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Naturparadies zwischen Berlin und Hamburg

Warum die Feldberger Seenlandschaft ideal für eine Paddel-Wanderung ist

Feldberger Seenlandschaft
Eine Kajak-Tour auf der Feldberger Seenlandschaft ist etwas ganz Besonderes. So wie hier auf dem Schmalen Luzin, dem wohl schönsten Gewässer des Naturparadieses Foto: picture alliance/dpa
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

15. September 2025, 6:23 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten

An der Grenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern liegt mit der Feldberger Seenlandschaft ein einzigartiges und urtümliches Naturparadies. Besonders bei einer Fahrt mit einem Boot lassen sich diese magisch schöne Landschaft und ihre tiefen Wälder und Gewässer gut erkunden. Dabei gibt es so viel zu sehen, dass man, wie unser Autor, auch eine mehrtägige Paddel-Wanderung mit dem Kajak unternehmen kann. Von kristallblauen Seen, einsamen Dörfern und einem Blick direkt in das Herz des Universums.

Für einen winzigen Augenblick bewirkt die Spiegelung der Wolken auf dem Schmalen Luzin, einem der magisch schönen Gewässer der Feldberger Seenlandschaft, eine einzigartige optische, oder eher noch seelische Täuschung. Während mein Kajak so auf dem ansonsten völlig ruhigen Wasser dahingleitet, absolut lautlos, kommt es mir ob der Klarheit des Türkisblaus unter mir so vor, als würde ich mit meinem Gefährt direkt über den Himmel selbst paddeln. Und wie im Himmel fühle ich mich auch, denn der mehrtägige Ausflug mit zwei guten alten Freunden hat denkbar spektakulär begonnen. Wanderungen zu Fuß hatte ich in dem einzigartigen Gebiet zwischen Berlin und Hamburg bereits öfter unternommen, aber noch niemals eine Paddel-Wanderung. Und die bietet wirklich alles, was mein Herz so richtig hochschlagen lässt.

Tiefe Wälder, Seen wie aus einem Märchenbuch, verträumte Dörfer und zwischendurch weltumspannende Einsamkeit in einer archaischen Natur, die die letzte Eiszeit geformt hat. Das ist die Feldberger Seenlandschaft. Mit dem Auto noch nicht einmal zwei Stunden von meiner Heimat Berlin entfernt, aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos zu erreichen. Und doch eine ganz andere Welt, in der man viel Ruhe und am Ende einer Reise dorthin vielleicht auch sich selbst findet. Dazu trägt auch die Bewegung auf dem Wasser bei, eine geradezu schwerelose Art des Fortkommens. Bei der man ganz nach eigenem Tempo, Paddelschlag für Paddelschlag, eine einzigartige Kette aus Gewässern entdecken kann.

Der Takt der Anderen

Feldberger Seenlandschaft
Die Stadt Feldberg ist so etwas wie die Hauptstadt der Feldberger Seenlandschaft Foto: picture alliance / Peter Schickert

Unsere Reise beginnt in Feldberg, so etwas wie die „Hauptstadt“ der Feldberger Seenlandschaft. Hier hat man zahlreiche Möglichkeiten, sich von verschiedenen Anbietern Wassersport-Fahrzeuge aller Art auszuleihen. Unsere Wahl fällt auf Wander-Kajaks, da wir zwei Tage unterwegs sein und unterwegs zelten möchten. Beim Anblick des Gepäcks, dass meine beiden Kollegen mit sich schleppen, muss ich bei der Ankunft etwas schmunzeln. Fast könnte man meinen, wir gingen auf eine wochenlange Expeditions-Fahrt auf dem Amazonas. Dennoch bekommen wir alles problemlos in die Ladeluken unserer Kajaks verstaut, die am Ende noch mit einer wasserdichten Schutzhülle abgedeckt werden. Und schon sind wir unterwegs in diese andere Welt, die uns nun zwei Tage lang in ihren Bann schlagen soll.

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Die ersten Paddelschläge, die Häuser von Feldberg und der schöne Kirchturm werden langsam kleiner, während wir auf dem sogenannten Haussee unsere Abenteuerfahrt beginnen. Die Handy-Kameras klicken schon jetzt ununterbrochen, ein krasserer Kontrast zu unserem Alltag in der Großstadt ist kaum denkbar. Über uns die spitzen Schreie der Fischadler, dieser Könige der Feldberger Seenlandschaft. Majestätisch gleiten sie am azurblauen Himmel. Und wir versuchen, es ihnen unten auf der Erde nachzutun. Wobei, mit Gleiten hat der Start unserer Tour eher wenig zu tun, auf mich wirkt es fast wie eine Paddel-Regatta. Besonders ein Freund legt ein abenteuerliches Tempo vor, als wolle er in Rekordzeit am Tagesziel sein. So ist das wohl mitunter in einer Freundschaft, bei der man sich bei Weitem nicht mehr so häufig sieht, wie man vielleicht gerne würde. Man muss erst einmal wieder Maß aneinander nehmen, sich an den Takt der Anderen gewöhnen.

