11. August 2026, 11:35 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
In der Nähe des legendären Plattensees Balaton liegt in Ungarn ein Naturwunder, das Menschen schon seit mehr als 2000 Jahren kennen und schätzen: der Hévíz-See. Bei dem Gewässer handelt es sich um den größten natürlichen und biologisch aktiven Thermalsee weltweit, wegen dessen mineralhaltigen Wassern Heilungssuchende rund um den Globus zu einem Bad anreisen. Doch lange war es ein Rätsel, wie das auch im Winter warme Wasser überhaupt entsteht, und so ranken sich zahlreiche Legenden um den Hévíz-See. Dabei ist das Schwimmen hier nicht für jeden zu empfehlen.
Als ich kürzlich mit meiner Freundin und einem befreundeten Pärchen am Plattensee in Ungarn Urlaub machte, stieß ich auf etwas, das wir Journalisten besonders lieben. Die Geschichte von einem ungewöhnlichen Ort, knapp beschrieben in einem Online-Reiseführer. Nämlich einem Gewässer mit heißem, heilkräftigen Thermalwasser. Der klangvolle Name, Hévíz-See, reizte weiter mein Interesse, zumal dieser von unserem Campingplatz nur etwa eine Stunde entfernt war. Da gab es nur ein Problem: Bei unserem Aufenthalt herrschte eine Außentemperatur von knapp 40 Grad, und so hatte niemand, nicht mal ich selbst, Lust, in Wasser zu baden, das mit bis zu 36 Grad fast genauso heiß gewesen wäre. Meine Faszination aber für den Wundersee war nachhaltig geweckt.
Und dessen Geschichte ist dann auch tatsächlich mehr als erstaunlich, beginnt mit der Entstehung des Hévíz-See vor etwa 22.000 Jahren durch vulkanische Aktivität. Diese prägte auch die einzigartige Landschaft, die wir heute am Balaton vorfinden; überall ragen die archaischen Schlote erloschener Vulkane aus den Hügeln und Weinbergen, die sein Bild mitbestimmen. Laut der offiziellen Tourismus-Webseite des Ortes Hévíz, nach dem das Gewässer benannt ist, nutzten ihn schon vor mehr als 2000 Jahren die Römer und auch Stämme aus der Zeit der Völkerwanderung für heilsame Bäder. Dennoch wusste lange Zeit niemand, wie die besondere Temperatur des Thermalwassers überhaupt zustande kam. Bis Taucher schließlich eine erstaunliche Entdeckung machten.
Das Rätsel der zwei Quellen
Doch zunächst einmal zu den Fakten rund um den Hévíz-See. Mit einer Fläche von mehr als 46.000 Quadratmetern ist er, wie bereits erwähnt, der größte Thermalsee auf der ganzen Welt. Sein Wasser entstammt einer Quelle aus mehr als 38 Metern Tiefe, von wo es mit einer Fließgeschwindigkeit von 410 Litern pro Sekunde heraussprudelt. Täglich kommen so bis zu 80 Millionen Liter an die Oberfläche, was für einen erstaunlichen Effekt sorgt. Das Wasser des Sees tauscht sich nämlich einmal alle 72 Stunden komplett aus. Im Winter hat es etwa 24 Grad, im Sommer bis zu 36 Grad. Beliebt ist der See bei Kurgästen aus aller Welt aber auch wegen seines mineralhaltigen Heilschlamms.
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Dieser enthält Elemente wie Calcium, Magnesium, Schwefel, Eisen und Natrium. Das Heilwasser des Hévíz-See wiederum entspringt aus einer Quelle, die sich in einer unterirdischen Höhle im Gewässer befindet. Doch wie es seine besondere Temperatur erhält, war jahrzehntelang ein Rätsel. Bis Taucher entdeckten, dass der See sogar zwei Quellen mit unterschiedlichen Temperaturen hat. Eine davon produziert 26,3 Grad warmes Wasser, die andere solches mit einer Wärme von 41 Grad. Mischen sich diese beiden Ströme, entsteht das angenehme Badeklima.
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Legenden um den See
Archäologische Funde in Form von Münzen im Wasser belegen, dass bereits die Römer im Hévíz-See badeten. Die Besiedlung der Gegend um das Gewässer als solches geht aber vermutlich sogar zurück bis vor 6000 Jahren. Dennoch gerieten der See und sein Heilwasser im Mittelalter in Vergessenheit, verschlammten zusehends. Es war der ungarische Graf György Festetics, der 1795 seine Renaissance einläutete. Er ließ den Schlamm beseitigen und baute das erste Badehaus. Um dieses herum entstand schließlich der Ort Hévíz, der heute der größte und beliebteste Kurort in ganz Ungarn ist. Nach der Hauptstadt Budapest verzeichnet er die meisten Übernachtungen im Land.
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Es verwundert nicht, dass sich um einen See mit solch heilkräftigen Wassern auch zahlreiche Legenden ranken. Eine erzählt von einer verzweifelten Mutter, die die Heilige Jungfrau anflehte, ihr gelähmtes Kind zu kurieren. Schon bald darauf schoss aus dem Boden eine Quelle, und nach einem Bad in dieser wurde der Junge wieder völlig gesund. Der Legende nach soll es sich bei ihm um den späteren oströmischen Kaiser Flavius Theodosius gehandelt haben, der im Jahr 391 das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Auch alle anderen schönen Märchen um den Hévíz-See berichten von wundersamen Heilungen. In einem weiteren sorgte der Teufel für die Entstehung des Gewässers, als er an seiner heutigen Stelle einen Pflug zu Boden schleuderte.
Baden nicht für jeden ratsam
Legenden hin oder her, die Heilkraft des Wassers im Hévíz-See ist tatsächlich belegt. Vor allem bei rheumatischen Erkrankungen der Bewegungsorgane, des Nervensystems und bei Stoffwechselstörungen soll es mitunter wahre Wunder bewirken. Doch nicht für alle Menschen empfiehlt sich ein Bad hier. So sollten aufgrund seines hohen Schwefel- und Radon-Gehaltes zum Beispiel Schwangere davon absehen, bzw. vorab einen Arzt konsultieren. Das gleiche gilt laut dem Online-Guide „Marco Polo“ auch für Patienten mit Herzkrankheiten, bösartigen Geschwülsten, akuten Entzündungen, Asthma sowie Leber- und Gallenbeschwerden.
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Wer nun einmal selbst den Hévíz-See besuchen und in seinem Thermalwasser baden möchte, hat dazu das ganze Jahr über Gelegenheit. Die Öffnungszeiten des Bades variieren nach Saison und sind der offiziellen Website zu entnehmen. Eine 3-Stunden-Karte für Erwachsene kostet aktuell 4500 Forint, das sind umgerechnet knapp 12,50 Euro. Die Tageskarte bekommt man für 7500 Forint, also gut 20 Euro. Für Kinder, Jugendliche und Senioren gibt es Ermäßigungen. Und auch, wenn ich selbst es diesen Sommer nicht schaffte, hier zu baden, ist ein Besuch fest eingeplant. Im Oktober 2026 bin ich wieder in Ungarn, und dann möchte ich live und vor Ort dem Geheimnis des Hévíz-Sees ein wenig näherkommen.