3. Oktober 2026, 14:27 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Overtourism ist ein Phänomen, das in vielen Metropolen Europas längst Einzug gehalten hat. Doch glücklicherweise gibt es auch in Städten wie Rom noch den ein oder anderen Geheimtipp. Das lohnt sich insbesondere, wenn man die Stadt im Herbst besucht, wie unsere Autorin verrät.
„Der beste Monat für einen Besuch in Rom ist der Oktober“ – dieser Satz, gesagt von einem Bekannten, der seit vielen Jahren in der italienischen Hauptstadt wohnt, geht mir nicht aus dem Kopf. Geht es nach eben diesem Bekannten, dann ist der Oktober nicht nur perfekt, was das Wetter angeht – weder zu heiß noch zu kalt, aber mit viel Sonne und goldenen Herbsttagen –, sondern auch der beste Monat, um die großen Touristenmassen zu umgehen, die sich im Sommer durch die römischen Gassen schieben.
Man darf mich an dieser Stelle nicht falsch verstehen: Touristen in Rom zu begegnen ist etwas, worauf man sich zu 100 Prozent verlassen kann. Nur gibt es eben einen Unterschied, ob es tausende oder hunderte Menschen sind, mit denen man sich um die besten Fotospots vor dem Kolosseum prügelt.
Zahllose Möglichkeiten
Wenn es um das Thema Touris geht, kommt es selbstverständlich auch darauf an, was man in Rom gerne tun und sehen möchte. Das Kolosseum ist quasi jeden Tag gut besucht, eine Führung durch den Vatikan muss man deutlich früher buchen als den Flug nach Rom selbst und der Trevi-Brunnen kostet nicht umsonst seit 2026 Eintritt und zieht mehr als fünf Millionen Besucher in nur einem halben Jahr an.
Auch interessant: 7 Tipps für den ersten Urlaub in Rom
Doch es gibt auch Ecken in Rom, die nicht ganz so überlaufen sind. Lassen Sie sich von mir also ein paar Tipps geben – von jemandem, der bereits einige Male in der römischen Hauptstadt war und sie mittlerweile sehr ins Herz geschlossen hat.
Monti
Auch wenn das Viertel Monti quasi direkt an den historischen Stadtkern Roms grenzt und sich nicht weit vom Kolosseum befindet, ist es dennoch typischerweise nicht auf der Bucketlist der meisten Touristen zu finden. Einiges los ist natürlich trotzdem, doch schon beim ersten Hindurchschlendern wurde mir schnell klar: Das hier hat großes Potenzial, mein Lieblingsviertel zu werden. Denn in Monti grenzt quasi eine coole Bar an die nächste, wer hier ausgehen möchte, findet kleine Clubs, eine Menge Jazzbars und Piazzi, auf denen man morgens, mittags, abends sitzen kann.
Eine ganz besondere Empfehlung ist unter anderem das Libreria Caffè Bohémien, eine Bar, in der man mitten zwischen deckenhohen Bücherregalen Platz nimmt und sich je nach Stimmung entweder Cocktails, Wein oder kleine Snacks bestellen kann.
Mercato Di Testaccio
Das Viertel Testaccio befindet sich ganz in der Nähe des Tibers und hat neben einigen hervorragenden Restaurants und dem Monte Testaccio – einem 50 Meter hohen Scherbenhügel aus Millionen von zerbrochenen antiken Tonscherben – vor allem eines zu bieten: den Mercato Di Testaccio.
Ob für einen kleinen Einkauf, die Mittagspause, den Snack zwischendurch oder den ersten Vino am späten Nachmittag: Dieser Markt ist Anlaufpunkt für alles und jeden. Nur eben nicht für jeden Touri, denn hier sitzt man gerne mal zwischen Nachbarn, Schulkindern oder Familien, isst seine Pizza, trinkt einen Kaffee und lässt es sich auf den charmanten Plastikstühlen in der Mitte des kleinen Marktes gut gehen. Zwischendurch steht man immer mal wieder auf, schlendert durch die Reihen und kann mit etwas Glück sogar ein Schnäppchen an den Schuh- oder Sonnenbrillenständen shoppen.
