überwachen die Anlage deshalb
Vandalismus ist ein großes Problem: Sicherheitsleute überwachen die Anlage deshalb
Foto: dpa picture alliance
Früher galten die Heilstätten als eine der modernsten Kliniken in Deutschland. Auch Erich Honecker wurde 1990 hier behandelt
Früher galten die Heilstätten als eine der modernsten Kliniken in Deutschland. Auch Erich Honecker wurde 1990 hier behandelt
Foto: dpa picture alliance

Die Beelitz-Heilstätten waren einst Deutschlands Vorzeige-Klinik – heute sind sie ein Magnet für Fans von verlassenen Orten und Geisterjäger. Der Kinofilm „Heilstätten“ könnte den Grusel-Hype nun neu entfachen – sehr zum Ärger der Beelitzer und Betreiber des Baumkronenpfads.

Wer die Beelitz-Heilstätten betritt, glaubt kaum, dass er sich in einem ehemaligen Vorzeige-Krankenhaus befindet. Die Gebäude verfallen, die Wände sind mit Graffiti überzogen, die Fenster entweder vernagelt oder eingeworfen. Regen tropft durch die Dächer, sodass bei Unwetter in den einst so prunkvollen Räumlichkeiten Pfützen von dreckigem Wasser stehen.

So das Bild von den Beelitz Heilstätten – der wie ein Horrorfilm anmutenden Kulisse in der Nähe von Berlin. Die Realität ist mittlerweile zumindest teilweise eine andere. Nach Jahren des Grusel-Tourismus setzt man sich in Beelitz dafür ein, den Heilstätten den Grusel-Stempel abzuwischen und ihnen ein sanfteres Image zu verpassen. Eine Komplett-Sanierung des Geländes soll die Lösung sein.

Baumkronenpfad Beelitz

Innerhalb der ehemaligen LungenheilstäŠtte wurde im September 2015 ein 320 Meter langer Baumkronenpfad eršöffnet
Foto: dpa

Auf dem Gelände sollen Hunderte Wohnungen entstehen

Nach dem offiziellen Baubeginn im Mai 2016 ist das erste von rund 60 Gebäuden laut der Webseite zum Projekt „Refugium Beelitz-Heilstätten“ bereits komplett saniert. Der Umbau des zweiten Gebäudes hat begonnen. Und das Interesse an den Wohnungen ist groß, wie Immobilienentwickler Frank Duske, der sich des Komplexes angenommen hat, auf TRAVELBOOK-Nachfrage erklärt. Wie groß die Nachfrage ist, zeigen die aktuellen Zahlen: 27 Atelierwohnungen entstehen im historischen Pavillon. Die Studios mit einer Größe zwischen 50 und 216 Quadratmetern sind laut der Projektseite bis auf drei (Stand: 16. Januar 2018) bereits komplett verkauft oder reserviert. Ähnlich sieht es bei den 14 Mietwohnungen aus. Nur zwei sind noch zu haben.

Die bereits bestehenden Wohnungen sind aber längst nicht die einzigen, die auf dem riesigen Areal von Deutschlands einstigem Grusel-Krankenhaus entstehen soll. Bis 2028 soll im C-Quadranten ein ganzer Stadtteil mit 750 Wohneinheiten, Gewerbeflächen, Kita, Schule, Ärztehaus und Pflegeeinrichtungen entstehen, heißt es seitens der Stadt Beelitz.

Anzeige: 3 Tage Wellness auf Usedom im 4,5*-Hotel inkl. Frühstück, 3-Gang-Menü & Extras ab 139€ pro Person

Werden die Heilstätten wieder Treffpunkt für Geisterjäger?

Im Februar befeuerte ein Film das Horror-Image der Beelitz-Heilstätten. In dem Streifen „Heilstätten“ von Regisseur Michael David Pate und mit Lisa-Marie Koroll („Bibi und Tina“) machen sich ein paar Berliner Hipster auf, um eine Nacht in der Ruine zu verbringen. Dort soll es nämlich spuken.

