Ort in Wales mit dunkler Vergangenheit

Im Pencoed Castle geschah ein Mord – jetzt wird es versteigert

Pencoed Castle Gatehouse
Das beeindruckende Gatehouse gehört zum Pencoed Castle in Wales und soll jetzt mitsamt Schloss und Nebengebäuden verkauft werden. Foto: Wikimedia/Ben Salter / CC-BY-2.0
Foto: Ben Salter/ Wikipedia

Das Pencoed Castle ist eines dieser alten, ein bisschen gruseligen Mittelalter-Schlösser, die ohne Weiteres für Geistergeschichten herhalten können. Nachdem auf dem Gelände im Süden von Wales tatsächlich vor vier Jahren eine 25-jährige Escort-Lady ermordet wurde, liegt der Status als Haunted House nochmal ein bisschen näher. Das Anwesen wird jetzt verkauft, für einen relativ geringen Preis.

Der millionenschwere Geschäftsmann Peter Morgan war der letzte bekannte Besitzer des Pencoed Castles in der Waliser Gemeinde Llanmartin der Stadt Newport. Der wurde Ende 2016 zu lebenslanger beziehungsweise mindestens 25 Jahren Haft verurteilt, nachdem er hier seine Geliebte, die Escort-Dame Georgina Symonds (†25), ermordete. Jetzt steht Pencoed Castle mitsamt seinen Nebengebäuden zum Verkauf. Der Richtpreis des Auktionshauses liegt bei 950.000 Pfund (umgerechnet knapp 1.069.400 Euro).

Mord im Pencoed Castle

Verschiedene britische Medien berichten über den Mordfall, die Einschätzungen sind verschieden. Zum Teil wird als Mordmotiv Eifersucht, zum Teil auch Angst vor Erpressungsversuchen der Toten genannt. Fest steht wohl, dass Morgan Symonds im Januar 2016 ermordete, nachdem er gehört hatte, dass sie ihn verlassen und übervorteilen wollte.

Drei Jahre lang hatten der 20-Millionen-schwere Mann und die ehemalige Burlesque-Tänzerin eine Beziehung geführt. Versteckt vor seiner Frau und seiner Familie, ließ Morgan seine Geliebte mietfrei in einer seiner Immobilien wohnen, einem zum Pencoed Castle gehörigen Bungalow. Jeden Monat zahlte er ihr rund 10.000 Britische Pfund, umgerechnet rund 11.200 Euro.

Über die Jahre verliebte sich der knapp 30 Jahre ältere Mann in seine Escortdame, wollte laut einem Bericht von „BBC“ sogar seine Ehefrau Helen für sie verlassen. Ganz vertraut hat er Symonds dann anscheinend aber nicht, versteckte er ein Abhörgerät im Haus, über das er sie belauschen konnte. Ob nun aus Eifersucht oder weil er sich wegen ihrer angeblichen Drogensucht und Suizidgedanken Sorgen machte, können wir nicht klären. Er lauschte seiner Liebsten nun diverse Male über die heimlich installierte Abhöranlage und bekam so unter anderem ein Telefonat mit einem vermeintlichen Rivalen mit. Dem soll sie erklärt haben, dass sie vorhabe, Morgan zu verlassen, sobald er ihr den Bungalow überschrieben habe. Anschließend wolle sie nach London ziehen, um dort wieder als Escort zu arbeiten und den Millionär weiter auszunehmen. Sie soll gedroht haben, Morgan mit Bildern unter Druck zu setzen, die sie seiner Familie zeige, überweise er ihr nicht weiterhin Geld.

Morgan erwürgte seine Geliebte schließlich mit einer Schnur und versteckte die Leiche in Plastikfolie gewickelt in einem Nebengebäude des Anwesens. Das flog auf, nachdem Symonds ihre Tochter nicht von der Schule abholte und in der Folge als vermisst gemeldet wurde. Als die Polizei schließlich das Telefon der Vermissten bei Morgan ortete, gab er zu, sie getötet zu haben. Vor Gericht plädierte sein Anwalt auf nicht schuldfähig, weil Morgan unter dem Asperger-Syndrom leide und entsprechend keine Kontrolle über sich gehabt habe. Der Richter sah das anders und erklärte laut „BBC“, der Angeklagte habe vielleicht eine milde Form, für ihn klinge es aber nach einem bedachten, geplanten Mord in kalter Wut.

Pencoed Castle

Das Pencoed Castle von oben mit Schloss (oben rechts), Gatehouse (Mitte) und Nebengebäuden
Foto: Screenshot Google Earth

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Auktion startet im September

Knapp vier Jahre nach Morgans Verhaftung steht das Pencoed Castle jetzt mitsamt Nebengebäuden zum Verkauf. Das Schloss selbst ist stark renovierungsbedürftig, eine Baugenehmigung zur Wiederherstellung des Schlosses sowie zur Umwandelung der Nebengebäude in Büros sowie zwölf neue Wohnungen, liegt offenbar vor. Zum Anwesen gehört ein Bauernhaus mit drei Wohneinheiten sowie eben der Zwei-Raum-Bungalow, der genau wie zwei der Wohnungen aktuell vermietet ist. Das ganze Anwesen ist rund 26 Hektar groß. Ob Morgan noch immer der Besitzer von Pencoed Castle ist, ist unklar. Die Auktion startet am 17. September 2020.

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Die Geschichte vor dem Mord

Das alte, langsam verfallene Schloss war nicht nur der Schauplatz eines brutalen Mordes, sondern zuvor auch Spielplatz diverser Schauspieler. Zuletzt nutzten die Macher der US-amerikanischen Historienserie „The Bastard Executioner” das Schloss für ihre Dreharbeiten im Jahr 2015. Das schreibt die Lokalseite „Old Hamlet of Llanmartin”. Hier wird auch behauptet, dass Schloss Pencoed auch in mindestens einer Episode der TV-Serie „The Adventures of Robin Hood” aus den 1950er-Jahren mitgespielt habe.

Vor Mord und Drehort hatte das Schloss sicherlich auch eine bewegte Geschichte, stand es zumindest bereits einige hundert Jahre an Ort und Stelle. Pencoed Castle wurde im 16. Jahrhundert an der Seite eines Normannen-Schlosses aus dem 13. Jahrhundert gebaut, wie es auf der Seite  „Pencoed Castle” heißt. Danach wechselte es diverse Male die Besitzer, bis es schließlich von Peter Morgan für etwa 1,7 Millionen Pfund gekauft wurde. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts verfällt es zusehends. Viele Details zum Leben auf dem Schloss sind nicht bekannt.

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Eine frühere Besucherin erzählt auf der Seite „Welshruins” diese Geschichte: „Ich habe als Kind in den 1960er-Jahren in dem Schloss gespielt. Das gehörte damals einer Schulfreundin von mir.” Deren Familie habe in dem Bungalow gelebt, der Vater sich um die Instandhaltung der Ländereien gekümmert. Im Schloss hätten damals Tausende Hühner gelebt. Der damals Zwölfjährigen wurde diese Geschichte erzählt:  „Das Schloss wurde nie fertiggestellt, weil es für die Tochter des Lords des Hauses erbaut wurde, die, als sie unterhalb ihres Standes heiratete, von ihrer Familie verstoßen wurde. Die Geschichte war, dass das ihrem Vater das Herz gebrochen hat und er sich nie dazu überwinden konnte, das Schloss fertigzustellen. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber für mich als Zwölfjährige war diese romantische Geschichte sehr glaubhaft.”