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Große Online-Abstimmung

Teufelsmauer im Harz ist Naturwunder des Jahres

Die Teufelsmauer im Harz ist zum Naturwunder des Jahres gewählt worden
Die Teufelsmauer im Harz ist zum Naturwunder des Jahres gewählt worden Foto: picture alliance / Zoonar | Daniel Kühne
Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

29. September 2026, 17:15 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Die Teufelsmauer im Harz ist im Rahmen einer Online-Abstimmung der Heinz-Sielmann-Stiftung und des Deutschen Wanderverbandes zu Deutschlands Naturwunder 2026 gekürt worden. TRAVELBOOK verrät, wie die besondere Felsformation entstanden ist, welche Legenden sich um sie ranken und was es dort noch zu entdecken gibt.

Mitten im Nirgendwo der grünen Ebenen und Felder des Harz erhebt sich, ganz in der Nähe der Weltkulturerbe-Stadt Quedlinburg, ein wahrhaft bizarres Naturwunder: Auf 20 Kilometern Länge ragen zwischen verträumten Orten riesige Sandsteine in den Himmel, aufgeschichtet zu spektakulären Formationen, die ihnen einen treffenden Namen eingetragen haben: Teufelsmauer. Und tatsächlich erinnert das Gestein vielerorts an eine Mauer, schichten sich einzelne Felsen auf wie Wachtürme einer steinernen Verteidigungslinie.

Bei der Online-Abstimmung der Heinz-Sielmann-Stiftung und des Deutschen Wanderverbandes um den Titel „Deutschlands Naturwunder des Jahres 2026“ setzte sich die Teufelsmauer mit mehr als 30 Prozent der Stimmen gegen neun weitere Kandidaten durch. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Saalfelder Feengrotten in Thüringen und das Brenner Moor in Schleswig-Holstein.

Wie die Teufelsmauer entstanden ist

Die Sandsteinformationen entstanden laut der Tourismuswebsite des Ortes Blankenburg vor etwa 85 Millionen Jahren als Ablagerungen in den Meeren der Kreidezeit. Am Ende dieses Zeitalters hob sich der Boden des heutigen Harz an und schichtete so die Steine auf, die heute so beeindruckend in der Landschaft stehen.

Besonders bizarr: Die Felsen sehen an manchen Stellen so aus wie vom Sturm aufgepeitschtes, in der Bewegung versteinertes Wasser – kein Wunder also, dass auch schon der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe 1784 die Teufelsmauer besuchte. Seit 1833 sind die Felsen besonders geschützt, denn der Sandstein war damals ein begehrtes Baumaterial. Naturfreunde profitieren noch heute von dieser Maßnahme, da sich rund um die bizarren Steine diverse seltene Kräuter und Pflanzen angesiedelt haben. Seit 1935 ist die Gegend ein Naturschutzgebiet, eines der ältesten Deutschlands.

Sonnenuntergang an der Teufelsmauer bei Weddersleben
Sonnenuntergang an der Teufelsmauer bei Weddersleben Foto: picture alliance / imageBROKER | Gabriele Hanke

Eine teuflische Legende

Natürlich gibt es zur Entstehung der Teufelsmauer auch eine Sage, bei der es sprichwörtlich mit dem, nun ja, Teufel zugeht. Demnach stritten der Leibhaftige und Gott darum, die Welt unter sich aufzuteilen. Gott sagte der Legende nach also zum Teufel: Alles Land, das dieser in nur einer Nacht vor dem ersten Hahnenschrei mit einer Mauer abgrenzen könnte, solle fortan ihm gehören. Der Bösewicht machte sich an die Arbeit, jedoch wurde er dabei von einer Magd gestört, die mit ihrem Hahn auf dem Weg zum Markt war. Die Magd erschrak beim Anblick des Teufels, stürzte, und dadurch wiederum aufgeschreckt fing ihr Hahn an zu krähen. Luzifer glaubte, sein Werk sei misslungen, und zertrat daraufhin aus lauter Wut seine bereits fertiggestellte Schöpfung – das, was übrig blieb, ist bis auf den heutigen Tag als Teufelsmauer bekannt.

Die Teufelsmauer auf einer Wanderung erkunden

Wanderer können die Gegend auf einer wunderbaren Tour von insgesamt maximal 30 Kilometern Länge zwischen den Ortschaften Ballenstedt im Südosten und Blankenburg im Nordwesten erkunden. Vorbei geht es an Formationen mit romantischen Namen wie „Königstein“, „Hohe Sonne“ und „Großvaterfelsen“.

Wer nicht die Zeit oder Lust mitbringt, an einem oder mehreren Tagen 30 Kilometer zu wandern, dem bietet sich eine tolle Alternative dank einer Tour, die nur etwa halb so lang ist und sich auch bei gemächlichem Tempo in fünf bis sechs Stunden bewältigen lässt. Auf etwa 15 Kilometern Länge beginnt der Weg in Weddersleben, wo die Teufelsmauer sich besonders imposant zeigt. Wer auf dem Sprung ist, kann hier auch den nur zwei Kilometer langen Rundweg absolvieren, der Wanderer entlang der archaischen Formationen „Königstein“, „Mittelsteine“ und „Papensteine“ führt, die die ansonsten flache Landschaft eindrucksvoll überragen und tatsächlich so aussehen, als hätte nicht nur der Teufel, sondern auch der Wind sie geformt – denn dem ist man hier in der weiten Ebene bedingungslos ausgesetzt.

