18. August 2026, 10:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Nahe dem kleinen Ort Steibis im bayerischen Allgäu findet sich ein einzigartiges Naturwunder. Denn hier wächst auf einer Alpwiese die sogenannte Ureibe. Ein Baum, der laut Schätzungen von Experten bis zu 1300 Jahre alt sein könnte. Inzwischen ist er sogar offiziell als ältester Baum Deutschlands anerkannt und ist zudem auch noch die dickste Eibe hierzulande. Davon ahnte selbst der Entdecker zunächst nichts, als er den Baum-Opa untersuchte. TRAVELBOOK sprach mit ihm über seine Erkenntnisse und sein ehrenwertes Langzeitprojekt, das uralte Bäume in der Bundesrepublik würdigt.
Auf einer Alpwiese über dem Ort Steibis im bayerischen Allgäu steht, in 1100 Metern Höhe, der älteste Baum Deutschlands. Eine Eibe, ob ihres beträchtlichen Alters auch Ureibe genannt, die laut Schätzungen von Experten bereits vor bis zu 1300 Jahren die ersten Wurzeln geschlagen haben könnte. Doch obwohl sie gut sichtbar auf einem Feld wächst, wurde sie erst 2025 erstmals untersucht. So ergaben sich dann ihr beträchtliches Alter und die Sicherheit, dass sie in diesem Punkt kein anderer bekannter Baum in der Bundesrepublik übertrifft. Dennoch war ihre „Entdeckung“ eher Zufall, wie selbst der Mann offen zugibt, der schließlich das Geheimnis des Methusalem-Baums enthüllen konnte.
TRAVELBOOK erreicht Andreas Roloff, Seniorprofessor für Baumbiologie an der TU Dresden, per Telefon. Auch durch den Hörer dringt sofort dessen Begeisterung und beinahe kindliche Freude durch, wenn er über „seinen“ Baum redet. „Die Nachricht hat damals riesige mediale Wellen geschlagen“, erinnert er sich. „Dabei war es auch für mich eine Überraschung, dass ich da offensichtlich den ältesten Baum Deutschlands entdeckt habe.“ Bereits seit 2019 betreibt Roloff das Projekt „Nationalerbe-Bäume“. Finanziert durch die Eva-Mayr-Stihl-Stiftung und betreut von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, sucht er seitdem in der gesamten Republik nach Bäumen in besonders hohem Alter.
Vorbild England
Inspiriert dazu habe ihn eine Reise nach England, wo es nachweislich mehr als 100 Bäume gebe, deren Alter auf über 1000 Jahre geschätzt wird. „Ich habe dann einen Artikel zu dem Thema veröffentlicht, und dann kam die Stiftung auf mich zu.“ Noch 2019 habe man drei Nationalerbe-Bäume auszeichnen können, inzwischen sei man bei 66. Das große Ziel dürfte laut Roloff im Jahr 2029 erreicht sein, dann möchte man den 100. Baum ausweisen. Mehr sollen es auch nicht werden, um eine entsprechende Pflege der alten Majestäten gewährleisten zu können. Die Entdeckung des ältesten Baums in Deutschland ist natürlich aber auch für ihn etwas Einmaliges.
Auch interessant: Dieser deutsche Baum hat seine eigene Adresse
„Die Eibe stand durchaus auf meiner Liste von Bäumen, die ich 2025 in der Region untersuchte. Auf den ersten Blick wirkt sie aber zunächst einmal wenig spektakulär, steht dazu noch abseits eines Weges.“ Er habe dann aber schnell gemerkt, dass er auf etwas Besonderes gestoßen sei. „Als ich davorstand und den Stamm sah, kam ich ins Staunen.“ Sofort machte er die Eigentümer der Eibe ausfindig und fragte sie, ob sie mit einer Untersuchung hinsichtlich des Alters einverstanden wären. „Zunächst mal waren sie wenig begeistert, weil sie einen Besucherandrang fürchteten. Dann haben sie aber einstimmig dafür votiert.“
Bis zu 1300 Jahre alt
Anhand eines gerade einmal 11 Zentimeter langen Bohrspans konnte Roloff dann insgesamt 60 Jahresringe ablesen. Hochgerechnet auf den Stammumfang der Eibe von 5,10 Metern kam er so schließlich auf ein Alter von schätzungsweise 1100 Jahren. Da der Baum in seiner „Jugend“ aber vermutlich schneller gewachsen sei, könne er tatsächlich gar bis zu 1300 Jahre alt sein. Beachtlich seien seine Dimensionen auch deswegen, weil er auf seiner Höhe von 1100 Metern gerade einmal halb so schnell wachsen könne wie vergleichbare Bäume im Flachland. Über die Eibe sagt er: „Ihr Stamm ist ein traumhaftes Monument mit Spalten, Wülsten, Beulen, Rippen, Rissen und Löchern.“
Idyllische Seen in Kärnten
Entspannung, Abenteuer und Sehenswürdigkeiten
Längst ist sein Projekt, die Nationalerbe-Bäume, auch zu einem internationalen Vorbild-Modell geworden. „Im November 2026 bin ich in Singapur eingeladen, um darüber auf dem Weltkongress für Gartenbau zu referieren. Da sind Stolz und ein unbeschreibliches Glücksgefühl, das ich empfinde.“ Die Stiftung und auch seine Universität hätten ihm für seine Idee ebenfalls quasi vollumfängliche Handlungsfreiheit gewährt. Dafür wählte er zunächst einen Baum pro Bundesland aus. Inzwischen werden die Bäume nach Größe des Bundeslandes ernannt. So bekomme ein größeres Bundesland wie Bayern mehr potenzielle Bäume zugesprochen als beispielsweise Berlin. Jede Prämierung werde aber offiziell gefeiert.
Auch interessant: Deutschland hat die größte Stieleiche der Welt
Wer mehr über das Projekt Nationalerbe-Bäume wissen möchte, findet auch noch andere beeindruckende Exemplare auf Roloffs Website. Erst jüngst hat man eine Eiche in Niedersachsen ausgezeichnet, die bis zu 800 Jahre alt sein soll. Das Besondere: Zu jedem Baum gibt es auch eine Standort-Beschreibung für Besucher. So natürlich auch für die Ur-Eibe von Steibis, Deutschlands ältestem Baum. Für die hat Roloff übrigens noch einen besonderen, augenzwinkernden Tipp: „Eine Einkehr bei der Unterlauch-Alpe mit Brotzeit ist unbedingt zu empfehlen.“