Gedreht wurde der Film allerdings nicht an der Original-Kulisse. Die Betreiber des neu entstandenen Baumkronenpfads Beelitz-Heilstätten hatten den Dreh vor Ort abgelehnt, um das Grusel-Image nicht weiter zu befeuern. Doch trotz Dreh-Verbot lässt sich die Verbindung des Horrorfilms zu den Beelitz-Heilstätten nicht wegdiskutieren – sehr zum Unmut der Betreiber. Diese hätten vor allem Angst vor dem Ruf und davor, dass alte Geschichten wieder neu dargestellt würden, sagt Thomas Lähns, Pressesprecher der Stadt Beelitz, zu TRAVELBOOK. Das bestätigt Holger Klementz, Sprecher des Grundstückseigentümers HPG Projektentwicklungs GmbH. Er sieht die Gefahr, dass der Film das zurückbringt, was man zum Teil seit Jahren erfolgreich zu verhindern sucht: „In Beelitz hat niemand ein Interesse daran, dass die mühsam aus dem Schlaf des Verfalls erweckten Gebäudeensemble erneut Wallfahrtsziel für Subszenen werden“, sagte er im „Tagesspiegel“. Zum Glück scheinen sich die Befürchtungen bislang nicht zu bewahrheiten.

Und wenn sich dennoch zu nächtlichen Besuchen der Heilstätten verabredet wird? „Wir können nur darauf hinweisen, dass sich die Beelitz-Heilstätten verändert haben. Und darauf, dass das Betreten des Geländes oder der verschiedenen Liegenschaften illegal ist“, erklärt Lähns. Wer sich auf eine nächtliche Gruseltour über das Gelände begebe, muss also mit einer Anzeige rechnen.

Vom Muster-Betrieb zur Pilgerstätte für Gruselfans

Lange bevor Beelitz das Schauer-Image anhaftete, waren die Heilstätten ein mustergültiger Betrieb, in dem die Landesversicherungsanstalt Berlin von 1898 bis 1930 eine Tuberkulose-Klinik betrieb. Es war der Kampf gegen eine verheerende Krankheit, die vor allem aufgrund der katastrophalen hygienischen Zustände in den Berliner Mietskasernen immer mehr um sich griff und außer Kontrolle zu geraten drohte – allein im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ging bereits jeder dritte Todesfall auf Tuberkulose zurück. Und so entstand mit den Beelitz-Heilstätten im Laufe der Jahre ein moderner Klinik-Komplex mit bis zu 1200 Betten, eigenen Waschhäusern und einem Heizhaus, sogar ein Badehaus und eine klinik-eigene Kirche gab es.

Dann brach der Erste Weltkrieg los, und das Militär zweckentfremdete die Einrichtungen als Lazarett für verwundetet Soldaten – mehr als 12.500 Mann sollen bis Kriegsende hier versorgt worden sein, die Dunkelziffer der Toten ist unbekannt. Auch Adolf Hitler wurde als Gefreiter hier behandelt.

Beelitz Heilstätten

In diesem Raum wollen Geisterjäger besonders starke Spuk-Aktivitäten gemessen haben
Foto: Getty Images

Größtes Militärhospital außerhalb der Sowjetunion

Im Jahr 1920 war die Zahl der Behandlungsanfragen so groß, dass man nur noch Frauen und Kinder aufnehmen konnte. Eine Sensation war damals eine Art Klimaanlage, die saubere Luft aus dem Wald über Rohre direkt in die Krankenzimmer pusten konnte.

Doch dunklere Zeiten kündigten sich bereits an, als der Komplex nach dem Zweiten Weltkrieg zum militärischen Sperrgebiet erklärt und von der Sowjetarmee besetzt wurde. Er war damals das größte russische Militärhospital außerhalb der Sowjetunion. Auch hatte der Krieg Verwüstungen an den Heilstätten hinterlassen, so war die Kirche zerbombt und auch das ehemalige Ärzte-Wohnhaus nur noch eine Ruine (die übrigens bis heute steht).

