Er verschiebt sich um rund 80 Kilometer

Hier liegt nach dem Brexit der neue Mittelpunkt der EU

Mittelpunkt der EU
Auf diesem Acker in der kleinen Gemeinde Veitshöchheim in Bayern befindet sich der neue Mittelpunkt der EU
Foto: Getty Images

Mit dem Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union verschiebt sich auch der geografische Mittelpunkt der Staatengemeinschaft. Dieser bleibt zwar in Bayern, wird aber künftig rund 80 Kilometer weiter südöstlich als bisher liegen.

49°50’35.3″N 9°54’07.0“E. So lauten die Koordinaten des neuen Mittelpunktes der Europäischen Union. Wer mit Google Maps dorthin zoomt, landet auf einem Acker mitten in Unterfranken, genauer in Gadheim, was wiederum ein Ortsteil der Gemeinde Veitshöchheim ist, die bei Würzburg liegt. 

„Ich hielt das für einen Aprilscherz“

Lokale Medien hatten damals über die Koordinaten berichtet, die das Nationale Geografische Institut Frankreichs (IGN) nach der ersten Volksbefragung in Großbritannien berechnet und eindeutig Gadheim als neuen potenziellen EU-Mittelpunkt ausgemacht hatte. „Mein Sohn hat diese Koordinaten dann bei Google eingegeben und mir davon einen Screenshot geschickt“, sagt Keßler. „Ich dachte zuerst, dass das der Acker von meinem Nachbarn ist. ‚Nein, das ist bei dir!‘ meinte mein Sohn dann.“

Was heute an dem Punkt steht

Vor zwei Jahren hat die Gemeinde einen Feldweg angelegt und einen kleinen Teil von Keßlers Acker um den designierten neuen EU-Mittelpunkt herum gemietet. Ein Felsbrocken wurde aufgestellt, aus dem ein rot-weißer Stab ragt, als symbolische Stätte. „Viele halten das für eine Bahnschranke, aber eigentlich soll das ein Speer sein, der uns vom vorherigen Ort des EU-Mittelpunkts aus zugeworfen wurde“, erklärt Keßler. Der lag seit dem 1. Juli 2013 durch den Beitritt von Kroatien weiter nordwestlich, auf dem Gebiet der Gemeinde Westerngrund im Landkreis Aschaffenburg.

Das Denkmal am neuen Mittelpunkt der EU in Gadheim

Das Denkmal am neuen Mittelpunkt der EU in Gadheim
Foto: dpa Picture Alliance

Letztes Jahr hat man neben dem Speer-Felsen noch eine Sitzbank mit Tisch aufgestellt, und drei Fahnen wehen im Wind: die der EU, die von Deutschland und die von Veitshöchheim, die fast genauso aussieht wie die spanische. Trotz aller Freude über die neue Berühmtheit ihres Heimatortes bedauert Karin Keßler, dass aus den bisher 28 EU-Staaten jetzt wieder 27 werden. „Die EU wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um den Frieden zu sichern“, sagt die Landwirtin, deren Vater schon ein absoluter Brexit-Gegner war. Das habe sie sehr geprägt. Der Ausstieg der Briten sei kein gutes Signal für Europa.

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Eine bunte Blumenwiese

Künftig will Keßler die insgesamt 13.000 Quadratmeter große Ackerfläche nicht mehr wie bisher mit Nutzpflanzen und Getreide anbauen. „Eine Blumenwiese wäre schön, damit man von der Sitzbank auch was sehen kann. Die Blumen stehen für die Vielfalt Europas und sollen auch Insekten zugutekommen.“

Auch Schautafeln sollen am neuen Mittelpunkt der EU noch aufgestellt werden. All das bleibt dann so lange in Gadheim, bis die Zahl der Mitgliedsstaaten sich wieder verändert. Dieses Mal allerdings wieder nach oben, hofft nicht nur Karin Keßler.