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Endloses Land

Die Wanderung führt von Weddersleben nun entlang mehrerer kleiner Felskämme in Richtung Warnstedt, immer mit dem Blick auf die dortige Windmühle auf der rechten und die Stadt Thale auf der linken Seite. Hunderte von Metern weit kann man in beide Richtungen das offene grüne Land bewundern, während hoch oben in der Luft majestätisch Raubvögel kreisen, die nach Beute suchen. Auch die Ausläufer der Harz-Berge in Thale sind hier nur etwa eine Stunde Fußmarsch entfernt, doch man durchquert stattdessen Warnstedt und läuft weiter auf einem schotterigen Feldweg, der nach Timmenrode führt. Hier ist die Landschaft besonders flach und erscheint deshalb umso endloser. Dabei ist es auch in diesem kleinen Ort nur ein relativ kurzer Weg. Obstbäume säumen die alte Straße, die wohl einst als Hauptverbindung zwischen Warnstedt und Timmenrode gedient hat, bevor die Moderne Einzug hielt und mit ihr eine breitere Bundesstraße.

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Spektakuläre Steine

Timmenrode ist einer dieser Orte, an denen man mit dem Auto schon vorübergeflogen wäre, wenn man nur einmal blinzelt – doch für den Wanderer beginnt hier das spektakulärste Stück der Tour. Ein kurzer Aufstieg führt durch jetzt wieder dichter werdenden Wald zu dem Aussichtspunkt „Hamburger Wappen“, der wohl eindrucksvollsten aller Felsformationen entlang des Teufelsmauerstieges. Die drei gewaltigen Zinnen ähneln tatsächlich dem Wappen der Hansestadt und haben vermutlich daher ihren Namen. Von hier aus hat man einen sehr schönen Ausblick auf das weite Land, das von oben so idyllisch aussieht wie eine Modellbaulandschaft.

Die Sandsteinformation Hamburger Wappen ist ein besonders eindrucksvoller Teil der Teufelsmauer
Die Sandsteinformation Hamburger Wappen ist ein besonders eindrucksvoller Teil der Teufelsmauer Foto: picture alliance / Zoonar | Karin Jaehne

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Nun wird es endgültig fantastisch – und zwar bei der Begehung des sogenannten „Kammweges“, entlang dessen sich im dichten Wald mehr und mehr skurrile Steine in den Himmel strecken, die „Fahnenfelsen“, „Teufelskopf“ oder „Schweinekessel“ heißen. Jetzt befindet man sich eben auf dem Bergkamm des Höhenzuges und damit bieten sich zu beiden Seiten des Weges wunderbare Ausblicke. Die Wurzeln der Nadelbäume quellen wie Kraken-Fangarme aus dem Waldboden hervor und umschlingen das Gestein. Hier macht wirklich jeder Schritt Spaß und die frische Luft pustet den Kopf frei vom Lärm und der Hektik des Alltags. Merkwürdig ist das Gefühl, hier weit oben in wildester Natur zu sein, während einem quasi zu Füßen das von Menschen domestizierte, parzellierte und in gleichförmige Quadrate gepresste Land liegt.

Adrenalin pur

Das anspruchsvollste Stück Weg führt nun etwa einen Kilometer lang zum sogenannten „Großvaterfelsen“ – hier geht es sprichwörtlich über Stock und Stein, der „Weg“ ist an vielen Stellen mit eisernen Geländern gesichert und kaum breiter als ein Mensch, wobei es an beiden Seiten zum Teil steil in die Tiefe geht. Das Adrenalin pumpt förmlich in den Ohren und wohl auch deshalb haben zahlreiche Wanderer ihre Namen in das weiche Gestein geritzt, wie zum Beweis, dass sie hier waren und diese nicht ungefährliche Strecke bewältigt haben. Eine willkommene Rast samt grandioser Aussicht bietet der „Teufelssessel“, zwei nebeneinander in den Stein gehauene Sitznischen.

Aussichtspunkt auf dem Großvaterfelsen
Aussichtspunkt auf dem Großvaterfelsen Foto: picture alliance / imageBROKER | Michael Nitzschke

Der Höhepunkt der Wanderung ist dann die Aussicht vom „Großvaterfelsen“ auf das unten im Tal liegende Blankenburg mit seiner gleichnamigen beeindruckenden Festung und den wie überall im Harz noch sehr gut erhaltenen Fachwerkhäusern – hier muss man jedoch absolut trittsicher und auch mutig sein, um sich entlang eines weiteren eisernen Geländers auf einen kleinen, windumtosten Turm zu hangeln. Und ehe man es sich versieht, sind 15 Kilometer verflogen, steigt man über wiederum sanften Waldboden hinab nach Blankenburg und genießt die wohlverdiente Einkehr in einer der zahlreichen guten Gaststätten.

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