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Sie entstanden aus Bombentrichtern

Das Wunder der Himmelsweiher von Augsburg

Himmelsweiher
Kleine Teiche, große Naturschätze: Die Himmelsweiher im Augsburger Stadtwald sind Heimat für zahlreiche Arten geworden. Und auf höchst ungewöhnliche Weise entstanden. Foto: SWA/THOMAS HOSEMANN
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

17. Mai 2026, 14:10 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

In der bayerischen Stadt Augsburg befinden sich im dortigen Stadtwald mit den Himmelsweihern mehrere kleine Teiche, die 2011 angelegt wurden und heute wertvolle Biotope für Amphibien und Insekten sind. Das Ungewöhnliche: Es handelt sich dabei eigentlich um Krater, die bei der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg entstanden. Und dann ist da noch die traurige Geschichte um die Entstehung des Namens Siebentischwald.

Wer einmal ein echtes Naturwunder im sprichwörtlichen Sinne mit eigenen Augen sehen möchte, der sollte den Augsburger Siebentischwald besuchen. Der Stadtwald der bayerischen Metropole ist mit einer Fläche von etwa 660 Hektar die grüne Lunge von Augsburg, und bei Einheimischen wie auch Touristen gleichermaßen beliebt. Mitten in diesem Naherholungs-Paradies befindet sich eine Reihe kleiner Teiche, Himmelsweiher genannt. Und sie sind es auch, von denen hier die Rede sein soll. Denn die Gewässer, die heute ein wertvolles Biotop für Amphibien und Insekten sind, entstanden 2011 auf höchst ungewöhnliche Weise. Denn eigentlich handelt es sich bei Ihnen um ehemalige Bombenkrater.

Es ist die Nacht des 25. auf den 26. Februar 1944, als die Apokalypse über Augsburg hereinbricht. Im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges wird die Stadt massiv bombardiert. Ziel des Angriffs sind laut „Atlas Obscura“ die Fabrikhallen der Messerschmidt AG, eines deutschen Herstellers für Kampfflugzeuge. In der Folge des Bombardements verfehlen aber tausende Bomben ihr Ziel. Viele von ihnen schlagen stattdessen in den Siebentischwald ein, hinterlassen mitunter tiefe Krater in der Erde. Zu diesem Zeitpunkt kann noch niemand ahnen, dass aus diesen Wunden der Erde einst die Himmelsweiher entstehen werden.

Heute wichtige Biotope

Himmelsweiher
Aus alten Bombentrichtern hat man in Augsburg Biotope geschaffen Foto: SWA/THOMAS HOSEMANN

Im Jahr 2011 nun begann der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e. V. (LPVA), mit der Unterstützung der swa Trinkwasser Regenio (SWA = Stadtwerke Augsburg), die besonderen Teiche anzulegen. Die Gruben dafür mussten sie aber nicht eigens ausheben, sondern nutzten einfach die Bombenkrater. Diese dichtete man mit Lehm ab, und füllte sie anschließend mit Wasser. Die Natur übernahm den Rest, und so bezogen schon bald die ersten tierischen Bewohner die auf so ungewöhnliche Weise entstandenen Himmelsweiher. Bereits im ersten Jahr nutzten Erdkröten und Grasfrösche sie als Laichbiotop.

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Auch Libellen und andere Insektenarten siedelten sich in den Feuchtbiotopen schnell an, und so sind sie heute ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Arten im Augsburger Siebentischwald. 2021 wurden hier sogar erstmals Goldfische nachgewiesen. Den Namen Himmelsweiher tragen sie übrigens deshalb, weil sie heute einzig durch Regenwasser gespeist werden – also vom Himmel. Wer die Teiche einmal selbst besuchen möchte, kann der Strecke des Erlebnispfades „Stadtwald Augsburg“ folgen.

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Die Himmelsweiher sind finanziert von den Stadtwerken

Auch heute entstehen übrigens noch neue Himmelsweiher, wie ein Sprecher der Augsburger Stadtwerke auf TRAVELBOOK-Anfrage sagt: „Wir sind gerade dabei eine Reihe neuer Teiche anzulegen. Die Stadtwerke finanzieren das Projekt.“ Und das über ein visionäres Geschäftsmodell. Kunden können gegen einen geringen Aufpreis das Paket swa Trinkwasser Regenio bestellen. Von diesem Mehrertrag bezahlen die Stadtwerke dann verschiedene Projekte, wie eben die Anlage der Wasser-Lebensräume. „Wir laden unsere Kunden auch regelmäßig zu Führungen und Vorträgen ein. So können sie sehen, was mit ihrem Geld passiert. Das Modell wird sehr gut angenommen.“

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Doch woher hat das Augsburger Naherholungsgebiet eigentlich seinen ungewöhnlichen Namen Siebentischwald? Laut der Zeitung „Augsburger Allgemeine“ geht er zurück auf eine beliebte Wirtschaft, die sich hier bereits ab 1602 befand. So betrieb der städtische Holzwart hier eine Gaststätte, die der Legende nach eben sieben Tische hatte. Da er Bier ausschenken durfte, erfreute sich die Lokalität im Wald bei den Augsburgern großer Beliebtheit. 1809 wurde das Areal an einen Privatmann verkauft, 1907 erwarb es dann die Stadt selbst.

Naturwunder Siebentischwald

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Es folgte eine Neueröffnung im großen Stil im Jahr 1909, zu der Schankwirtschaft gehörte jetzt auch ein Kinderspielplatz. So beliebt war das Ausflugsziel, dass es ab 1920 sogar an das örtliche Straßenbahnnetz angebunden wurde. Die Haltestelle „Siebentisch“ war fortan so etwas wie ein Pilgerort für die Augsburger. Doch 19 Jahre später, nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, stellte man den Betrieb hier ein. Für immer, wie sich herausstellen sollte, denn auch das Lokal fiel den Bombenangriffen in der Februarnacht 1944 zum Opfer. Dabei gab es Verletzte und sogar Tote.

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Heute ist der Siebentischwald bei Spaziergängern, Joggern und Wanderern beliebt. Und das sicher nicht zuletzt wegen der Himmelsweiher. Ein besonderes Biotop sind hier auch die Streuobstwiesen, wo 300 Apfelbäume teils alter und seltener Sorten gedeihen. Diese zu ernten dauert bis zu drei Tage, wobei in guten Jahren schon einmal 12 Tonnen Äpfel zusammenkommen können. Sieben Imker sorgen zudem dafür, dass es den Bienen im Wald gut geht, und sie fleißig Honig produzieren. Wer möchte, kann über die Augsburger Forstverwaltung oder den Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e. V. auch eine Führung durch den Siebentischwald buchen.

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