Wittenoom

Diese giftige Geisterstadt in Australien lockt immer mehr Touristen an

Wittenoom in Australien
Wittenoom aus der Luft gesehen: Wo früher 20.000 Menschen lebten, ist heute nur noch eine Geisterstadt
Foto: dpa Picture Alliance

Das australische Wittenoom ist einer der tödlichsten Orte der Welt – und gleichzeitig ein absoluter Touristenmagnet. Für ein Foto riskieren Reisende hier immer wieder ihr Leben. Die Geschichte einer Tragödie – und die „Dummheit“ der Touristen.

Genauso ein Ort ist Wittenoom in Westaustralien, etwa 1100 Kilometer Luftlinie nördlich von Perth. Trotz der Gefahr für Leib und Leben sind scheinbar viele Touristen fasziniert von der heutigen Geisterstadt, wie Fotos und Videos im Netz belegen.

Dabei warnt die australische Regierung ausdrücklich vor einem Besuch dort, laut „BBC“ sprechen Politiker im Zusammenhang mit Wittenoom von der „größten Sicherheits- und Gesundheitstragödie Australiens.“  Wittenoom gilt sogar als der am stärksten vergiftete Ort in der gesamten südlichen Hemisphäre. Der Grund: Bis 1966 wurde hier fast 30 Jahre lang Asbest abgebaut. Aufgrund seiner Eigenschaften in der Baubranche damals als eine Art Wundermittel gefeiert, förderten laut der „Australischen Asbest-Gesellschaft“ etwa 7000 Arbeiter den begehrten Stoff.

2000 Todesopfer

Australien

Überall rund um den Ort befinden sich sehr deutliche Warnschilder
Foto: dpa Picture Alliance

Das tödliche Problem: In verarbeiteter Form kann Asbest nicht giftig sein, als Rohstoff, wie er in den zwei Minen von Wittenoom gewonnen wurde, ist er jedoch lebensgefährlich. Doch obwohl Ärzte laut „Deutschlandfunk“ bereits um 1900 vor dem Umgang mit dem Material und den potenziell tödlichen Folgen warnten, wurden die Minen von Wittenoom erst 1966 geschlossen. Die Verwendung von Asbest in Baumaterialien wurde sogar erst 1980 offiziell verboten. Der Handel mit asbesthaltigen Produkten war bis 2004 legal. Peter Tighe ist Geschäftsführer der Asbestsicherheits- und Beseitigungsagentur der australischen Regierung. Nach seinen Schätzungen könnten in Australien bis zu zwei Millionen Häuser Asbest enthalten, berichtet der „Deutschlandfunk“. Der Sender berichtet weiter, dass bis Ende 2019 etwa 50.000 Australier an unheilbaren Krankheiten leiden, die auf Asbest zurückzuführen sind. Die gesundheitlichen Folgen einer Asbest-Exposition können sogar erst Jahrzehnte später auftreten. Nach Angaben von „Deutschlandfunk“ sterben in Australien jährlich etwa 4000 Menschen an asbestbedingten Krankheiten – mehr als dreimal so viele wie durch Autounfälle.

Ein Schild weist nach Wittenoom in Australien

Ein altes, staubiges Schild weist den Weg nach Wittenoom – wohin am besten niemand abbiegen sollte
Foto: Getty Images

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In den Jahren nach der Schließung der Minen von Wittenoom wurden die einst 20.000 Einwohner langsam umgesiedelt, doch auch 2019 lebten hier immer noch Menschen, die die Regierung nun mit Entschädigungszahlungen zum Umzug zu bewegen versucht. Dass sie überhaupt so lange blieben scheint unbegreiflich, denn 2000 Arbeiter aus Wittenoom an den Folgen ihres Umgangs mit Asbest, schreibt u.a. die Medizinische Organisation „Asbestos Diseases Society of Australia“. 2006 wurde die einst aufstrebende Stadt aufgrund der hohen Gefahr, die von ihr ausgeht, aus den australischen Landkarten gestrichen, vom Stromnetz genommen und offiziell als verseuchter Ort eingestuft.

Gesundheit gegen Ruhm im Netz

Australien

Viele Touristen kommen wegen der gespenstischen Atmosphäre nach Wittenoom
Foto: dpa Picture Alliance

Die Regierung warnt davor, dass der Kontakt mit Asbest unter anderem zu Mesotheliomen führen kann, einem seltenen Tumor, und auch noch zu anderen Krebs-Arten. Dennoch gibt es immer wieder Reisende, die Wittenoom besuchen und ihre Fotos in sozialen Netzwerken teilen. Der Hashtag #Wittenoom hat bei Instagram aktuell mehr als 950 Einträge (Stand 13. November), darunter Bilder, die junge, fröhliche Menschen zeigen, die sich trotz offizieller Warnungen seitens der Regierung in Gefahr begeben.

 

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Ein User meint dazu: „Spontane Bilder sind irgendwie die besten Bilder.“ Ein anderer schreibt: „Was gibt es romantischeres, als in einer verlassenen Mine einen Antrag zu machen? Ich freue mich auf endlose Abenteuer mit ihr.“ Bleibt zu hoffen, dass diese Beiden und auch die anderen Urlauber, die Wittenoom besuchen, ihr Abenteuer nicht mit ihrer Gesundheit oder gar ihrem Leben bezahlen müssen.

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Der lokale Politiker Ben Wyatt sagte zu diesem Touri-Boom dem „NZ Herald“, bei der Schließung der Minen 1966 hätten sich noch drei Millionen Tonnen Asbest rund um Wittenoom befunden. „Schon eine einzige Faser kann tödlich sein. Die Warnschilder hängen nicht zur Dekoration, oder um sie eurer Instagram-Sammlung hinzuzufügen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie unfassbar dumm es ist, nach Wittenoom zu reisen. Dabei gibt es so viele Orte in Westaustralien, die keine tödlichen Gefahren mit sich bringen.“

 

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