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Infos für Reisende

Wie ist die aktuelle Sicherheitslage in Südafrika?

Überfälle Südafrika
In Südafrika nehmen die Überfälle zu – und das nicht nur im Großraum Johannesburg und Pretoria Foto: dpa Picture Alliance

Südafrika erlebt in der Coronakrise einen Anstieg der Kriminalität. Weitgehend neu ist das Kidnapping von Jugendlichen und Kindern, um Lösegeld zu erpressen. Die Zahlen sind erschreckend. Infos zur Sicherheit in Südafrika.

Das Auto der Südafrikanerin Melani de Beer sieht in einem Facebook-Post aus, als käme es aus einem Kriegsgebiet. Zerfetzte Reifen, Einschusslöcher in der Frontscheibe, der Wagentür, in Sitzen und der Kühlerhaube. „Die Polizei spricht von zwölf Schüssen“, berichtete sie in dem Facebook-Beitrag.

Am Ende eines erholsamen Jahresausklangs im Krüger-Nationalpark war sie mit ihren beiden Kindern auf dem Weg nach Hause, als sie überfallen wurden. Nach dem Verlassen des Numbi-Einganges war sie nach eigenen Worten mit ihrem Camping-Anhänger im Schlepptau auf der Landstraße unterwegs, als 20 Kilometer vom Ort White River entfernt zwei bewaffnete Männer neben ihrem Wagen auftauchten, schreibt sie.

Überfälle in Südafrika häufen sich

Der Ort bei dem Dorf Mganduzweni war offenbar gut gewählt, da dort wegen eines nahen Taxenstands eine quer über die Straße montierte Schwelle Autos zum Abbremsen zwingt. Die 39-Jährige gab Gas, konnte aber ein regelrechtes Durchlöchern ihres Wagens nicht verhindern. „Sie begannen zu schießen“, berichtete sie später. Eine der Kugeln traf ihre Tochter am Bein. Die Fahndung nach den Tätern blieb zunächst erfolglos. Die zweifache Mutter und ihre Kinder – die schwer geschockt mit dem Leben davon kamen – sind kein Einzelfall.

Jüngster Fall war ein elfjähriges Mädchen, das im November vor ihrer Schule in Johannesburgs Stadtteil Mayfair verschleppt worden war. Sie sei inzwischen lebend in einem Park gefunden worden, teilte die Polizei ohne weitere Angaben zu einer möglichen Lösegeldzahlung mit.

Von einer regelrechten „Kidnapping-Krise“ sprach die auflagenstarke Zeitung „City Press“ im vergangenen Monat und schrieb mit Blick auf das zu Ende gehende Jahr 2021: „Eine Kriminalitätsstudie hat enthüllt, dass die Fälle von Kidnapping in Südafrika dieses Jahr um 60 Prozent gestiegen sind.“ Die Zeitung zitierte Vorwürfe, wonach Mitarbeiter der Polizei sowie privater Wachdienste verwickelt sein sollen in diese Kriminalität, die vor allem auf Kinder und Jugendliche zielt.

Wie steht es um die Sicherheit in Johannesburg und Pretoria?

Der Großraum um die Millionenmetropole Johannesburg und die Hauptstadt Pretoria (Gauteng-Provinz) gilt mit mehr als 2500 Fällen als Schwerpunktregion. Doch auch andere Regionen wie die Mpumalanga-Provinz sind betroffen, in denen der Überfall am Krüger-Nationalpark stattfand. Die Polizei reagierte an einigen besonders riskanten Plätzen bereits mit dem Aufstellen von Warnhinweisen auf sogenannte „Hijacking hotspots“, in denen von einem Stopp am Wegesrand dringend abgeraten wird.

Gerade in Corona-Zeiten mit ihren vielen Job-Verlusten mehren sich in Südafrika dennoch Berichte über oft blutige Kidnapping-Überfälle. „Wir haben Syndikate und auch einige kleinere Gruppen, die jetzt sowohl die Reicheren wie auch die Durchschnittsbürger ins Visier nehmen“, bestätigte Polizeisprecher Vish Naidoo vor Journalisten.

