Weltrekord-Spot in Portugal

Wie entstehen die Riesenwellen von Nazaré?

Praia do Norte, Nazaré, Portugal
Big Wave am Praia do Norte in Nazaré, Portugal
Foto: Getty Images

35 Meter soll die Monsterwelle hochgewesen sein, die Hugo Vau kürzlich gesurft ist. Der Ort: Nazaré in Portugal. Stimmt das, hat der portugiesische Surfer einen Weltrekord aufgestellt. Die tatsächliche Höhe der „Big Mama“ wird aktuell von der World Surf League ermittelt. Doch wie entstehen diese Riesenwellen eigentlich?

Sehen Sie hier die Monsterwelle in Nazaré am 17. Januar 2018:

Nazaré ist spätestens seit 2011 als Wellenwunderstadt bei Profi-Surfern bekannt und beliebt. Garrett McNamara stellte hier den bislang letzten offiziellen Rekord in Sachen höchste gesurfte Welle weltweit auf. Zwei Jahre später soll sich der Amerikaner noch einmal selbst übertroffen haben: Rund 30 Meter hoch soll die Welle gewesen sein, die er 2013 in der 100 Kilometer nördlich von Lissabon gelegenen Stadt gesurft sein soll. Die Bestätigung vom Guiness Buch der Rekorde steht aber noch aus.

Riesenwellen, wie sie die Pro-Surfer Vau und McNamara bezwungen haben, sind in Nazaré keine Seltenheit. Der Winter ist die Saison der hochaushohen Monsterwellen in der portugiesischen Stadt. Dann pilgern Surfer und Schaulustige in Scharen in den kleinen Ort, in dem man die Wassergiganten und ihre, im Vergleich miniaturgroß erscheinenden, Bezwinger aus nächster Nähe beobachten und erleben kann.

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Wie entstehen die Riesenwellen?

Sebastien Steutner Nazare

Der deutsche Surfer Sebastien Steutner auf einer Big Wave am Praia do Norte in Nazare, Portugal im December 2016
Foto: Getty Images

Was die Wellenliebhaber nicht sehen, ist, was vorher passiert. Die Faktoren, die zusammenspielen, um die Riesenwellen aufzubauen. Das Hydrographische Institut (HI) in Lissabon erklärt, dass es sich beim Phänomen der portugiesischen Monsterwellen um ein Zusammenspiel mehrerer Mechanismen handelt. Ein paar hundert Meter vor der Küste der Stadt Nazaré liegt die Tiefseeschlucht Nazaré Canyon. Diese ist laut HI etwa 170 Kilometer lang und rund 5.000 Meter tief. Und genau diese Tiefe des Canyons ist ein entscheidender Faktor bei der Entstehung der Riesenwellen, da er den Wellengang erhöht.

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Das Wasser am Festlandsockel ist im Vergleich sehr viel flacher. Durch den Tiefen-Unterschied zwischen Canyon und Kontinentalschelf werden Geschwindigkeit und Richtung des Seegangs verändert. Verschiedene Zonen entstehen, in denen die Welle konvergiert, wie das HI schreibt. Durch das Zusammenlaufen der Welle werde ihre Kraft stärker. „Dieser Prozess scheint besonders während der vorherrschenden Nordwest- und Westschwellperioden in dem Gebiet vor dem Praia do Norte zu wirken“, erklärt das Institut. Da die Welle in Küstennähe erzeugt wird, wirkt zusätzlich die Strömung aus dem lokalen Wasserkanal als „zusätzlicher Mechanismus“ auf die Welle ein. Kommen dann noch eine perfekte Windgeschwindigkeit und -richtung hinzu, entstehen die 20 bis 30 Meter hohen Wasserwände, die Pro-Surfer reizen und Zuschauer mit offenen Mündern staunen lassen.

Big Wave am Praia do Norte in Nazare

Surfer auf einer Big Wave am Praia do Norte in Nazare, Portugal im Dezember 2014
Foto: Getty Images

Der Nazaré Canyon wurde übrigens bereits vor Jahrtausenden entdeckt. Laut des Hydrographischen Instituts galt er in der Antike als „unergründlicher Abgrund“. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen sich Forscher der Tiefseeschlucht an und führten eine Reihe hydrographischer Messungen durch. Deshalb wissen wir heute nicht nur von der enormen Länge und Tiefe des Canyons, sondern können auch nachvollziehen, wie diese Riesenwellen entstehen, die Big-Wave-Profis heute immer wieder zu Weltrekordhaltern machen.