Orto Botanico
Trastevere ist eines der beliebtesten und wuseligsten Viertel in Rom. Wer hätte also gedacht, dass sich ausgerechnet dort eine kleine, ruhige Oase befindet? Wobei – so klein ist die zugegebenermaßen gar nicht. Auf insgesamt 12 Hektar befinden sich im Orto Botanico tausende Pflanzenarten, die von der römischen Universität La Sapienza gehegt und gepflegt werden.
Auch interessant: Die besten Tipps für einen Besuch in Roms Trendviertel Trastevere
Dass der Park im Gegensatz zu anderen Grünflächen kostenpflichtig ist, könnte man jetzt als Nachteil auslegen – oder man sieht es, wie ich, als Vorteil, dass viele es sich zweimal überlegen, ob sie für einen Parkbesuch wirklich bezahlen wollen. Wir reden hier außerdem von gerade einmal 5 Euro und damit eindeutig noch erschwinglichen Preisen. Besonders schön sind die verschiedenen Gewächshäuser, darunter auch das Tropenhaus, und der Japanische Garten.
Palazzo Braschi
Quasi mitten in der Stadt, nah am römischen Pantheon und dennoch sehr viel unbekannter ist der Palazzo Braschi. Dabei ist es nicht nur das Gebäude, das man sich gut anschauen kann, sondern vor allem das, was drinsteckt. Im Inneren des Palazzos befindet sich nämlich das Museo di Roma, ein städtisches Heimatmuseum. Und auch wenn diese Worte erst einmal etwas unsexy klingen, lohnt sich ein Besuch.
Das Museum zeigt die Geschichte Roms von der Renaissance bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Erdgeschoss werden immer wieder wechselnde Zeichnungen und Fotografien ausgestellt, weiter oben lernt man einiges über die großen römischen Familien wie die wie die Barberini und die Borghese. Ich für meinen Teil habe aus dem Besuch einiges mitgenommen, was ich vorher noch nicht über die italienische Hauptstadt wusste.
Parco Centrale del Lago
Woran erkennt man, dass etwas WIRKLICH ein Geheimtipp ist? Ein gutes Indiz sind auf jeden Fall die spärlichen Google-Bewertungen. Allen, die gerade deswegen an der Schönheit des Ortes zweifeln, kann ich sagen: Der Parco Centrale del Lago ist die Reise in den Süden Roms wert. Ursprünglich angelegt für die Weltausstellung 1942 und für die Olympischen Spiele 1960 fertiggestellt, ist er ein Ort, an den sich nur wenige Touristen verirren. Trotzdem kann man hier weite Spaziergänge wagen, es sich auf den Wiesen gemütlich machen, Locals treffen und ein Stück Natur in der City genießen.
7 Tipps für den ersten Urlaub in Rom
8 Rom-Tipps für Fortgeschrittene
Villa Celimontana
Einen Park habe ich noch – und der ist der perfekte Mix aus Wald, Wegen und alter Architektur: die Villa Celimontana. Ganz früher einmal war die Gegend um die Villa herum ein Gemüsegarten und Weinberg, heute ist es in Park voller antiker Brunnen, Säulen und Statuen. Egal also, ob man hindurchspaziert, sich einen Kaffee oder gleich ein kleines Picknick mitnimmt: Der Park auf dem Celio-Hügel ist der perfekte Kontrast zur wuseligen Stadt. Im Sommer finden hier auch immer wieder (Jazz-)Konzerte und Shows statt.
Prati
Last but not least Prati: Es grenzt an die Vatikanstadt und hat unter anderem ein paar wirklich schöne Rooftop-Bars zu bieten, von denen einige einen direkten Blick auf die Türme des Vatikans bieten. Wer sich die Zeit nimmt, ein wenig durch das Viertel zu schlendern, entdeckt außerdem auch die ein oder andere Kunstgalerie. In Kombination mit den hohen Gebäuden Pratis und der schönen Architektur strahlt die Gegend hier noch einmal einen ganz anderen Vibe aus als im Rest der Stadt.
Kleine Empfehlung meinerseits: In einigen Restaurants in Prati finden auch Kochkurse statt, in denen man zum Beispiel lernen kann, wie typisch italienische Pasta oder Tiramisu hergestellt werden. Wein ist meistens inklusive und eine gute Zeit ebenso.