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Wie eine Fata Morgana

Schon sind wir im Breiten Luzin, einem von insgesamt fünf Seen, die wir heute befahren möchten. Hier verläuft eine Wasserski-Strecke, die Feldberger Seenlandschaft ist für den Sport und seine einheimischen Vertreter auch international bekannt. Wir müssen in der Folge einem stark motorisierten Local weichen, der durch das Wasser pflügt, als säße er in einem Formel-1-Boliden. Schon bald aber wird es wieder ruhiger, denn wir erreichen, mit bereits jetzt leicht schmerzenden Armen, das wohl magischste Gewässer des einmaligen Naturparadieses. Den Schmalen Luzin, einen langen, völlig mit dichtem Mischwald umwachsenen See, dessen überirdisches Blau uns immer wieder staunen lässt. Bis zu 40 Meter tief, ist sein Wasser so klar, dass man vielerorts bis auf den Grund schauen kann.

Da offenbart sich eine magische Welt aus versunkenen Baumriesen und Fisch-Schwärmen, da spiegelt sich wie eingangs erwähnt der Himmel wie eine Fata Morgana. „Ist das schön hier“, sagt immer mal wieder einer von uns, mehr muss auch nicht gesprochen werden. Wir spüren über die Boote hinweg drei Herzen, die voller Verzückung im Einklang schlagen. In der Folge drosselt sich auch das Tempo unserer Kajaks erheblich. Ankommen? Strecke machen? Wer würde, ob solcher Schönheit, noch an derart banale Dinge denken. Der Drang zur Selbstoptimierung macht uns schon im Alltag genug zu schaffen, das hier ist Selbstheilung auf allerhöchstem Niveau. Zumal die Sonne trotz einer eigentlich angesagten Regenprognose scheint, als hätte sie gerade erst jemand angeknipst.

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Der erste Berliner Hipster

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Der Schmale Luzin begeistert Paddler mit seinem überirdisch blauen Wasser Foto: picture alliance / blickwinkel/A. Held

Dann ein altbekannter, geliebter Stopp an einer Badestelle, eigenwillig als Ziegenwiese bezeichnet. Einer der vielleicht schönsten Orte der Feldberger Seenlandschaft, denn hier strahlt der Schmale Luzin besonders blau. Die Färbung entsteht übrigens durch von der Sonne reflektierte Kalkpartikel im Wasser. Ende August ist das Wasser bereits herbstlich kühl, auch ein paar Bäume sind schon gelb gefärbt. Mitunter wehen ganze Böen von Buchenblättern ins Wasser, eine fast melancholische Ahnung vom Ende eines weiteren viel zu kurzen Sommers bedrückt für einen Augenblick die Seele. Rilke sah es schon: „Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los.“

Irgendwann treiben uns diese Winde an die Gestade des kleinen Ortes Carwitz. Heimat eines anderen deutschen Poeten, des schwer alkohol- und kokainabhängigen Hans Fallada. So etwas wie der erste Berliner Hipster, flüchtete er, wenn ihm alles zu viel wurde, in die Feldberger Seenlandschaft. Hier, mit Blick auf seinen Schmalen Luzin, liegt er auch begraben. Uns steht jetzt eine ganz besondere Passage bevor, denn über einen schmalen Kanal, Bäk genannt, wollen wir in den Carwitzer See übersetzen. Zunächst einmal gleiten wir durch eine archaische Mangroven-Landschaft, die Wurzeln der zahllosen Erlen strecken sich ins Wasser, als wären sie durstig. Dann jedoch erwartet uns ein überraschendes Hindernis, denn am eigentlich sehr kurzen Übergang von einem Gewässer zum anderen ist der Bäk in Carwitz selbst völlig ausgetrocknet.

