21. August 2025, 12:26 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
An der spanischen Costa Blanca ist jetzt ein elf Kilometer langer Strandabschnitt gesperrt worden. Touristen dürfen nicht ins Wasser – Grund ist die Sichtung der seltenen Seeschnecke Glaucus atlanticus. Wegen ihres außergewöhnlichen, nahezu fabelwesenhaften Aussehens wird sie auch „Blauer Drache“ genannt. Doch so faszinierend das Meerestier erscheint – betrachten sollte man es aus sicherer Entfernung. Bei TRAVELBOOK erfahren Sie, warum.
Wie die „Daily Mail“ berichtet, ist an den Stränden der Gemeinde Guardamar del Segura nördlich von Torrevieja an der Costa Blanca der sogenannte Blaue Drache aufgetaucht. Daraufhin wurde die Rote Flagge gehisst. Urlauber dürfen nicht mehr baden. Bisher wurden zwei Exemplare entdeckt. Die Behörden warnen davor, das Tier zu berühren, auch nicht mit Handschuhen. Denn der Kontakt kann für Menschen unangenehm werden.
Erst Anfang Juli hatte eine renommierte Meeresbiologin vor Mallorcas Küste die seltene Seeschnecke Glaucus atlanticus entdeckt. Und auch in der Vergangenheit gab es immer wieder Sichtungen. Im vergangenen Jahr trieb die Seeschnecke laut Medienberichten an den Stränden von Texas ihr Unwesen (TRAVELBOOK berichtete). Und auch Torrevieja an der Costa Blanca war schon einmal betroffen – 2021 und 2023 wurde der Blaue Drache in der Gegend gesichtet.
Übersicht
Blaue Drachen auf Mallorca – warum das spektakulär ist
Die spanische Meeresbiologin Gádor Muntaner will das außergewöhnliche Meerestier im Juli auf einem Bootsausflug im Nordwesten Mallorcas, genauer nahe dem Gebirgszug Serra de Tramuntana, entdeckt haben. Davon berichtete sie der Zeitung „Ultima Hora“. Eine Sensation – seit nunmehr 1705 soll auf der Baleareninsel kein Nachweis über Sichtungen der Seeschnecke registriert worden sein. Es sei ein „sehr, sehr seltenes Lebewesen“, so Muntaner zu dem Blatt.
Merkmale des besonderen Meerestieres
Die Blaue Ozeanschnecke wird in der Regel zwischen 3 bis 5 Zentimetern groß. Laut „Ultima Hora“ ist Gádor Muntaner einem verhältnismäßig großen Exemplar begegnet. Die Erscheinung des Tieres ist wahrlich einzigartig. Sein leuchtend blauer Körper ist kunstvoll gezeichnet – die seitlich abstehenden Fortsätze erscheinen wie schimmernde Flügel. Normalerweise treibt der Blaue Drache auf hoher See und in Gruppen knapp unter der Wasseroberfläche. Seine auffällige Färbung dient dabei als Tarnung, genauer als Schutz vor Räubern aus der Luft sowie aus dem Wasser. Die Oberseite erscheint tiefblau und verschmilzt mit dem Meer, während die grau-weiße Unterseite aus der Tiefe betrachtet kaum vom hellen Himmel zu unterscheiden ist.
Vereinzelt kann es dann aber doch vorkommen, dass westliche Winde Blaue Drachen vom Atlantik an Küsten treiben. Das zeigt Muntaners Fund und bestätigt im Gespräch mit TRAVELBOOK auch der Meerestier-Experte Phillip Kanstinger vom WWF. Doch trotz ihrer Besonderheit: Sich ihnen nähern oder die bunten Seeschnecken gar anfassen, sollte man nicht.
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Was den Blauen Drachen gefährlich macht
Wie Phillip Kanstinger erklärt, handelt es sich beim sogenannten Blauen Drachen um eine Nacktkiemschecke. Sie lebt auf hoher See, wo sie vor allem Nesseltiere wie Korallen und Quallen antrifft. Von ihnen ernährt sie sich auch. „Es ist eigentlich gut für uns Menschen, dass die Schnecke beispielsweise portugiesische Galeeren frisst“, so der Experte, „denn diese sind gefährlich.“ TRAVELBOOK berichtete bereits in der Vergangenheit von Sichtungen der Giftqualle auf Mallorca.
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Phillip Kanstinger zufolge lagern Nacktkiemer die Gifte, die sie fressen, ein. „Das macht sie selbst auch giftig, deshalb sollte man sie nicht anfassen.“ Da sie im Gegensatz zu anderen Schnecken keine harte Schale haben, überträgt sich das Nesselgift beim Kontakt mit ihnen. Das Gift einer Portugiesische Galeere führt bei Kontakt zu roten, schmerzenden Striemen auf der Haut. Im schlimmsten Fall kann es zu einem allergischen Schock kommen. Bislang sind allerdings keine Fälle bekannt, in denen der Kontakt mit dem „Blauen Seedrachen“ ähnliche Folgen bei Menschen hatte. Panik ist also unangebracht.
Dennoch: Urlauber sollten kein Risiko eingehen, wenn Sie zufällig eine der Seeschnecken am Strand entdecken. Lassen Sie das Tier in Ruhe, fassen Sie es nicht an und informieren Sie, wenn möglich, Bademeister vor Ort.
Treibt der Klimawandel den Blauen Drachen an?
Verschiedene Berichte führen die gelegentlichen Sichtungen von Blauen Drachen, wie auch von Portugiesischen Galeeren, auf die globale Erderwärmung zurück. Laut Experte Kanstiger handelt es sich hierbei aber bislang um eine Hypothese, die noch nicht erhärtet werden kann. „Die Tiere werden nur vereinzelt gesehen“, erklärt er, „aufgrund von Einstromereignissen. Es gibt noch keine Hinweise darauf, dass sie sich aufgrund des Klimawandels ausbreiten.“

