3. August 2026, 6:18 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Inseln wie Sylt und Rügen ziehen Jahr für Jahr zahlreiche Urlauber an. Doch fernab der bekannten Reiseziele erstreckt sich entlang der Nord- und Ostseeküste eine weitgehend unbekannte Inselwelt. Dort prägen Vogelparadiese, Halligen, Flussinseln und streng geschützte Naturräume die Landschaft. Manche dieser Orte sind leicht erreichbar, andere bleiben Menschen vollständig verwehrt. Eine Insel dient sogar als Standort für Hochsicherheitsforschung an gefährlichen Tierseuchen.
12 unbekannte Inseln in Deutschland
Greifswalder Oie
Zwischen Rügen und Usedom liegt die Greifswalder Oie. Wahrzeichen der Insel ist ihr markanter Leuchtturm, der die flache Landschaft deutlich überragt (siehe großes Foto oben).
Die Insel wird sowohl von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger als auch von einem Vogelschutzverein genutzt, der dort eine Vogelwarte betreibt. Besucher können die Greifswalder Oie per Boot von Greifswald aus erreichen. Trotz ihrer besonderen Lage bleibt sie selbst in der Hauptsaison ein vergleichsweise ruhiges Ausflugsziel.
Hamburger Hallig
Trotz ihres Namens hat die Hamburger Hallig wenig mit urbanem Leben gemeinsam. Besucher erwartet eine weite Marschlandschaft mit freiem Blick über das Watt. Typisch sind die Warften, künstlich aufgeschüttete Hügel, auf denen Gebäude vor Hochwasser geschützt stehen.
Die kleine bewohnte Hallig kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden: über einen Damm mit dem Auto, per Boot oder zu Fuß durch das Watt.
Scharhörn
Obwohl Scharhörn mehr als 100 Kilometer vom Hamburger Stadtzentrum entfernt liegt, gehört die Düneninsel verwaltungstechnisch zur Hansestadt. Jahr für Jahr machen hier Zehntausende Zugvögel Halt.
Das Betreten der Insel ist nicht erlaubt. Ausschließlich Mitarbeitende der Vogelwarte dürfen sich zu wissenschaftlichen Zwecken auf Scharhörn aufhalten.
Nigehörn
Nigehörn entstand erst in den 1980er-Jahren durch künstliche Sandaufschüttungen. Ziel war es, der Küstenerosion entgegenzuwirken.
Inzwischen hat sich die Natur die Insel zurückerobert. Das streng geschützte Gebiet bietet Brandseeschwalben Brutplätze und beherbergt typische Pflanzenarten der Küste wie die Strandmelde. Nigehörn gilt als Beispiel dafür, wie aus einem technischen Eingriff ein wertvoller Naturraum entstehen kann.
Neuwerk
Auf Neuwerk leben lediglich rund 40 Menschen. Wahrzeichen der Insel ist ein Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert, der zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Hamburgs zählt.
Erreichbar ist Neuwerk von Cuxhaven aus zu Fuß bei Ebbe oder mit dem Pferdewagen. Gemeinsam mit Scharhörn und Nigehörn bildet die Insel einen Teil des Hamburger Wattenmeer-Schutzgebiets.
Vogelsand
Vogelsand unterscheidet sich von klassischen Inseln. Die Sandbank in der Außenelbe taucht abhängig von der Tide auf und verschwindet anschließend wieder unter Wasser.
Wer mit dem Schiff vorbeifährt, kann häufig Robben beobachten, die sich auf den freiliegenden Flächen ausruhen. Administrativ gehört Vogelsand zu Hamburg.
Krautsand
Westlich von Hamburg im Landkreis Stade liegt die Elbinsel Krautsand. Rund 500 Menschen leben hier in einer von Deichen geprägten Landschaft.
Besonders bekannt ist die Insel für ihre Obstplantagen. Während im Frühjahr die Blütezeit Besucher anzieht, prägen im Herbst die Apfel- und Birnenernte das Bild.
Lühesand
Zwischen Hamburg und Stade befindet sich Lühesand mitten im Strom der Unterelbe. Selbst viele Menschen aus Norddeutschland kennen die Flussinsel kaum.
Wo früher Obst angebaut wurde, wachsen heute vor allem Pappeln und Weiden. Graureiher sind regelmäßig im Schilf zu beobachten. Die Insel ist per Fähre und Fahrrad erreichbar und gilt als Ziel für Erholungssuchende, die Abgeschiedenheit schätzen.
Mellum
Weit vor der niedersächsischen Küste liegt Mellum in der Außenweser. Die Insel entstand erst um das Jahr 1900 durch natürliche Sandablagerungen.
Versuche, Mellum landwirtschaftlich zu nutzen, scheiterten an den Kräften von Wind und Meer. Heute gehört die Insel als unbewohnter Teil zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Große Kolonien von Lachmöwen, Brandseeschwalben und Austernfischern finden hier ideale Bedingungen.
Harriersand
In der Weser gegenüber der Stadt Brake liegt Harriersand, die ebenfalls zu den eher unbekannten Inseln in Deutschland zählt. Mit einer Länge von rund elf Kilometern ist sie die größte Flussinsel Deutschlands.
Sandstrände, Rad- und Reitwege machen die Insel zu einem attraktiven Ausflugsziel. Erreicht werden kann Harriersand über eine Brücke bei Rade auf der östlichen Weserseite oder mit der Fähre „MS Guntsiet“. Für längere Aufenthalte stehen Campingmöglichkeiten, Ferienwohnungen und Bauernhofunterkünfte zur Verfügung.
Ruden
Die Insel Ruden befindet sich im Greifswalder Bodden vor Usedom. Früher wurde sie als Lotseninsel und später als Zollstation der DDR genutzt.
Nach der deutschen Wiedervereinigung verfiel die Infrastruktur, während sich die Natur zunehmend ausbreitete. Heute leben dort zahlreiche Vogelarten, darunter Kraniche, Kormorane und Seeadler.
Ostervilm
Ostervilm zählt zu den unscheinbarsten Inseln im Greifswalder Bodden und fehlt häufig sogar auf regionalen Karten.
Früher befanden sich dort militärische Einrichtungen, unter anderem zur Entmagnetisierung von Schiffen. Heute nutzen vor allem Kormorane und Graureiher die Insel als Brutgebiet. Das Betreten ist untersagt. Das Nutzungsrecht für Ostervilm wurde in diesem Jahr versteigert; wie die Insel künftig genutzt werden soll, steht bislang nicht fest.
Mit Material von dpa