13. Juni 2026, 13:30 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Sonne, Erholung und neue Eindrücke gehören für viele zu den Höhepunkten des Jahres. Doch je nach Reiseziel lauern auch gesundheitliche Risiken, die von Magen-Darm-Erkrankungen bis hin zu Tropenkrankheiten reichen. Wer sich rechtzeitig informiert und vorbereitet, kann viele Gefahren vermeiden. Reisemediziner erklären, worauf Urlauber bei Fernreisen, aber auch innerhalb Europas achten sollten.
Die häufigsten Gesundheitsprobleme auf Reisen
Nicht exotische Tropenkrankheiten sorgen am häufigsten für Beschwerden im Urlaub, sondern alltäglichere Probleme. „Durchfall, Sonnenbrand und Mückenstiche“, sagt Tomas Jelinek, Infektiologe aus Berlin und Präsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin. Mit diesen Beschwerden hätten Reisende am häufigsten zu tun. „Das hört sich banal an, aber das kann alles garstig sein“, sagt der Experte.
Deshalb gehören Sonnenschutzmittel, Mückenschutz sowie Medikamente gegen Durchfall zur Grundausstattung jeder Reiseapotheke.
Standardimpfungen sollten vollständig sein
Vor jeder Reise empfiehlt die Internistin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Sabine Jordan, zunächst einen Blick auf den allgemeinen Impfstatus. „Egal, wohin man reist: Alle Impfungen, die hierzulande als Standard empfohlen sind, sollte man haben“, sagt sie.
Dazu zählen unter anderem Impfungen gegen Tetanus, Masern oder Polio. Diese Erkrankungen kommen in manchen Regionen der Welt deutlich häufiger vor als in Deutschland.
Ob zusätzliche Reiseimpfungen notwendig sind, hängt vom Reiseziel, den geplanten Aktivitäten sowie von Häufigkeit und Schwere möglicher Erkrankungen ab.
Hepatitis A als klassische Reiseimpfung
Eine häufig empfohlene Reiseimpfung ist die Immunisierung gegen Hepatitis A. Die Viren werden unter anderem über verunreinigte Lebensmittel übertragen und kommen in vielen Ländern deutlich häufiger vor als in Deutschland.
Die Erkrankung verursacht eine Leberentzündung und verläuft meist mild. In seltenen Fällen kann sie jedoch schwerwiegende Folgen haben. Daher sei Hepatitis A in der Risikoabwägung eine klassische Reiseimpfung, die häufig empfohlen werde, erläutert Jordan.
Warum die Art des Urlaubs entscheidend sein kann
Das persönliche Risiko hängt auch davon ab, wie Reisende ihren Urlaub gestalten. Wer sich überwiegend in einer Hotelanlage aufhält, hat meist weniger Kontakt mit Tieren oder der lokalen Umwelt und ist dadurch bestimmten Gefahren seltener ausgesetzt.
Anders kann es etwa auf Bali aussehen. Wer dort Affenparks besucht oder viel auf der Insel unterwegs ist, sollte eine Tollwutimpfung in Erwägung ziehen. Zwar ist das Risiko einer Ansteckung gering, doch die Krankheit endet nach Ausbruch praktisch immer tödlich. Nach Bissen oder Kratzern infizierter Tiere gibt es zwar noch Behandlungsmöglichkeiten, dennoch raten Fachleute zur Vorsorge.
Auch bei klassischen Cluburlauben bleiben Risiken bestehen. „Hotelanlagen schützen nicht vor lebensmittelübertragbaren Erkrankungen“, sagt Jordan. Erkrankungen wie Reisedurchfall oder Hepatitis A seien weiterhin möglich. Hinzu kommen von Mücken übertragene Krankheiten. „Man kann auch auf den Malediven Dengue-Fieber bekommen“, sagt sie.
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Unterschätzte Reiseziele mit Gesundheitsrisiken
Ein Beispiel für ein oft unterschätztes Reiseziel ist nach Ansicht von Jelinek die Dominikanische Republik. Das beliebte Karibikziel werde von vielen Reisenden besucht, eine reisemedizinische Beratung nähmen jedoch nur wenige in Anspruch.
Dabei existieren dort verschiedene Gesundheitsrisiken. Jelinek nennt unter anderem Dengue-Fieber, Chikungunya, Diphtherie, Meningokokken-Erkrankungen sowie die bakterielle Infektionskrankheit Leptospirose. Auch die Situation im benachbarten Haiti beeinflusse die Gesundheitslage auf der Insel Hispaniola.