Auch interessant: Sophienheilstätte – Der traurige Verfall von Thüringens „Gruselklinik“

Beelitz Heilstätten

Ein von den Sowjets hinterlassenes Denkmal
Foto: dpa picture alliance

Satanische Messen und zwei grausame Mordfälle

Seit 1994 liegt der Großteil des Geländes brach – und die Einrichtungen verfallen: Diebe haben bereits so viel Metall aus den denkmalgeschützen Wänden gerissen, dass die Gebäude bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet sind. Immer wieder finden illegale Partys statt, angeblich auch Geister-Séancen und satanische Messen.

Beklemmend und finster wirken die Heilstätten angesichts ihres Verfalls. Fast zwangsläufig glauben manche, Unheimliches zu vernehmen. Besucher berichten von Schritten in den Gängen, sich wie von Geisterhand öffnenden Türen und sogar von Schreien aus dem Chirurgie-Gebäude. In Internetforen werden diese Themen heiß diskutiert.

„Natürlich hat es hier nie Geister gegeben“

Investor Hans-Georg Hoffmann, Geschäftsführer der HPG Projektentwicklungs GmbH, verweist solche Geschichten aber energisch ins Reich der Märchen: „Natürlich hat es hier nie Geister gegeben, aber dadurch, dass die Zeitungen das Thema immer wieder hochschreiben, entsteht uns ein enormer wirtschaftlicher Schaden“, so Hoffmann zu TRAVELBOOK.

Denn Sensationstouristen aus ganz Europa kämen auf das Gelände der Heilstätten, sogar illegale Führungen habe es hier schon gegeben. Dabei käme es auch immer wieder zu mutwilligem Vandalismus. Hoffmann fordert daher solche Leute vehement auf, den Heilstätten fernzubleiben, notfalls werde man auch die Polizei gegen Störenfriede einsetzen – ein firmeneigener Wachdienst patroulliert bereits.

Auch interessant: Gruselig, was in diesem verlassenen Hotel im Schwarzwald passiert

Verfall in Beelitz-Heilstätten

Unbefugte dürfen die Anlage nicht betreten, dennoch kommen immer wieder sogenannte „Urban Explorer“ her, um den Klinik-Komplex zu fotografieren
Foto: dpa picture alliance

„Die Bestie von Beelitz“

Ganz real, und daher umso grausamer, sind zwei Mordfälle, die sich hier auf dem Gelände der Beelitz-Heilstätten ereignet haben. Der erste geschah 1991, als ein Serienmörder, der als „die Bestie von Beelitz“ schaurige Berühmtheit erlangte, in den Wäldern um die Klinik herum die Frau eines russischen Chefarztes und deren Baby ermordete. Die Mordserie des ehemaligen Polizisten wurde sogar in Dokumentarfilmen und Theaterstücken festgehalten. 2008 dann erwürgte ein Hobby-Fotograf in einem ehemaligen Pförtnerhaus ein Fotomodell, das er im Internet kennengelernt hatte.

Im Mai 2010 stürzte hier außerdem ein 25-jähriger Mann aus dem vierten Stock zu Tode, nur wenige Tage später wurde ein 32-Jähriger schwer verletzt geborgen, nachdem er in einen Schacht gefallen war.

Auch interessant: Die 11 schaurig-schönsten verlassenen Orte der Welt

„Sanfter Tourismus“ durch den Baumkronenpfad

Im Spätsommer 2015 hatte Hans-Georg Hoffmann auf dem Areal für eine Millionensumme den Baumkronenpfad „Baum & Zeit“ installiert – den ersten seiner Art in Brandenburg: 20 Meter hoch, mit einem noch einmal doppelt so hohen Aussichtsturm und einer Hängebrücke über der Ruine des ehemaligen Frauensanatoriums. Das Projekt schloss die Sanierung der denkmalgeschützten Häuser im Quadrant A ein und widmet sich dem „sanften Tourismus“.

Mit diesem und allen anderen Bauprojekten ist Leben in den einst verlassenen Ort gekommen. Doch werden die Beelitz Heilstätten ihre düstere Vergangenheit jemals ganz abstreifen können? Filme wie „Heilstätten“ erschweren das auf jeden Fall.