Gruinard Island

Warum niemand diese schottische Insel betreten will

Die kleine schottische Insel Gruinard wurde während des Zweiten Weltkrieges zum Schauplatz des Schreckens, denn hier wurden biologische Kampfstoffe getestet. Für Jahrzehnte durfte sie niemand mehr betreten – und manche Experten glauben, dass von der Anthrax-Insel auch heute noch Gefahr ausgeht.

Denn Gruinard war ein Schauplatz des Zweiten Weltkrieges, auch wenn hier niemals bewaffnete Kämpfe ausgetragen wurden. Stattdessen arbeiteten Wissenschaftler hier an einer perfiden, effektiven Tötungsmaschine: Dem Milzbrandbakterium, auch bekannt als Anthrax. Wie die „BBC“ berichtet, wurde Anthrax hier an Schafen getestet, um es im Ernstfall als Biowaffe gegen Nazideutschland einzusetzen. Der Erreger ist einer der gefährlichsten überhaupt, nach einer Ansteckung, vor allem über die Atemwege, endet der Krankheitsverlauf fast immer mit dem Tod – einem qualvollen Tod, um genau zu sein.

Auch interessant: Die tödlichste Insel der Welt liegt vor Brasilien

Jahrzehntelang Sperrgebiet

Da man den Bio-Kampfstoff trotzdem testen wollte, warf man 1942 Bomben mit den Anthrax-Sporen über Schafen ab, die anschließend innerhalb von drei Tagen starben. Der „Telegraph“ schreibt, es könnte sich dabei sogar um die weltweit ersten biologischen Bomben gehandelt haben. Die Arbeiten wurden in einem Film dokumentiert, der bis 1997 unter Verschluss gehalten wurde. Gruinard wurde anschließend zum Sperrgebiet erklärt, bis 1990 war die Insel für die „Öffentlichkeit“ komplett gesperrt. Dennoch erreichten die Bakterien das Festland, als nämlich eines der eilig auf der Insel verscharrten Schafe während eines Sturms weggespült wurde und anschließend an die Küste gelangte. Eine Einheimische sagte dem „Telegraph“, daraufhin seien zahlreiche Tiere ihres Vaters gestorben, Wissenschaftler seien gekommen und hätten diverse Tests durchgeführt.

Gruinard Island

Auf Gruinard Island wurde Anthrax als bilogischer Kampfstoff getestet
Foto: Getty Images

Anlass genug, 1986 mit vier Jahre andauernden Aufräumarbeiten zu beginnen: Insgesamt 280 Tonnen Formaldehyd, gelöst in 2000 Tonnen Meerwasser, wurden in den Boden gepumpt, um die Anthrax-Sporen abzutöten, die Insel wurde schließlich am 24. April von einem damaligen Regierungsmitglied wieder als betretbar „eingeweiht“. Als Beweis, dass nun keine Gefahr mehr drohe, siedelte man auf Gruinard anschließend wieder Schafe an – dieses Mal aber nur, um sie friedlich grasen zu lassen.

Auch interessant: Die 9 gefährlichsten Inseln der Welt

Noch immer Anthrax vorhanden?

Brian Moffat, archäologischer Leiter einer Ausgrabung in Soutra bei Edinburgh, sieht damit leider auch heute die Gefahr trotzdem noch nicht vollständig gebannt: Sein Team fand bei seinen Untersuchungen jahrhundertealte Anthrax-Sporen, die überdauert hatten. Das Milzbrand-Bakterium übersteht auch extreme Temperaturen und manchmal gar die Behandlung mit Chemikalien. Moffat sagte daher der „BBC“: „Ich würde nicht auf Gruinard herumlaufen. Wenn das Anthrax in Soutra noch aktiv war, warum dann nicht auch an anderen Orten? Es ist ein sehr beständiges Bakterium – und ein sehr tödliches.“

Sehen Sie hier ein Video von den „Arbeiten“ auf Gruinard:

Hier geht’s zur TRAVELBOOK-Startseite!

Traumurlaub bis zu 70 Prozent günstiger – jetzt gratis bei TRAVELBOOK Escapes anmelden!

Themen