1. März 2026, 14:37 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Gerade das Meer und die schönen Strände ziehen viele Urlauber nach Griechenland. Doch diese können – wenn auch oft unbewusst – eine Bedrohung für dort lebende Tiere darstellen. Warum Tierschutzorganisationen zunehmend wegen der dort lebenden Mönchsrobben besorgt sind, und was Reisende wissen sollten.
Griechenland gilt für viele als Inbegriff des Sommerurlaubs. Mit über 13.000 Kilometern Küstenlinie, kristallklarem türkisfarbenem Wasser und zahlreichen Inseln zieht das südeuropäische Land jedes Jahr Millionen von Reisenden an. Ob Schnorcheln, Segeln, Motorbootfahren oder Inselhopping – das Angebot ist riesig. Doch hinter der Postkartenidylle verbirgt sich eine prekäre Schattenseite. Was für Touristen Spaß und Erholung bedeutet, wird für manche Meerestiere zunehmend zum Problem.
Denn das Mittelmeer ist zugleich Lebensraum eines der seltensten Meeressäuger der Welt: der Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus). Sie lebt hauptsächlich in abgelegenen Küstenregionen, wobei ein großer Teil der weltweiten Population in Griechenland vorkommt. Zu den wichtigsten Lebensräumen zählt unter anderem das Gebiet rund um Gyaros. Der Organisation WWF Hellas zufolge lebt mehr als jedes zehnte Tier weltweit im Bereich der unbewohnten Kykladeninsel. Auch die nördlichen Sporaden bieten wichtige Rückzugsorte.
Im angrenzenden Nationalen Meerespark, der laut eigenen Angaben der größte Meeresschutzpark Europas ist, ist der Zugang stark eingeschränkt. Dies soll Brut- und Ruheplätze schützen. Auch auf der kleinen Insel Formicula vor der Westküste Griechenlands im Ionischen Meer sind Robbenpopulationen anzutreffen. Doch unabhängig vom Ort: Die Tiere sind zunehmend durch menschliche Aktivitäten gefährdet.
Menschen verdrängen Mönchsrobben in Griechenland immer mehr
Die Mönchsrobben ziehen sich deshalb zunehmend in abgelegene Meereshöhlen zurück, um dort auch ihre Jungen zur Welt zu bringen. Die Geburten finden meist zwischen Mai und September statt – genau während der touristischen Hochsaison. In den ersten Lebenstagen können die Jungtiere noch nicht gut schwimmen und sind stark auf ihre Mutter angewiesen. Doch die Höhlen bergen erhebliche Gefahren: Jungtiere können gegen Felsen geschleudert werden, ertrinken oder aufs offene Meer hinausgespült werden, wie die britische Zeitung „The Guardian“ schreibt.
Ein Stören durch den Menschen kann daher fatale Folgen haben. „Etwa eine Woche nach der Geburt gehen Mönchsrobbenmütter fischen und lassen ihre Jungen stundenlang allein“, erklärt Panos Dendrinos, Präsident der griechischen Robbenschutzorganisation MOm, der britischen Zeitung. „Wenn jemand in die Höhle geht, gerät das Junge wahrscheinlich in Panik und verlässt sie; die Mutter wird es dann kaum finden.“
Mönchsrobben auf Roter Liste der bedrohten Arten
Rund um Formicula zeigen sich ebenfalls deutliche Auswirkungen. Der Meeresbiologe Joan Gonzalvo vom Tethys-Forschungsinstitut, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Mailand, die sich der Erforschung und dem Schutz der Meeresumwelt widmet, berichtet, dass der Tourismus Begegnungen mit den Tieren deutlich reduziert habe. „Was anfangs aufregend war, verwandelte sich schnell in einen Albtraum“, sagt er zu „The Guardian“ und fügt hinzu: „Heutzutage haben wir Glück, wenn wir überhaupt noch ein oder zwei Robben sehen.“ Früher hingegen seien Sichtungen von fünf oder sechs spielenden Tieren im Wasser keine Seltenheit gewesen.
Die Monachus monachus gelten allgemein als stark gefährdet; weltweit existieren nur wenige hundert Stück. Ihre Population wird nicht nur durch den Tourismus und die Schifffahrt gestört, sondern auch durch den Verlust von Lebensraum infolge von Küstenbebauung sowie durch unbeabsichtigtes Verfangen in Fischernetzen erheblich beeinträchtigt. Obwohl sich der Bestand in jüngster Zeit leicht erholt hat, mahnen Experten zur Vorsicht und warnen vor zu frühem Optimismus.
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Schutzzone auf Insel Formicula
Die Behörden in Griechenland haben inzwischen reagiert. Ende 2024 führte das Umweltministerium rund um Formicula eine 200-Meter-Schutzzone ein. Boote dürfen dort nicht anlegen, die Fahrgeschwindigkeit ist auf maximal vier Knoten begrenzt und es ist ein Mindestabstand von 30 Metern zu den Tieren vorgeschrieben. Zudem ist das Füttern der Tiere untersagt, und Besucher müssen das Gebiet bis Sonnenuntergang verlassen. Verstöße werden mit Festnahmen geahndet. Darüber hinaus hat sich Griechenland dazu verpflichtet, den Anteil geschützter Meeres- und Küstengebiete bis zum nächsten Jahrzehnt auf 30 Prozent zu erhöhen. Erst im vergangenen Sommer wurden neue Meeresschutzgebiete in der Ägäis und im Ionischen Meer ausgewiesen.
Parallel dazu starteten die Monk Seal Alliance, ein Zusammenschluss verschiedener Stiftungen zum Schutz der Mittelmeer-Mönchsrobbe, und die griechische Naturschutzbehörde NECCA vergangenen Sommer die Initiative „Seal Greece“. Die nationale Informationskampagne, die von der Stiftung von Fürst Albert II. von Monaco unterstützt wird, soll die Öffentlichkeit – und insbesondere Touristen – für den Schutz der bedrohten Robbenart sensibilisieren. Das digitale Tool Seal Greece AR-Experience soll dabei helfen, geschützte Lebensräume einfacher zu erkennen.
Maria Papadopoulou, Präsidentin der Naturschutzbehörde NECCA, betonte in der griechischen Zeitung „To Vima“ allerdings: „Es bestehen weiterhin Herausforderungen: Die Überwachung gestaltet sich aufgrund des abgelegenen Lebensraums der Art schwierig, die Strafverfolgung muss weiter verstärkt werden, und Störungen durch menschliche Aktivitäten stellen nach wie vor ein ernstes Problem dar. Eine langfristige Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und eine kontinuierliche Aufklärung der Öffentlichkeit sind unerlässlich, um diese Schwierigkeiten zu überwinden.“
Was Urlauber selbst zum Tierschutz tun können
Urlauber in Griechenland sollten also den natürlichen Lebensraum und die Schutzgebiete der Robben respektieren. Wer dennoch einer Robbe begegnet, sollte Abstand halten, sich ruhig verhalten und das unter Naturschutz stehende Tier weder anfassen noch füttern. Obwohl Monachus monachus nicht als aggressiv gilt, kann der bis zu drei Meter große Meeresbewohner bei einer empfundenen Bedrohung gefährlich werden. Besonders in Höhlen sollten sich Besucher langsam zurückziehen und darauf achten, den Tieren stets einen Fluchtweg zu lassen.