4. August 2026, 14:45 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Endlich Freizeit, endlich abschalten. Doch ausgerechnet dann meldet sich bei vielen Menschen der Körper mit Erkältung, Kopfschmerzen oder Magenproblemen. Hinter diesem Phänomen steckt die sogenannte „Leisure Sickness“, also im Urlaub krank werden. Wer die Ursachen kennt, kann jedoch gezielt gegensteuern und die freien Tage gesünder genießen.
Wenn die Entspannung den Körper belastet
Rund jeder Fünfte wird ausgerechnet während der Ferien krank. Ursache ist häufig der abrupte Wechsel von hoher beruflicher Belastung zu plötzlicher Erholung. Besonders betroffen sind Menschen mit ausgeprägtem Perfektionismus oder starkem Leistungsdruck.
Vor dem Urlaub versuchen viele, möglichst viele Aufgaben abzuschließen. Fällt die Anspannung danach schlagartig weg, kann der Organismus empfindlich reagieren. Während stressiger Phasen sind die Stresshormone Adrenalin und Cortisol erhöht. Sobald deren Spiegel sinkt, wird auch das Immunsystem vorübergehend anfälliger.
Um das Risiko zu reduzieren, empfiehlt sich eine gesunde Lebensweise mit viel Obst und Gemüse, regelmäßiger Bewegung sowie ausreichend Schlaf. Ein stabiles Immunsystem hilft dem Körper, Belastungen besser auszugleichen und Krankheitserreger abzuwehren.
Den Übergang in die Ferien sanft gestalten
Erholung sollte nicht erst mit dem ersten Urlaubstag beginnen. Wer bereits im Alltag regelmäßige Entspannungsphasen einplant, erleichtert dem Körper den Wechsel in den Urlaubsmodus.
Ebenso sinnvoll ist es, in den letzten Arbeitstagen vor der Reise nicht bis zur Erschöpfung durchzuarbeiten. Aufgaben können teilweise delegiert oder verschoben werden. Auch zwischen Arbeitsende und Abreise sollte möglichst etwas Zeit liegen. Zusätzliche Puffertage für Vorbereitungen und die Rückkehr aus dem Urlaub können helfen, Stress zu vermeiden.
Ein weiterer Risikofaktor ist die ständige Erreichbarkeit. Wer E-Mails, Messenger und berufliche Anfragen permanent im Blick behält, kommt oft nicht richtig zur Ruhe. Deshalb kann es hilfreich sein, das Smartphone zeitweise auszuschalten oder bewusst weniger zu nutzen.
Statt vom Vollstress direkt in völlige Passivität zu wechseln, empfehlen Experten zudem einen sanfteren Einstieg in die Ferien. In den ersten Urlaubstagen können einige wenige Aktivitäten oder Besichtigungen geplant werden. Anschließend sollten die Termine Schritt für Schritt reduziert werden.
Schon auf der Reise auf die Gesundheit achten
Auch die Anreise kann das Immunsystem belasten. Klimaanlagen in Zügen oder Flugzeugen sowie Zugluft können Beschwerden begünstigen.
Deshalb sollten Reisende auf ausreichenden Schutz achten, beispielsweise durch ein Tuch oder passende Kleidung. Zudem ist es wichtig, genügend Wasser zu trinken, damit die Schleimhäute feucht bleiben. Regelmäßige Bewegung während längerer Reisen unterstützt die Durchblutung. Ebenso gehört häufiges Händewaschen zu den einfachen Maßnahmen, um Infektionen vorzubeugen.
„Leisure Sickness“ – was das ist und was Sie dagegen tun können
Welche Impfungen und Vorsorge vor dem Urlaub wichtig sind
Mehrere Auszeiten statt nur eines langen Urlaubs
Viele Beschäftigte konzentrieren ihre gesamte Erholung auf eine einzige längere Sommerreise. Forschungen zur Erholung zeigen jedoch, dass echte Entspannung häufig erst nach ungefähr einer Woche einsetzt. Gleichzeitig steigt der Erholungseffekt nach mehr als zehn Tagen nicht weiter an.
Deshalb können auch mehrere kürzere Reisen oder Wochenendauszeiten über das Jahr verteilt sinnvoll sein, um Stress abzubauen und die Belastung dauerhaft zu reduzieren.
Wenn die Krankheit dennoch kommt
Tritt trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Infekt auf, raten Experten zu Gelassenheit. Zusätzlicher Ärger über verlorene Urlaubstage erhöht den Stress und kann die Erholung weiter erschweren.
Wer während seines Urlaubs erkrankt, sollte sich die Erkrankung ärztlich bescheinigen lassen – auch im Ausland. Nach den Vorgaben des Bundesurlaubsgesetzes können Arbeitnehmer die durch Krankheit verlorenen Urlaubstage bei ihrem Arbeitgeber geltend machen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber zeitnah informiert und das ärztliche Attest vorgelegt wird.