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Lebensgefährlicher Lost Place

Die tragische Geschichte des Panzerfriedhofs Sögel im Emsland

Panzerfriedhof Sögel
Der Panzerfriedhof Sögel ist ein Anziehungspunkt für Freunde des Dark Tourism. Ihn zu betreten kann aber lebensgefährlich sein Foto: picture alliance / Zoonar
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

8. Dezember 2025, 15:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Im Landkreis Emsland, nahe der Stadt Meppen, liegt mit dem Panzerfriedhof Sögel ein absoluter Hotspot für Freunde von Lost Places. Denn mitten auf einem Feld stehen hier 24 alte Panzer. Sich ihnen zu nähern, ist allerdings streng verboten – und kann unter Umständen sogar lebensgefährlich sein. Und dann ist da noch die tragische Geschichte des Ortes an sich, für den ein ganzes Dorf sterben musste.

Wer in der Nähe der Stadt Meppen im Landkreis Emsland unterwegs ist, der dürfte sich mitunter verwundert die Augen reiben. Aber nein, es ist keine Fata Morgana, hier stehen, auf einem immer noch aktiven Übungsgelände der Bundeswehr, insgesamt 24 alte Panzer inmitten der Landschaft. Der Panzerfriedhof Sögel war vor allem in der Vergangenheit daher ein Anziehungspunkt für Freunde von Lost Places. Dabei ist es bei Strafe verboten, das Gebiet zu betreten oder sich gar den Panzern zu nähern. Unter Umständen kann dieser Leichtsinn Zuwiderhandelnde nämlich sogar das Leben kosten.

TRAVELBOOK erreicht zu dem Thema per Telefon einen Insider. Zunächst einmal erzählt dieser freimütig zum Panzerfriedhof Sögel, möchte dann aber namentlich auf keinen Fall in einem Artikel erwähnt werden. Auch seinen Arbeitgeber dürfen wir aus sicherheitstechnischen Gründen nicht nennen. Der Mann sagt: „Die Panzer befinden sich mitten auf einem Schießversuchsbereich auf Gebiet, das die Bundeswehr nutzt. Hier wird nahezu alles an Material erprobt. Das kann umso gefährlicher sein, als dass man nie sagen kann, wann ein solcher Test stattfindet.“ Rund um das etwa 50 Kilometer lange Gebiet gebe es daher auch überall Schranken, Ampeln und Schilder, um Unbefugte klar vor dem Betreten zu warnen.

Empfindliche Geldstrafen

Panzerfriedhof Sögel
Insgesamt 24 Fahrzeuge rosten auf dem Panzerfriedhof Sögel vor sich hin. Heute ist das Gelände weiträumig abgesperrt Foto: picture alliance / Zoonar

„Seitdem ist ein Bereich von rund fünf Kilometern rund um die Panzer mit einem Zaun abgesperrt, ein Sicherheitsdienst patrouilliert dort.“ Dies war bis zum Juni 2020 nicht der Fall, sodass jeder, der dreist genug war, das Gebiet einfach betreten konnte. Einschlägige Adressen im Netz bewarben den Panzerfriedhof Sögel sogar und stellten ganz offiziell Anfahrtsempfehlungen ein. Wer nun dennoch eindringt, riskiert empfindliche Geldstrafen. „Nicht nur von dem Gebiet geht ja eine Gefahr aus, sondern auch von den Gefährten selbst.“ Seit der Umzäunung gehe es vor Ort aber nicht mehr so hoch her wie früher.

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Was die Wenigsten wissen: Der Panzerfriedhof Sögel ist ein Ort mit einer dunklen Vergangenheit. Bereits seit dem Ersten Weltkrieg in Benutzung, gehörte das Gelände zu Zeiten des NS-Regimes der Firma Krupp. Laut „NDR“ besichtigte Adolf Hitler es am 10. Juni 1936 höchstpersönlich und traf daraufhin eine folgenreiche Entscheidung. Denn er beschloss, dass das große Gebiet noch erweitert werden sollte, und dafür musste schließlich das Dorf Wahn mit all seinen Einwohnern weichen. 177 Familien siedelte man so bis 1943 zwangsweise um und machte den Ort dem Erdboden gleich. Selbst die St.-Antonius-Kirche wurde abgerissen.

Halten Sie sich fern

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„In dieser Zeit hat man hier die schweren Marinegeschütze erprobt“, weiß der Insider. „Das waren wirklich die ganz großen Kaliber.“ Tragisch: Bereits 1944 wurde der heutige Panzerfriedhof Sögel von den Nazis als Übungsgelände aufgegeben. Seit 1957 nutzt ihn die Bundeswehr. Immer am dritten Sonntag im Juni treffen sich alte Bewohner Wahns bzw. deren Nachkommen auch heute noch, um der mehr als 1000-jährigen Geschichte des Ortes bis zu seiner Auslöschung zu gedenken. Wer einen tieferen Einblick in dieses dunkle Kapitel haben möchte, findet historische Bilder und Publikationen auf der Website „Erinnerungsort Wahn Hümmling“.

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In Foren im Netz wird die Sperrung des Panzerfriedhofs Sögel auch heute noch heftig diskutiert. Nicht nur wegen der akuten Gefahr, sondern auch aufgrund von Diebstahl und Vandalismus war diese schließlich umgesetzt worden. Man findet hier aber auch Tipps, wie man das Gelände trotzdem betreten könnte. So empfiehlt ein User, einfach unter dem Zaun hindurchzukriechen. „Innerhalb von 5 Sekunden würde man dann direkt neben einem Panzer stehen“, so der Nutzer. Daher an dieser Stelle von der TRAVELBOOK-Redaktion noch einmal ein deutlicher Aufruf: Halten Sie sich von dem umgrenzten Gebiet und von den Panzern unbedingt fern. Kein Foto ist es wert, seine Gesundheit oder gar sein Leben dafür zu riskieren.

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