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Vor Ort

Getestet! So ist es auf der längsten Fußgänger-Hängebrücke der Welt  

TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann auf der neuen längsten Fußgänger-Hängebrücke der Welt
TRAVELBOOK-Autor Robin Hartmann auf der neuen, längsten Fußgänger-Hängebrücke der WeltFoto: Robin Hartmann

Der höchste Wasserfall der Welt, der tiefste Fjord, die höchsten Berge mehrerer Länder: Unser Autor hat ein Faible für Rekorde. Nun hat er einen neuen getestet: die längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt in Tschechien. Was er dort erlebte und was ihn überrascht hat.

Die SkyBridge 721 liegt in Dolní Morava, im nordöstlichen Teil des Landes. Allein die nackten Zahlen rund um die Rekordbrücke klingen spektakulär: 721 Meter lang, spannt sie sich in 95 Metern Höhe zwischen zwei Bergkuppen über ein Tal. Gehalten von sechs jeweils 76 Millimeter durchmessenden Stahlseilen, die, jedes für sich genommen, eine Traglast von bis zu 360 Tonnen verkraften können. Kostenpunkt laut Tomas Drápal, dem Salesmanager des Dolní Morava Ressort, in etwa 6.250.000 Euro.

Mit 721 Metern ist die SkyBridge 721 ganze 205 Meter länger als der bisherige Rekordhalter, die 516 Arouca im gleichnamigen portugiesischen Ort. Hier wollte jemand offenbar den alten Superlativ nicht nur brechen, sondern pulverisieren. Von der ersten Idee zur SkyBridge 721 bis zur Fertigstellung hat es nun laut Drápal drei Jahre gedauert. Eigentlich wollte man bereits Ende 2021 eröffnen, doch ein ungewöhnlich harter Winter machte diesen Plan wieder zunichte. Nun ist das offizielle Eröffnungsdatum stattdessen Freitag, der 13. Mai. Ich habe das Privileg, die SkyBridge 721 schon einige Tage vor dem unheilvollen Datum und der Öffentlichkeit testen zu dürfen.

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Neue Attraktion für das Skigebiet

„Die Brücke ist wunderbar für unser Land“, sagt mir eine mitreisende tschechische Journalistin. Ihre Augen glühen dabei so voller Stolz, als habe sie die SkyBridge 721 eigenhändig erschaffen. Drápal ist da schon nüchterner: Eigentlich habe man ja ursprünglich gar nicht die längste Hängebrücke der Welt bauen wollen. Das habe sich vielmehr bei der Suche nach einem geeigneten Ort für das technische Wunderwerk ganz von selbst ergeben. Mit aktuell bis zu 800.000 Besuchern im Jahr sei man auch vorher schon, ohne die Brücke, gut ausgelastet gewesen. Der Ort ist aktuell vor allem als Skiresort bekannt und beliebt, besonders bei Touristen aus dem nahen Polen. Allerdings sieht der Hausberg des Ortes etwas gerupft aus. Der einst vermutlich großflächig vorhandene Nadelwald wurde hier weitläufig gerodet, um Platz zu machen für Abfahrtsloipen.

Schon vor der Ankunft ist von weitem die SkyBridge 721 zu sehen. Die Brücke kann entweder mit einem gemächlich dahin juckelnden Sessellift erreicht werden – oder zu Fuß.

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Abenteuer Brückenüberquerung

Sky Bridge 721
Die „SkyBridge 721“, die längste Fußgänger-Hängebrücke der WeltFoto: Sky Bridge 721

Ich entscheide mich für den Fußweg. So eine Audienz bei einem echten Weltrekordhalter muss man sich ja schließlich verdienen. Kurz wird sie auf jeden Fall sein, so viel weiß ich jetzt schon. Denn der Online-Vorverkauf für die Tickets hat bereits begonnen. Wer die SkyBridge 721 besuchen möchte, muss sich vorab zwingend im Internet ein Zeitfenster von einer halben Stunde buchen. Drápal zufolge diene dies dazu, in der Hauptsaison Massenaufläufe zu verhindern. Dennoch erwartet er für die Attraktion Besucherzahlen von bis zu 3500 Menschen täglich.

Als ich meinen insgesamt etwa 400 Meter langen Aufstieg zur SkyBridge 721 beginne, sehe ich noch ein paar traurige Kunstschnee-Pfützen, eine Erinnerung an die vergangene Wintersaison. In Ermangelung eines eindeutig ausgeschilderten Wanderweges arbeite ich mich zunächst einen der Single Trails empor, die für die zahlreichen Mountainbiker in den lichten Mischwald gegraben wurden. Mit zunehmender Höhe eröffnen sich immer spektakulärere Ausblicke auf das grüne, nun weit unten liegende Land. Letztlich komme ich bereits eine Dreiviertelstunde vor meinen Sessellift fahrenden Journalistenkollegen bei der SkyBridge 721 an.

Vor Ort sind die wichtigsten Informationen über die Rekordbrücke noch einmal auf Tschechisch, Polnisch und Englisch nachzulesen. Zwei Jahre Bauzeit, 405 Tonnen schwer, alleine 94 Tonnen davon Stahl. Über die werde ich nun gleich schreiten. Und dann ist es endlich so weit, ich beginne meinen Fußweg über den 95 Meter hohen Abgrund.

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So fühlt es sich an, über die SkyBridge 721 zu gehen

Entgegen meiner Erwartungen schwankt die Brücke nur sehr wenig. Schon nach wenigen Metern öffnet sich eine spektakuläre Weitsicht auf das unten liegende Tal. Trotz der beachtlichen Höhe, in der ich mich befinde, fühle ich mich absolut sicher. Herz und Magen fahren trotzdem ein bisschen Achterbahn. Vielleicht ist das aber auch nur das tolle Gefühl, zu den ersten zu gehören, die die SkyBridge 721 betreten dürfen.

Obwohl, runtergucken sollten Menschen mit Höhenangst hier besser nicht. Tief unter meinen Füßen erstreckt sich der Wald und das weite Land. Der Kopf ist beim Überqueren der Brücke merkwürdig leer, wahrscheinlich ist das einfach die Ehrfurcht, die sich ob dieses Erlebnisses breitmacht. Es ist ein majestätisches Gefühl, hier, so weit oben über dem Tal zu schreiten. Den Besucherandrang, der hier bald wohl herrschen wird, kann man sich nur vorstellen. Die SkyBridge 721 ist dabei nur ein Teil eines etwa zwei Kilometer langen Lehrpfades, den man hier in den Bergen angelegt hat. Innerhalb von zwei Stunden soll ihn dann ab dem 13. Mai jeder erkunden können.

Schon jetzt kann man sich aber in etwa denken, wie eine Überquerung der SkyBridge 721 zukünftig wohl aussehen könnte. Bei bis zu 3500 zu erwartenden Gästen täglich wird es wohl nicht mehr oft so ruhig zu gehen wie heute. Am Ende habe ich die SkyBridge 721 dann gleich zweimal überquert. Einmal hin, einmal zurück. Wie viel Zeit ich dafür nun gebraucht habe, habe ich vergessen zu schauen. Ich weiß nur, dass es mir gleichzeitig schnell und unendlich langsam vorkam. 1442 Meter, die ich bestimmt so schnell nicht vergessen werde. Und die sich ab Freitag dann jeder ansehen kann.

Die Reise wurde unterstützt von Czech Tourism. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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