Die Sicherheitsfirma Tracker, die sich über die Installation von satellitengestützten Überwachungsgeräten in den Fahrzeugen finanziert, veröffentlicht sogar Listen gefährdeter Straßen, in denen Autofahrer demnach regelmäßig mit Überfällen rechnen müssen. Auch die Polizeistatistik spricht in punkto Kriminalität und Sicherheit in Südafrika eine deutliche Sprache. Demnach stieg die Zahl derartiger Überfälle in Südafrika trotz Corona-Restriktionen im öffentlichen Bereich auf knapp 5000 an – nur im Zeitraum zwischen Juli und September vergangenen Jahres.

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Behörden rufen zu erhöhter Vorsicht auf

Die Behörden reagieren mit Aufrufen zu erhöhter Vorsicht – wie auch die für den Krüger-Nationalpark zuständige Verwaltung. Der Tochter von Melani de Beer wünsche man eine schnelle Genesung, hieß es in einer Mitteilung. Die Verwaltung rief zudem die Sicherheitsbehörden zu verstärkten Kontrollen in der Region auf und verwies auf die Bedeutung des Tourismus für den Arbeitsmarkt.

Denn nach rund zweijährigen Corona-Restriktionen liegt der einst blühende Tourismussektor am Boden. Hoffnungsträger sind die nun wieder anziehenden Urlauberzahlen, nachdem der Kap-Staat den Höhepunkt seiner von Omikron getriebenen vierten Infektionswelle gerade hinter sich gelassen und die meisten Beschränkungen wieder aufgehoben hat. Zu diesen Hoffnungsträgern zählt auch eine deutsche TV-Realityshow: Das RTL-Dschungelcamp, das Mitte Januar seine Zelte in der Nähe des knapp 20.000 Quadratkilometer großen Krüger-Nationalparks aufschlagen will.

Sicherheit in Südafrika – was Reisende beachten sollten

Der überwiegende Teil der Gewaltkriminalität in Südafrika finde laut Auswärtigem Amt zwar in Gegenden und unter Umständen statt, von denen Reisende nicht betroffen seien. Doch könnten diese dennoch Ziel und Opfer von Diebstählen, Einbrüchen, Raub und ähnlicher Delikte werden. So würden beispielsweise häufig auf den Straßen, vor allem in den Stadtzentren, Handtaschen weggerissen. Auch in den Hotels in Südafrika ist Sicherheit nicht unbedingt garantiert, da es auch dort zu Diebstählen komme.

Bei Reisen innerhalb Südafrikas ist ebenfalls auf Sicherheit zu achten. Denn „Reisende bzw. Reisegruppen werden auf Autobahnen oder -zufahrten angehalten und ausgeraubt, indem sie z.B. eingekeilt oder vereinzelt durch Fahrzeuge angehalten werden, die sich fälschlicherweise als Polizei ausgeben“, schreibt das Auswärtige Amt. Die Strecken von und zu den Flughäfen in Johannesburg und Pretoria seien hiervon besonders betroffen.

Tipps für Reisende

Reisende, die auf Sicherheit Wert legen und sich in Südafrika nicht unnötig in Gefahr begeben wollen, sollten folgende Hinweise und Tipps des Auswärtigen Amts beachten:

  • Verzichten Sie bei einem Überfall auf jede Gegenwehr, die Täter könnten bewaffnet sein.
  • Führen Sie während Ihres Aufenthalts ein Mobiltelefon mit, tragen Sie dieses im innerstädtischen Bereich nicht sichtbar. Notrufnummern: Polizei 10 111, Rettungsdienste 10 177 oder 112.
  • Bewahren Sie Geld, Ausweise, Führerschein, Flugscheine und andere wichtige Dokumente sicher auf.
  • Tragen Sie Wertsachen nicht zur Schau; verzichten Sie möglichst auf große, wertvolle Handtaschen.
  • Lassen Sie Ihre Kreditkarte nie aus den Augen, sondern bestehen Sie auf ein portables Lesegerät.
  • Wählen Sie keine Geldautomaten auf offener Straße, sondern in Einkaufszentren, Supermärkten oder Banken und lassen Sie sich nie von Fremden beobachten oder helfen.
  • Meiden Sie nach Geschäftsschluss und insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit die Innenstädte von Johannesburg, Kapstadt, Pretoria, Durban, Port Elizabeth und anderer großer Städte.
  • Halten Sie Autofenster immer geschlossen und Autotüren von innen verriegelt.

Weitere Tipps finden Sie auf der Webseite des Auswärtigen Amts.

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