Touristen dürfen sie nur für ein paar Stunden besuchen

Maralinga – Australiens Todeszone

Maralinga Australien
Maralinga in Australien steht heute für ein düsteres Kapitel in der Geschichte des Landes. Briten zündeten hier insgesamt sieben Atombomben. Die Stelle im Foto zeigt, wo der Ballon festgemacht wurde, mit dem die Bombe nach oben und schließlich zur Detonation gebracht wurde.
Foto: Maralinga Tours

In den 50er- und 60er-Jahren führten die Briten im australischen Outback eine Reihe von Atomtests durch. Nach verschiedenen Versuchen, das Land von seiner Verseuchung zu reinigen, wurde es 2009 an die Aboriginals zurückgegeben. Seit 2015 können Touristen den Ort besuchen.

Der rote Wüstensand um das alte Atomwaffentestgelände im australischen Outback ist von kleinen Glaskügelchen übersät. Sie bestehen aus Sand, der vor 60 Jahren in der Hitze der Explosion einer zehn Kilotonnen starken Atombombe geschmolzen war.

Trotz zahlreicher Reinigungsversuche sind einige Teile in der Gegend noch immer so stark radioaktiv, dass dort keine Besucher erlaubt sind. Die Atomtests der 1950er- und 60er-Jahre haben der abgelegenen Region übel mitgespielt. Die Ureinwohner, die einst auf diesem Land lebten, sowie Tausende Militärangestellte wurden mehr oder weniger als Versuchskaninchen missbraucht.

Testgelände darf nur ein paar Stunden besucht werden

Zwischen 1952 und 1957 zündeten die Briten zwölf Atombomben auf australischem Boden und führten bis 1963 Hunderte kleinere, höchst radioaktive Tests durch. Sieben der Atombomben wurden an einem speziell dafür konstruierten Außenposten in der Wüste gezündet. Die Ureinwohner kamen in eine Sperrzone, die so groß ist wie Deutschland, die Niederlande, Belgien und Frankreich zusammen.

Nach verschiedenen Reinigungsversuchen wurde das Land 2009 an seine ursprünglichen Besitzer, die Aboriginal*-Gemeinde von Maralinga Tjarutja, zurückgegeben. Aber die Strahlenbelastung machte eine Siedlung dort unmöglich. Zwar kann man das Atomwaffentestgelände besuchen, aber nur für ein paar Stunden. Schilder warnen die Besucher, nicht zu lange zu verweilen. Große Erdaufschüttungen bedecken radioaktive Erde und verseuchte Testausrüstung wie Panzer, Flugzeuge, Uniformen und Jeeps.

Seit einiger Zeit laden die ursprünglichen Besitzer des Geländes aber Touristen zu einem Besuch ein, um zu zeigen, was einst in dieser verbotenen Gegend in der nordwestlichen Ecke des Bundesstaats Südaustralien 1000 Kilometer von Adelaide entfernt geschah.

Maralinga

Insgesamt sieben Atombomben zündeten die Briten in den 50er-Jahren. Bis in die 60er-Jahre hinein folgten weitere Tests mit Nuklearwaffen.
Foto: Maralinga Tours

Touristen brauchen eine spezielle Erlaubnis und dürfen sich nur in Begleitung des Verwalters Robin Matthews auf dem Gelände bewegen. Seit eine Reisegesellschaft im April 2015 anfing, Touren auf dem ehemaligen Atomwaffentestgelände zu organisieren, haben sich bereits zahlreiche Touristen angemeldet. Sie übernachten in Hütten oder Wohnwagen in dem alten Dorf von Maralinga, das damals vom Militär und von Forschern genutzt wurde. Es ist 37 Kilometer von dem Testgelände entfernt und selbst nicht verseucht.

Mit einem Bus bringt Matthews die Touristen zu den verschiedenen Stellen, an denen die Bomben explodierten. Jeder Detonationsort ist durch eine Betonsäule gekennzeichnet, geschmolzener Sand glitzert in der Sonne. „Die meisten Australier sind schockiert, wenn sie hören, was in Maralinga passiert ist“, sagt Chris Burchett, der den Besitzern von Tjarutja geholfen hat, die Touren zu organisieren.

Maralinga

John Stanier arbeitete in den 50ern für das Atomwaffentestprogramm. Spezielle Kleidung sollte einen gewissen Schutz vor der Strahlung bieten
Foto: National Archives of Australia / dpa picture alliance

Tests brachten vielen Menschen den Krebstod

„Die ursprünglichen Besitzer von Tjarutja sehen den Tourismus als Plattform, um ihre Geschichte der Vertreibung zu erzählen“, erzählt Burchett. „Sie besuchen das Land nur ungern selbst, weil es so beschädigt ist. Aber sie hoffen, durch den Tourismus genug Geld zu verdienen, um in ihren traditionellen Gebieten außerhalb der Explosionsorte überleben zu können.“

Viele der Menschen, die während der Tests der Strahlenbelastung ausgesetzt waren, starben an Krebs. Besucher heute müssen sich Matthews zufolge aber keine Sorgen um ihre Gesundheit machen: Er und seine Frau, eine Aboriginal, müssten jedes Jahr auf Strahlenbelastung getestet werden, erklärt er. „Bis jetzt haben sie nichts gefunden, und ich arbeite hier schon seit 1972.“ Außerdem prüfen Wissenschaftler einmal jährlich, ob belastetes Material aus den großen Erdhügeln sickert.

Ein Foto von dem kleinen Dorf Maralinga aus dem Jahr 1956
Foto: National Archives of Australia / dpa picture alliance

„Dieses Land ist tot“

Matthews hofft, dass der Tourismus den ursprünglichen Besitzern des Landes helfen wird. Doch für sie selbst ist Maralinga ein Ort des Bösen und des Todes. „Dieses Land ist tot. Es ist jetzt 60 Jahre her, aber noch immer wächst in einem Umkreis vieler Kilometer um die alten Explosionsorte nichts“, sagt der Verwalter. „In der Vergangenheit gingen die Ureinwohner über dieses Land zu ihren Tränken, um andere Familien zu besuchen und Geschichten zu erzählen. Das Land war Teil ihrer Seele. Das alles endete mit den Explosionen der Atombomben.“

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*In Australien gilt die hierzulande verbreitete Bezeichnung „Aborigine“ als abwertend, weshalb im Text das dort übliche Aboriginal verwendet wurde.

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