Weltrekord-Spot in Portugal

Wie entstehen die Riesenwellen von Nazaré?

Big Wave am Praia do Norte in Nazaré, Portugal
Big Wave am Praia do Norte in Nazaré, Portugal
Foto: Getty Images

Mehr als 30 Meter hohe Wellen sind hier keine Seltenheit. Der Ort: Nazaré in Portugal. Der Strand mit denen Monsterwellen ist sowohl legendär als auch gefürchtet. Gerade erst wurde wieder ein Weltrekord über die höchste gesurfte Welle aufgestellt. Doch wie entstehen diese Riesenwellen eigentlich?

Die Brasilianerin Maya Gabeira hat ihren eigenen Surf-Rekord gebrochen: Sie bezwang schon im Februar dieses Jahres eine 22,40 Meter hohe Welle, was jetzt offiziell bestätigt wurde. Mit dieser Höhe ist sie die größte jemals von einer Frau gesurfte Welle. Schon 2018 hatte Gabeira in Nazaré den gleichen Weltrekord mit einer Welle von mehr als 20 Meter Höhe aufgestellt.

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Damit war sie nicht die erste – schon oft wurden hier Rekorde über die höchste gesurfte Welle weltweit aufgestellt. Riesenwellen von mehr als 30 Metern, wie sie auch schon Pro-Surfer wie Hugo Vau und Garrett McNamara bezwungen haben, sind in dem portugiesischen Ort keine Seltenheit. Nazaré ist als Wellenwunderstadt bei Profi-Surfern bekannt und beliebt, aber auch gefürchtet. Auch Gabeira weiß, wie gefährlich die Riesenwellen sein können: 2013 stürzte sie schwer bei einem Surf-Weltrekordversuch, wurde zum Glück wiederbelebt.

Wie entstehen die Riesenwellen von Nazaré?

Der Winter ist die Saison der Hochhaus-hohen Monsterwellen in der portugiesischen Stadt. Dann pilgern Surfer und Schaulustige in Scharen in den kleinen Ort, in dem man die Wassergiganten und ihre, im Vergleich winzig erscheinenden, Bezwinger aus nächster Nähe beobachten und erleben kann. In sicherer Entfernung stehen die Zuschauer auf den Dünen oder am 100 Meter über dem Wasser installierten Leuchtturm. Sie sehen zu, wie die Wassermassen mit ohrenbetäubendem Getöse heranrollen, sich langsam auftürmen, um auf ihrem Zenit angekommen zu brechen und dann als Weißwassergischt an den Strand Praia do Norte klatschen.

Sebastien Steutner Nazare

Der deutsche Surfer Sebastien Steutner auf einer Big Wave am Praia do Norte in Nazare, Portugal im Dezember 2016
Foto: Getty Images

Was die Wellenliebhaber nicht sehen, ist, was vorher passiert. Die Faktoren, die zusammenspielen, um die Riesenwellen aufzubauen. Das Hydrographische Institut (HI) in Lissabon erklärt, dass es sich beim Phänomen der portugiesischen Monsterwellen um ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen handelt. Ein paar hundert Meter vor der Küste der Stadt Nazaré liegt die Tiefseeschlucht Nazaré Canyon. Diese ist laut HI etwa 170 Kilometer lang und rund 5.000 Meter tief. Und genau diese Tiefe des Canyons ist ein entscheidender Faktor bei der Entstehung der Riesenwellen, da er den Wellengang erhöht.

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Das Wasser am Festlandsockel ist im Vergleich sehr viel flacher. Durch den Tiefen-Unterschied zwischen Canyon und Kontinentalschelf werden Geschwindigkeit und Richtung des Seegangs verändert. Verschiedene Zonen entstehen, in denen die Welle konvergiert, wie das HI schreibt. Durch das Zusammenlaufen der Welle werde ihre Kraft stärker. „Dieser Prozess scheint besonders während der vorherrschenden Nordwest- und Westschwellperioden in dem Gebiet vor dem Praia do Norte zu wirken“, erklärt das Institut. Da die Welle in Küstennähe erzeugt wird, wirkt zusätzlich die Strömung aus dem lokalen Wasserkanal als „zusätzlicher Mechanismus“ auf die Welle ein. Kommen dann noch eine perfekte Windgeschwindigkeit und -richtung hinzu, entstehen die 20 bis 30 Meter hohen Wasserwände, die Pro-Surfer reizen und Zuschauer mit offenen Mündern staunen lassen.

Big Wave am Praia do Norte in Nazare

Surfer auf einer Big Wave am Praia do Norte in Nazare, Portugal im Dezember 2014
Foto: Getty Images

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Der Nazaré Canyon wurde übrigens bereits vor Jahrtausenden entdeckt. Laut des Hydrographischen Instituts galt er in der Antike als „unergründlicher Abgrund“. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen sich Forscher der Tiefseeschlucht an und führten eine Reihe hydrographischer Messungen durch. Deshalb wissen wir heute nicht nur von der enormen Länge und Tiefe des Canyons, sondern können auch nachvollziehen, wie diese Riesenwellen entstehen, die Big-Wave-Profis heute immer wieder zu Weltrekordhaltern machen.

Der Strand von Nazaré auf der Karte:

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