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Ihre Überreste waren früher begehrte „Souvenirs“

Die Mumien im Bremer Dom: Deutschlands gruseligste Touristenattraktion?

Mumien im Bremer Dom
Die Mumien im Bremer Dom sind seit ihrer Entdeckung im Jahre 1698 eine ungewöhnliche und makabre Touristenattraktion der HansestadtFoto: picture-alliance/ dpa | Ingo Wagner

Im St.Petri-Dom zu Bremen gibt es eine ganz besonders makabre Touristenattraktion. Im sogenannten „Bleikeller“ sind acht mumifiziere Menschen ausgestellt. Oder besser, was von ihnen übrig ist. Denn bis 1968 war es unter Touristen durchaus nicht unüblich, Haare und sogar Finger der Mumien im Bremer Dom als Souvenir mitzunehmen.

Stellen Sie sich einmal kurz folgendes Szenario vor: Sie besuchen einen besonderen Ort, und wollen einem lieben Menschen von dort ein Souvenir mitbringen. Wir wagen an dieser Stelle zu behaupten, dass Sie dabei ganz bestimmt nicht die Haare oder gar den Finger eines Toten im Sinn haben dürften. Nun, in der Hansestadt Bremen gibt es einen Ort, wo diese gruseligen Devotionalien noch bis 1968 tatsächlich immer wieder als makabre Mitbringsel entwendet wurden. Gestohlen von den Mumien im Bremer Dom.

Nun würde man Mumien wohl eher in Ägypten vermuten, aber gewiss nicht in der Hansestadt Bremen. Und doch liegen hier, im sogenannten „Bleikeller“ des St.Petri-Domes, die mumifizierten Überreste von acht Menschen. Laut der offiziellen Seite der Stadt wurden sie 1698 zufällig von dem Gesellen des damaligen Orgelbauers Arp Schnitger entdeckt. Dieser fand in der Ostkrypta mehrere Kisten, in denen die Toten bestattet waren. Wie lange sie schon dort lagen, weiß niemand. Sicher ist nur, dass an der Stelle des heutigen Doms bereits um das Jahr 805 erstmals eine steinerne Kirche stand.

Vertrocknet, bevor sie verwesen konnten

Mumien im Bremer Dom
Die mumifizierte Leiche der Maria von Engelbrechten trägt auch noch im Tod ihre HaubeFoto: picture-alliance/ dpa | Ingo Wagner

Doch wie konnten die Toten zu den Mumien im Bremer Dom werden? Die Erklärung: Durch die besonders trockene Luft im „Bleikeller“ vertrockneten die Leichname, bevor sie verwesen konnten. Auf diese Weise blieben sie für die Ewigkeit und die Nachwelt erhalten. Auch heute noch kann man sie in ihren Särgen besichtigen, seit 1984 befinden sich die Körper in einem Nebenraum des Gotteshauses.

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Der „Star“ unter den Mumien im Bremer Dom ist ein männlicher Leichnam, dessen Mund noch im Tod zu einem stummen Schrei geöffnet zu sein scheint. Dadurch wirkt er besonders gruselig. Jahrhundertlang ging man davon aus, es handele sich bei dem Mann um einen tödlich verunglückten Dachdecker, und unter dieser Bezeichnung ist die Mumie zunächst auch bekannt geworden. Röntgenuntersuchungen durch ein Ärzteteam im Jahr 1985 ergaben jedoch, dass der Tote einer Schussverletzung erlag. Die Vermutung liegt daher nahe, dass es sich bei ihm um einen Soldaten aus dem 30-jährigen Krieg (1618-48) handelt.

Der Dichterfürst und die Kinderhand

Mumien im Bremer Dom
Die mumifizierte Leiche des Kornett, eines Offiziers, der sich einst in schwedischen Diensten befandFoto: picture-alliance/ dpa | Ingo Wagner

Eine weitere der Mumien im Bremer Dom ist laut „BILD“ ein Student, der bei einem Duell mit einem Degen tödlich verwundet wurde. Die Gattin des ehemaligen Kanzlers der Herzogtümer Bremen-Verden, Maria von Engelbrechten, trägt sogar noch ihre Haube, auch diese quasi mumifiziert.

Sind die Mumien heute immer noch eine beliebte Sehenswürdigkeit in Bremen, waren sie in vergangenen Jahrhunderten schlicht eine Sensation. Das hatte für die Toten durchaus makabre Folgen. So war es unter Besuchern nicht unüblich, sich von den Mumien im Bremer Dom Haare oder gleich Finger mitzunehmen. Sogar „Dichterfürst“ Goethe war laut Stadt-Seite im Besitz solch düsterer Devotionalien. Jedoch trifft den Poeten selbst keine Schuld, vielmehr wurden ihm von einem befreundeten Bremer Arzt ein Finger und eine Kinderhand aus dem „Bleikeller“ zugesandt. Goethe sollte damit zu einer Reise nach Bremen bewegt werden. Ob diese besondere Zuwendung Erfolg hatte, ist nicht bekannt. Der Finger und die Hand sind jedoch heute noch im Goethe-Haus in Weimar ausgestellt.

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Ende der Grabschändung

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Und tatsächlich verschwanden auch in den Folgejahren immer wieder Teile der Mumien im Bremer Dom. Genauer gesagt bis 1968, denn seit diesem Jahr liegen die Toten unter Glas. Damit endete die bizarre Souvenir-Jagd. Heute ist der „Bleikeller“ der offiziellen Seite des St.Petri-Doms zufolge ein Ort der Andacht. „Die Mumien halten uns also einen Spiegel vor, indem sie uns an die eigene Vergänglichkeit erinnern“, heißt es dort.

Ein Besuch in Deutschlands wohl gruseligster Touristenattraktion kostet aktuell für Erwachsene 3 Euro. Die Mumien im Bremer Dom kann man von April bis Dezember jeweils Mittwochs bis Sonntags von 11-17 Uhr besichtigen. Als Erinnerung an den ungewöhnlichen Ort werden wohl Fotos reichen müssen. Souvenirs holen Sie sich besser woanders. Bremen ist ja groß, und zudem eine sehr schöne Stadt. Auch ohne Mumien-Haare oder -Finger.

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