Natürliche Übergänge

Wie die lebenden Brücken Indiens entstehen

Khasi Indien lebende Brücken
Die Khasi kreierten die verflochtenen Brücken
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Um vermeintlich unpassierbare Wege zu überwinden, hat das indische Volk Khasi sich eine ebenso ästhetische wie auch zeitaufwendige Lösung einfallen lassen: Aus Wurzeln lassen sie Brücken wachsen. Herauskommt ein lebendiges Bauwerk, das sich in die Umgebung einfügt, wie kaum eine von Menschenhand geschaffene Architektur es jemals könnte.

Wenn Reisende in die Tiefen des indischen Bundesstaates Meghalaya hervordringen, lassen sie sich die einmaligen Bauten nur selten entgehen: In den Tiefen der Wälder sind immer wieder kleine Brücken zu finden, die Einheimische und Reisende über Flüsse und Abgründe tragen.

Indien lebende Brücken

Aus den Wurzeln des Banyanbaums, einem Gummibaum, formt sich die Brücke
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Aus den Wurzeln des Gummibaumes geformt bilden die Pflanzen Übergänge über sonst schwer überwindbare Tiefen. Dabei sind die Brücken keine Produkte der Natur: Durch ein von Menschen gebautes Bambusgerüst geformt, wachsen die Wurzeln des Gummibaums über Jahrzehnte, bis sie tatsächlich begehbar sind. 15 – teilweise auch bis zu 30 – Jahre brauchen die in Position gebrachten Bäume, bis sie als funktionierende Übergänge fungieren können, so schreibt „National Geographics“.

Je älter, desto stabiler

Entgegen vieler unorganischer oder toter Materialien werden die lebendigen Brücken nicht spröde. Ganz im Gegenteil kommt ihnen das Altern eher zugute. Die Wurzeln werden dicker und fester – und die Brücken somit stabiler. Die beeindruckenden Geflechte sind dabei äußerst beständig und können bis zu 35 Menschen problemlos tragen. Dabei werden die Brücken zwischen vier und 75 Meter lang. Wetterresistent sind die Übergänge auch: Starke Regenfälle und andere Umwelteinflüsse verkraften die Brücken meist unversehrt.

lebende Brücken Indien

Die Brücken machen im Urwald fast einen verwunschenen Eindruck. „Jing kieng jri“ nennt man die Bauwerke hier.
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Indisches Volk Khasi schufen lebende Brücken

Die Khasi, besagtes indisches Volk, das die lebenden Brücken schuf, leben in einer Gegend, die zu einem der feuchtesten Gebiete der Welt zählt. Das Dorf Mawlynnong, inzwischen auch über normale Straße erreichbar, ist aber nicht nur wegen der Brücken bei Touristen beliebt. Auch sein Ruf als sauberstes Dorf Indiens zieht Besucher immer wieder in diese Gegend. Täglich wird hier gekehrt und der Müll landet nicht auf dem Boden, sondern in kleinen Bambuseimern, die im ganzen Dorf aufgestellt sind.

 

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