Welche Krankheiten in verschiedenen Weltregionen relevant sind
Südostasien: Dengue-Fieber auf dem Vormarsch
In Ländern wie Thailand, Indonesien mit Bali oder Sri Lanka spielen verschiedene von Mücken übertragene Erkrankungen eine Rolle. Besonders Dengue-Fieber breitet sich Fachleuten zufolge zunehmend aus.
Afrika: Malaria bleibt ein Thema
In Teilen Afrikas, etwa in Kenia, Tansania oder auf Sansibar, besteht weiterhin Malariarisiko. „Doch die Zahlen haben auf der Insel massiv zugenommen“, warnt Jordan mit Blick auf Sansibar.
Süd- und Mittelamerika: Gelbfieber beachten
In zahlreichen Regionen Südamerikas, darunter Brasilien, Argentinien und Peru, gehört Gelbfieber zu den relevanten Gesundheitsrisiken. Das betrifft auch Teile Mittelamerikas. Der Panamakanal markiere hier laut Jordan eine wichtige geografische Grenze. Südlich davon beginne das klassische Gelbfiebergebiet.
Wo sich Reisende informieren können
Einen ersten Überblick bieten die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes. Dort finden sich für jedes Land Informationen zu Gesundheitsrisiken, empfohlenen Vorsorgemaßnahmen sowie gegebenenfalls erforderlichen Impfungen für die Einreise.
Darüber hinaus empfiehlt Jordan eine individuelle Beratung. „Das Allerwichtigste ist, dass man sich vor jeder Fernreise einmal reisemedizinisch beraten lässt“, sagt Jordan.
Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) bietet online eine Postleitzahlensuche nach spezialisierten Ärztinnen und Ärzten sowie Gelbfieberimpfstellen an. Weitere Anlaufstellen sind Tropeninstitute in mehreren deutschen Städten und das Centrum für Reisemedizin mit seiner Online-Suche nach Beratungs- und Impfangeboten.
Welche Impfungen brauche ich für eine Reise nach Argentinien?
Welche Impfungen brauche ich für eine Reise nach Bali?
Auch Europa ist nicht frei von Reisekrankheiten
Innerhalb Europas unterscheiden sich die Gesundheitsrisiken ebenfalls deutlich. Durch die Ausbreitung der Tigermücke gewinnen Erkrankungen wie Dengue-Fieber und Chikungunya insbesondere im Süden Europas an Bedeutung.
In Italien, Frankreich und Spanien wurden bereits Ausbrüche registriert. „Europa wird in der Hinsicht schon tropischer.“ Schutz durch Mückensprays, Moskitonetze und lange Kleidung kann deshalb sinnvoll sein. In Regionen mit aktuellen Ausbrüchen können zudem Impfungen sinnvoll sein.
Auch FSME bleibt in Europa ein relevantes Thema. Die von Zecken übertragene Erkrankung kommt unter anderem in der südöstlichen Hälfte Deutschlands, in Österreich, der Schweiz, Osteuropa sowie Teilen Skandinaviens vor. Gegen FSME steht ebenfalls eine Impfung zur Verfügung.
Wann nach der Reise ein Arztbesuch wichtig ist
Nach einer Reise sollten Beschwerden ernst genommen werden. Manche Erkrankungen verursachen typische Symptome. Dengue-Fieber geht häufig mit starken Muskelschmerzen einher, während Chikungunya oft Gelenkschmerzen verursacht.
Fieber, Kopfschmerzen oder allgemeine Schwäche können dagegen viele Ursachen haben. Ob dahinter eine Tropenkrankheit oder ein gewöhnlicher Virusinfekt steckt, lässt sich meist nur medizinisch abklären. „Das lässt sich nur mit einer Blutentnahme klären“, sagt der Mediziner. „Es kann ja auch mal Malaria sein, wo es dann wirklich auch lebensgefährlich wird. Also sollte man auf jeden Fall gucken.“
Auch anhaltende Durchfallerkrankungen oder unklare Hautveränderungen nach einer Reise sollten ärztlich untersucht werden.
Mehr Aufmerksamkeit wünscht sich Jelinek allerdings bereits vor dem Urlaub. Reisende sollten Beratung nicht erst bei Beschwerden suchen. Sein Wunsch: „Mit dem Ziel, dass sie im Urlaub gar nicht erst krank werden.“
Mit Material der dpa