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Wo der ganze Ort tanzt

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Carwitz am Carwitzer See ist der vielleicht schönste Ort in der Feldberger Seenlandschaft Foto: picture alliance / blickwinkel/H. Blossey

Das bedeutet, drei voll beladene Kajaks etwa 200 Meter zum Einstieg des Carwitzer Sees zu wuchten. Fluchen, Stöhnen, vielleicht sogar kurze Gedanken an Umkehr. Doch zu verlockend ist schließlich die Aussicht, die Nacht auf dem nahen Campingplatz zu verbringen, den wir über das Wasser ansteuern möchten. Und wenige Zeit später landen wir dann auch schon dort an. Erst einmal einen Platz sichern, Zelte aufbauen, die chronische Angst der Hauptstädter vor Raummangel. Am Empfang ist man jedoch ganz entspannt und weist uns eine Fläche direkt am Badestrand zu, 15 Euro pro Person mit Zelt, für mich als Biwakierer sogar nur 8,50 Euro. Ich möchte heute, nur auf meiner Isomatte im Schlafsack liegend, einen hoffentlich spektakulären Sternhimmel bewundern. So viel sei jetzt schon verraten: Das kosmische Ballett der Feldberger Seenlandschaft übertraf am Ende all meine Erwartungen um Lichtjahre.

Da es erst früher Nachmittag ist, fahren wir noch einmal hinaus zu den einsamen Buchten des Carwitzer Sees. Während meine Freunde sich etwas kochen, schwimme ich eine lange Runde. Absolute Stille und Einsamkeit. Wir könnten genauso gut gestrandete Urmenschen sein. Nach der Umrundung einer großen Insel treibt uns das goldene Abendlicht dann zurück zum Campingplatz, wo ich uns ein paar Würstchen grille. Drei Männer und Nahrung, über dem Feuer zubereitet. Gibt es ein klischeehafteres und schöneres Bild für einen gelungenen Ausflug mit alten Freunden? Auf ein paar Bierchen zieht es uns noch in die „Alte Scheune“. Dort tanzt der ganze Ort zu guter Live-Musik. Dann klingt der Abend am Lagerfeuer aus, beginnt sprichwörtlich meine einsame Sternstunde in der Feldberger Seenlandschaft.

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Der Moment des Urknalls

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Bereits kurz nach Einbruch der Dunkelheit leuchten die Sterne so, als wäre es die Nacht nach dem ersten Tag der Schöpfung. Immer wieder rasen Sternschnuppen über den Himmel, der eine allumfassende, beruhigende Dunkelheit ausstrahlt. Und das trotz der Tatsache, dass auch noch ein stolzer gelber Halbmond am Himmel steht. Wie muss dieses Spektakel erst bei Neumond sein? An Schlaf ist ohnehin nicht zu denken, weil aus allen Zelten um mich herum sägewerkartiges Schnarchen ertönt. Also starre ich einfach weiter in dieses Naturschauspiel, als würde ich direkt zum Moment des Urknalls zurück blicken können. Selbst als mir immer wieder die Augen von selbst zufallen, versuche ich, ob dieses einmaligen Erlebnisses, wach zu bleiben – „Nein Mama, ich bin noch gar nicht müde.“ Ich, ein Kind des Kosmos, und eine unvergessliche Nacht.

Dichter Nebel wabert noch über dem Carwitzer See, als die ersten Nacktbadenden mich um sieben Uhr morgens nach einem typischen Campingplatz-Schlaf wecken. Also erst einmal ein Bad. Und schon bald sind auch meine Freunde, deutlich verschlafener als ich, auf den Beinen. Ein Tee, Porridge auf dem Campingkocher zubereitet. Dazu ein paar Brötchen und Kakao aus dem Laden bei der „Alten Scheune“. Dessen Preise muss man jedoch nüchtern betrachtet als moderne Wegelagerei bezeichnen. Ich habe in der Feldberger Seenlandschaft aber auch schon Backwaren an der Tankstelle kaufen müssen, also will ich mich an dieser Stelle gar nicht weiter beschweren. Stattdessen packen wir und paddeln schweren Herzens wieder los. Dem Alltag entgegen, in dem meine Freunde in Vollzeit berufstätig und zudem Familienväter sind.

Eilig hat es jetzt aber dennoch niemand, wiederum gleiten wir gemächlich über die magischen Gewässer der Feldberger Seenlandschaft. Die Sonne lacht noch fröhlicher als am Tag zuvor, ach, möge dieser Kurz-Urlaub doch niemals enden. Noch einmal durch den Schmalen Luzin, noch einmal baden an der Ziegenwiese, dann aber doch eine Abkürzung über den Seerosen-Kanal. Schon sind wir wieder zurück in Feldberg. Das Wetter ist derart kaiserlich, dass ich mich entscheide, noch ein paar Stunden alleine hierzubleiben. Mit dem Bus geht es nach einer sorglosen Badezeit dann schließlich über Nester wie Koldenhof, Dolgen und Carpin nach Neustrelitz, und von dort mit der völlig überfüllten Regionalbahn wieder nach Berlin. Mit im Gepäck reist der Wunsch, den wir alle hatten. Bald einmal wiederzukommen für eine weitere Paddel-Wanderung, diesmal aber mit etwas mehr Zeit.

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