Weltberühmte Grabstätte

Das ist das „echte“ Taj Mahal

Taj Mahal
Das „echte“ Taj Mahal in der indischen Stadt Burhanpur.
Foto: Getty Images

In dem kleinen Nest Burhanpur steht eine scheinbar unbedeutsame Ruine, dabei war sie einst die Ruhestätte einer weltberühmten Herrschergattin. Deren tragisches Schicksal lockt bis heute Millionen von Touristen pro Jahr nach Indien – allerdings zu einem anderen Ort.

Zugegeben, das Wort „echt“ ist an dieser Stelle nicht ganz richtig, denn natürlich ist das Taj Mahal, das seit 1653 an den Ufern des Yamuna-Flusses in der Stadt Agra steht, echt. Doch das Märchen-Mausoleum war nicht die ursprüngliche Ruhestätte der Herrscher-Gattin Mumtaz Mahal, dem es seinen Namen verdankt. Diese findet sich vielmehr in dem verschlafenen Nest Burhanpur in der indischen Provinz Madhya Pradesh und heißt Ahukhana, und genau dort lagen die sterblichen Überreste von Mumtaz Mahal für die ersten sechs Monate nach ihrem Tod.

Ein Denkmal als letzter Wunsch

 

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Bereits im 16. Jahrhundert war die Gegend um die Tempelanlage Ahukhana laut „Atlas Obscura“ ursprünglich als riesiger Garten angelegt worden, in dem der Herrscher Shah Jahan sich erholen konnte. Hier war es auch, wo Mumtaz Mahal im Jahr 1631 starb, als sie ihrem Mann das 14. Kind schenkte. Die Legende will es, dass sie ihm noch auf dem Sterbebett den Wunsch übermittelte, er solle ihr zum Gedenken ein Mausoleum errichten, das an den Himmel auf Erden erinnere – so beschrieben steht es in dem Buch „ A Teardrop on the Cheek of Time: The Story of the Taj Mahal.

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Heute sind sowohl die Grabstätte als auch der Palast, in dem Shah Jahan damals residierte, verfallen – laut einem Gärtner kämen monatlich nur etwa 80 bis 100 Besucher hierher, während das Taj Mahal in Agra von Millionen von Menschen im Jahr bestaunt wird. Sechs Monate nach ihrem Tod wurde der Leichnam von Mumtaz Mahal in einer feierlichen Prozession dorthin überführt, wo er für 22 Jahre bis zur Fertigstellung des Taj Mahal in einem Garten ruhte. Ursprünglich hätte sie aber in Burhanpur ihre letzte Ruhe finden sollen, denn hier sollte eigentlich das Taj Mahal erbaut werden.

Burhanpur war nicht prachtvoll genug

 

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Letztlich sprachen drei Faktoren dagegen: Erstens ist der Boden in Burhanpur sehr sandig und noch dazu von Termiten bewohnt – eine schlechte Voraussetzung, das tonnenschwere Taj Mahal zu tragen. Der Marmor, der für den Palast verwendet wurde, wurde aus Rajastan gebracht, was erheblich näher an Agra als an Burhanpur liegt. Und letztlich wollte Shah Jahan, dass sich sein prachtvolles Gebäude im Wasser spiegeln würde, weshalb er sich schließlich für die Lage am Yamuna-Fluss entschied, der wesentlich breiter ist als der in Burhanpur gelegene Tapti.

Hoffnung, das „echte“ Taj Mahal zu erhalten, macht eine vom indischen Tourismusministerium lancierte Kampagne, die frei übersetzt „Adoptiere ein Denkmal“ heißt: Dabei kann jeder Interessierte für eine Stätte seiner Wahl Geld sammeln und somit dazu beitragen, dass diese erhalten und gepflegt wird. Dennoch steht zu vermuten, dass das heute bekannte Taj Mahal aber weiterhin weit mehr Besucher haben würde als sein unbekanntes Vorbild.

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