26. Oktober 2026, 13:53 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Der Blick aufs Meer, mit seinen typischerweise leichten Wogen, hat auf viele Menschen eine beruhigende Wirkung. Doch umso wilder geht es teilweise unter der Meeresoberfläche zu: Dort sorgen sogenannte interne Wellen, die bis zu hundert Meter hoch werden können, für massive Bewegung. Für uns zunächst unsichtbar, beeinflussen die Riesenwellen verschiedene wichtige Prozesse. Mehr dazu bei TRAVELBOOK.
Wie zuletzt der US-amerikanische „Surfer“ berichtete, können in bestimmten Regionen gewaltige interne Wellen eine enorm hohe vertikale Auslenkung erreichen. Es ist von bis zu 300 Metern Höhe die Rede. Das Magazin bezieht sich mit seinem Bericht auf eine im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie.
Aber wie soll man sich das vorstellen – dass eine Welle unter der Meeresoberfläche „hoch“ sein kann? Um das Ganze besser zu verstehen, hilft ein Blick auf die Beschaffenheit des Meeres. Und später wird auch Matthew Alford noch zu Wort kommen. Er ist Professor für physikalische Ozeanografie an der Scripps Institution of Oceanography der University of California und Mitautor der „Nature“-Studie.
Wie interne Wellen entstehen und was sie bewirken
Wie „Surfer“ erklärt, ist das Meer vertikal in Licht- und Tiefenzonen unterteilt:
- das Epipelagial (0–200 m), in dem sich nahezu das gesamte marine Leben abspielt,
- das Mesopelagial (200–1000 m),
- Bathypelagial (1000–4000 m) und das
- Hadalpelagial (6000–11.000 m).
Die Schichten unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich ihrer Temperatur, Dichte und der Lichtverhältnisse. Logischerweise wird es nach unten hin immer dunkler, da weniger Sonnenlicht vordringt, und parallel dazu steigt der Wasserdruck.
An den Grenzen zwischen jenen Wasserschichten können sich interne Wellen ausbreiten. Werden also beispielsweise Wassermassen durch Gezeitenströmungen über unterseeische Gebirge und Rücken bewegt, führt dies dazu, dass die Grenze zwischen den Schichten in Bewegung kommt. Sie hebt und senkt sich – das lässt interne Wellen entstehen, und die bahnen sich ihren Weg durch den Ozean.
Und dabei sind sie nicht nur ein faszinierendes Phänomen, sondern erfüllen auch eine Funktion im Ozean. Näheres dazu erklärt Professor Matthew Alford, den TRAVELBOOK übrigens aktuell auf Forschungsexpedition erreicht hat – „auf See, um interne Wellen zu erforschen“.
Transport von Wärme und Nährstoffen
Besonders wichtig werden diese Wellen, wenn sie brechen. Dabei entstehen starke Turbulenzen, die Wasserschichten durchmischen und Energie im Ozean verteilen. „Turbulenzen sind entscheidend dafür, wie der Ozean Wärme transportiert und seine Schichtung aufrechterhält“, so Alford. Während die Turbulenz im offenen Ozean vielerorts sehr schwach sei, könne sie durch brechende interne Wellen lokal deutlich zunehmen.
Das hat durchaus Folgen für das Leben im Meer. Viele Meeresorganismen sind auf zwei Dinge angewiesen: Licht, das vor allem in den oberen Wasserschichten verfügbar ist, und Nährstoffe, die sich häufig in tieferen Wasserschichten befinden. Durch die Durchmischung können Nährstoffe nach oben gelangen und dort das Wachstum von Plankton ermöglichen. Dies bildet die Nahrungsgrundlage für zahlreiche weitere Meereslebewesen.
Unter bestimmten Bedingungen können interne Wellen allerdings auch sauerstoffarmes oder nährstoffärmeres Wasser in flachere Meeresgebiete bringen. Welche Folgen das hat, hängt von den örtlichen Umweltbedingungen ab.
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Was „bis zu 300 Meter Höhe“ eigentlich bedeutet
Nun ist beim „Surfer“-Magazin von 300 Meter hohen Wellen in der Luzonstraße zwischen den Philippinen und Taiwan die Rede. Doch das ist nicht so zu verstehen, dass Sie solche sehen können, wenn Sie etwa vom Strand zum Horizont blicken. Im Gegenteil: Die Oberfläche kann währenddessen ganz ruhig erscheinen.
Die 300 Meter bezeichnen nicht die Höhe einer Wasserwand, so Professor Alford, sondern die vertikale Strecke, über die sich die Wasserschichten während des Wellendurchgangs bewegen. Die beschriebenen Riesenwellen können Wasserschichten also um bis zu 300 Meter nach oben oder unten verschieben.
Was interne Wellen für Reisende bedeuten können
Trotzdem können Strandurlauber etwas von den internen Wellen mitbekommen. Denn wenn sich durch die Durchmischung die Bedingungen für Korallen, Fische und andere Meeresorganismen verändern, dann gilt dies langfristig auch für die Unterwasserwelt, die Urlauber beim Tauchen oder Schnorcheln entdecken.
Und: Vielleicht haben auch Sie beim Baden im Meer schon einmal plötzlich einen Schwall kälteren Wassers gespürt. Unter bestimmten Bedingungen können interne Wellen kälteres Wasser aus tieferen Schichten nach oben bewegen. Ob aber tatsächlich sie für den plötzlichen Temperaturwechsel verantwortlich sind, hängt von den örtlichen Bedingungen ab.
Für Reisende ist und bleibt das wirklich Spannende an dem Thema, dass im Meer noch viel mehr passiert, als wir uns von außen vorstellen können. Selbst wenn Sie mitten im Ozean auf einem Schiff sind – in diesem Moment könnten sich unter einer relativ ruhigen Wasseroberfläche gewaltige Wellen bewegen und bedeutende Prozesse vorantreiben.