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Grenzöffnung mit unklaren Bedingungen

Bali möchte Backpackern die Einreise verbieten

Vor der Corona-Pandemie kamen im Jahr 2019 sechs Millionen Urlauber nach Bali. Nachdem die beliebte Urlaubsinsel im Frühjahr vergangenen Jahres für ausländische Touristen geschlossen wurde, bleiben die ehemals gut gefüllten Inselstrände weiterhin leer.Foto: dpa picture alliance

Die beliebte Urlaubsinsel Bali wollte Touristen aus dem Ausland bereits mehrmals wieder empfangen, kurzfristig wurde der Öffnungstermin aber immer wieder verschoben. Nun sollen Backpacker vielleicht gar nicht mehr einreisen dürfen.

Bali ist bei Surfern, Badegästen und Yogis aus aller Welt bekannt. Seit Jahrzehnten ist die „Insel der Götter“ mit ihren zahlreichen Stränden und Sehenswürdigkeiten ein Magnet auch für Urlauber aus Deutschland. Mit der Corona-Pandemie und der Schließung der Insel für ausländische Touristen im Mai 2020 ist es jedoch still auf Bali geworden – und die Insel krankt seither an den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Daher wollte sich Bali noch im Sommer 2021 wieder für den Tourismus öffnen. Doch aufgrund steigender Corona-Neuinfektionen hatte Indonesiens Regierung den ursprünglich geplanten Öffnungstermin verschoben. „Wir werden warten, bis die Situation günstiger ist“, sagte Indonesiens Ministerin für Tourismus und Kulturwirtschaft, Sandiaga Uno, in einem Reuters-Interview Ende Juli.

Fokus auf Qualitätstourismus und Luxusreisen

Eben jene günstige Situation scheint langsam einzutreten. So soll die Zentralregierung der Insel die Pläne für eine mögliche Grenzöffnung trotz Corona gefestigt haben, wie die Bali Sun berichtete. Ein neuer Öffnungstermin könnte im November liegen, wenn 70 Prozent der berechtigten Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten haben, wie der Gesundheitsminister vorschlägt. Die Fallzahlen auf der Insel sind bereits rückläufig, man will das Virus mithilfe eines Lockdowns aber noch weiter unter Kontrolle bekommen. Die Einreise wird nur aus Nicht-Risikogebieten möglich sein und scheinbar auch von der Art des Reisens abhängen.

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Denn nicht alle Fans der indonesischen Insel sind willkommen: Backpackern soll die Einreise zukünftig verwehrt bleiben. Wir werden Rucksacktouristen nicht erlauben, einzureisen, sobald der Wiedereröffnungsplan für internationale Reisende in naher Zukunft offiziell eingeführt wird, so der indonesische Minister für die Koordination maritimer Angelegenheiten und Investitionen, Luhut Binsar Pandjaitan, der außerdem Mitglied des Corona-Stabs von Indonesien ist. Der Fokus solle zukünftig auf Qualitätstourismus und Luxusreisen liegen.

Später ruderte Luhuts Sprecher zudem zurück und sprach von einem Missverständnis. Der Minister habe von Besuchern gesprochen, die gegen Gesundheitsvorschriften und -vorschriften, Gesetze und Einwanderungsbestimmungen in Indonesien verstoßen, berichtet Lonely Planet. Alle ausländischen Besucher sollen Bali besuchen können, sofern sie sich an die Protokolle halten, versicherte der Regierungssprecher. Fakt ist: Derzeit ist unklar, welche Regelung in Kraft treten soll und wie man jene überhaupt umsetzen wollen würde.

Strikte Einreisebestimmungen für Bali

Einfach wird die Einreise so oder so für internationale Touristen nicht. Denn selbst wenn man bereits eine Genehmigung und das richtige Visum erhalten hat, müssen vor dem Betreten der Insel drei PCR-Tests und eine acht-tägige Quarantäne absolviert werden. Und das, obwohl alle Urlauber vor dem Bali-Besuch vollständig gegen Corona geimpft sein müssen. Wer künftig eine Touristenattraktion besuchen oder ein Einkaufszentrum betreten will, soll zudem einen Barcode mithilfe der App PeduliLindungi scannen müssen.

In Indonesien, dem viert-bevölkerungsreichsten Staat der Erde mit 270 Millionen Einwohnern, wurden bislang über 4 Millionen Corona-Fälle bestätigt. In dem Inselstaat sind bislang 128.000 Menschen in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Das Auswärtige Amt stuft Indonesien als Hochrisikogebiet ein und warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen. Die wichtige Tourismusindustrie auf beliebten Urlaubsinseln wie Bali liegt seit März 2020 am Boden.

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Mehr als sechs Millionen Gäste 2019

Dabei hängt mehr als die Hälfte von Balis Wirtschaft vom Tourismus ab, und die meisten Balinesen arbeiten entweder direkt oder indirekt im Reisesektor. Kein Wunder: Laut örtlichem Statistikamt besuchten 2019 mehr als sechs Millionen internationale Gäste die „Insel der Götter“, die nur rund 5700 Quadratkilometer groß ist – das ist in etwa das Anderthalbfache von Mallorca.

Der Vize-Gouverneur Cok Ace rechnete bereits im Frühsommer 2020 vor, dass Bali durch die Pandemie und den ausbleibenden Tourismus jeden Monat 9,7 Billionen indonesische Rupien verliert – mehr als 550 Millionen Euro. Eine enorme Zahl für ein so kleines Eiland. Juni, Juli und August gelten normalerweise als Hochsaison für Sonnen-, Kultur- und Partyhungrige aus Australien, China oder Europa. Im direkten Vergleich: Im Juni 2019 wurden noch 600.000 ausländische Gäste gezählt. Im Juni 2020 waren es lediglich 32.

Bali ist an Krisen gewöhnt. 2002 und 2005 wurde die Insel von Terroristen attackiert. Hunderte Feriengäste waren unter den Opfern. Gerade hatte sich der Tourismussektor wieder einigermaßen berappelt, da schlug 2007 die Vogelgrippe zu – aber auch das H5N1-Virus konnte die Insel nicht in die Knie zwingen. Ende 2017 warnten Vulkanologen vor einem großen Ausbruch des Gunung Agung, viele sagten ihre geplanten Reisen aus Angst vor dem Feuerberg ab. Die Katastrophe blieb aus, und die Touristen kamen zurück. Mit dem Coronavirus aber hat ein Gegner zugeschlagen, der die Tourismus-Branche auf Bali nun seit mehr als eineinhalb Jahr im Würgegriff hat.

Quellen