Umstrittener Titel

Die ältesten Bäume der Welt

Methuselah
Methuselah galt lange als der älteste Baum der Welt
Foto: Getty Images

Der älteste Baum der Welt ist 5000, 9500 oder sogar 80.000 Jahre alt – das kommt ganz auf die Definition an. TRAVELBOOK sprach mit dem Forstwissenschaftler Prof. Dr. Andreas Roloff über den umstrittenen Titel und drei Pflanzengreise.

Geht es um den ältesten Baum der Welt, wird oftmals eine Gemeine Fichte genannt: „Old Tjikko“, die im Nationalpark Fulufjället in Schweden steht. Das auf den ersten Blick unscheinbare Bäumchen soll stolze 9550 Jahre alt sein – das hätten Untersuchungen durch eine Radiokohlenstoffdatierung des Wurzelsystems ergeben. Entdeckt wurde der Baum und sein außergewöhnliches Alter von Leif Kullmann, Professor für Physische Geographie, der den Baum kurzerhand nach seinem Hund, dem Husky Old Tjikko benannte.

Old Tjikko ältester baum der welt

Auf den ersten Blick ist wenig Beeindruckendes an Old Tjikko, doch der Baum, bzw. sein Wurzelsystem, ist fast 10.000 Jahre alt. Foto: Wikipedia/Karl Brodowsky / CC BY 3.0

Der fünf Meter hohe Stamm ist dabei lediglich ein paar hundert Jahre alt – der wirklich beeindruckend alte Teil des Baums befindet sich unter der Erde: sein Wurzelsystem. Denn „Old Tjikko“ ist ein individueller Klonbaum. Der Stamm selbst werde nur um die 600 Jahre alt. Das Wurzelsystem aber überlebe den Stamm und bilde einen neuen, sobald der alte sterbe, zitiert „National Geographic“ Kullmann.

Doch so beeindruckend das auch klingt, Forstwissenschaftler Prof. Dr. Roloff zweifelt dieses Ergebnis an: Vor fast 10.000 Jahren sei es in den schwedischen Gebirgen wegen der Eiszeit noch zu kalt gewesen, erklärt er TRAVELBOOK, weshalb das Wurzelalter unglaubwürdig sei.

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Die Langlebige Kiefer macht ihrem Namen alle Ehre

Bezieht man sich nicht nur auf das Wurzelsystem, sondern auf das ganze Gewächs inklusive Stamm, steht der älteste Baum der Welt mehr als 8.000 Kilometer von „Old Tjikko“ entfernt – und zwar in den White Mountains in Kalifornien. Vor der Messung 2012 galt die Langlebige Kiefer „Methuselah“ als ältester Baum der Welt, sie ist mehr als 4300 Jahre alt.

Eine weitere, erstaunlich alte Langlebige Kiefer wurde 1964 gefällt, bevor ihr Alter bekannt wurde. Zum Zeitpunkt der Fällung war „Prometheus“, so der Name des Baumes, 4862 Jahre alt.

Besonders spannend ist, dass Pflanzen nicht durch eine Sterblichkeit limitiert sind, wie wir es von Menschen und anderen Tieren kennen. Vielmehr ist es in ihrem Erbmaterial festgelegt, wie alt eine Pflanze wird. Und bei Bäumen wie der Langlebigen Kiefer muss dem nicht zwangsläufig ein Ende gesetzt sein, da der Baum sich immer wieder selbst erneuern kann. „Denn ein Baum erneuert jedes Jahr an fast allen seinen Organen einen Teil der Gewebe: Er treibt neue Blätter und Zweige, bildet einen neuen Jahrring im Holz und neue Bastzellen in der Rinde sowie neue Wurzeln, sodass die jüngsten Organ(bereich)e/Gewebe i. d. R. maximal ein Jahr alt sind“, erklärt Prof. Dr. Roloff das Phänomen in seinem Buch „Handbuch Baumdiagnostik“, wobei es sich bei genannten Organen um Blätter, Zweige, dem Stamm und die Wurzeln handelt. Neue Äste und Wurzeln können das Überleben des Baumes sichern, während gewisse Teile absterben.

Langlebige Baumarten müssten eine Vielzahl an Mechanismen entwickelt haben, die sie vor Umwelteinflüssen wie Schädlingen, Krankheiten und Beschädigungen über einen langen Zeitraum schützten, sagt Prof. Dr. Roloff. „Dazu trägt zum Beispiel das Klima des Standorts der Langlebigen Grannenkiefer bei: Es ist kalt und die Vegetationszeit beträgt nur drei Monate – das wiederum hält die Schädlinge in Schach“, so der Forstwissenschaftler zu TRAVELBOOK. Hinzu komme, dass die Langlebige Kiefer durch die harten Winter den Wachstum selbst verlangsame und so auch weniger schnell altern würde.

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Die Selbsterneuerung ist jedoch auch der Grund für das Ableben der alten Geschöpfe: Ist der Weg von der Wurzeln in die Astspitze zu weit, können Nährstoffe und Wasser nicht bis in die letzten Enden des Baumes gelangen. Das „System Baum“ funktioniere als Ganzes nicht mehr, da der Nährstoffaustausch zwischen Wurzel und Krone nicht mehr im ausreichenden Maß stattfinden könne, erklärt Prof. Dr. Roloff.

Das älteste (und schwerste) Lebewesen der Welt

, berichtet das populärwissenschaftliche Magazin P.M. Magazin.

Die Zitterpappel ist dafür bekannt, dass aus ihren ausgebreiteten Wurzeln immer wieder neue Stämme wachsen – zu „Pando“ gehören inzwischen ungefähr 47.000 Stämme, die aber unterirdisch durch ein gemeinsames Wurzelsystem verbunden sind und sich dieselbe DNA teilen. „Die ersten Bäume ‚Pandos‘ sind längst tot, da diese Baumart nur 200 Jahre alt wird. Die heutigen Vertreter sind sozusagen die Ur-ur-ur-ur-ur-Enkel die aber alle von dem selben Baum abstammen“, erklärt Prof. Dr. Roloff.

„Pando“ ist damit das älteste Lebewesen der Welt und bricht nebenbei noch einen ganz anderen Rekord: Mit 6.000 Tonnen ist die Zitterpappel zudem das schwerste Lebewesen der Welt.