26. Oktober 2025, 14:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In der Metropole Frankfurt am Main steht im Stadtteil Bockenheim ein ziemlich ungewöhnliches Kunstwerk. Denn es sieht so aus, als wäre ein alter Tram-Wagen auf skurrile Weise verunglückt. Dabei dient das gecrashte Fahrzeug als ungewöhnlicher Eingang zum dortigen U-Bahnhof Bockenheimer Warte. Und auch noch andere Bahnhöfe in Frankfurt sind als Gesamtkunstwerke echte Eye-Catcher.
Wer in Bockenheim unterwegs ist, einem Stadtteil von Frankfurt am Main, der dürfte sich eventuell auf Höhe des dortigen Campus der Goethe-Universität mitunter verwundert die Augen reiben. Denn der oberirdische Zugang zur U-Bahn-Station Bockenheimer Warte sieht ganz so aus, als wäre ein alter Tram-Wagen hier mit Höchstgeschwindigkeit in den Boden gecrasht. Doch tatsächlich handelt es sich dabei nicht um einen „Verkehrsunfall“, sondern um ein ungewöhnliches Kunstwerk, durch das man ganz normal zu den unterirdischen Gleisen gelangt.
Schon Bilder von dem U-Bahn-Eingang an der Bockenheimer Warte verblüffen. So ist der Asphalt um den „verunglückten“ Tram-Wagen aufgeraut, so, als hätte sich das Fahrzeug tatsächlich in die Erde gebohrt. Oder würde, je nach Betrachtungsweise, aus ihr herausbrechen. Laut der Seite „Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt“ hat der 2018 verstorbene Architekt Zbigniew Peter Pininski die ungewöhnliche Station erfunden und realisiert. Er unterrichtete auch als Professor an den technischen Universitäten von Warschau, Darmstadt, Wien und Braunschweig und erschuf das Bockenheimer Wahrzeichen bereits 1988.
„Lokale Sehenswürdigkeit“
Tatsächlich handelt es sich bei dem „entgleisten“ Fahrzeug um einen echten Tram-Wagen aus London, der dort einst auch verkehrte. Zu verdanken ist der U-Bahn-Eingang an der Bockenheimer Warte einem Projekt der Stadt Frankfurt am Main, mit dem man bis 1993 Künstler dabei förderte, Werke für den öffentlichen Stadtraum zu entwerfen. Sie waren demnach dazu angehalten, an Stationsbauwerken der Stadtbahn mitzuwirken. Pininski gestaltete im Zuge dieser Maßnahmen auch noch einen anderen Frankfurter Bahnhof mit, die U-Bahn-Station Dornbusch. Sein dortiges Werk trägt den Titel „Feuerkomposition (Menschfamilie)“, wobei es sich um Malereien und Mosaike handelt.
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Leider lässt sich heute nur wenig mehr Information über die skurrile Station an der Bockenheimer Warte finden. Eine Anfrage bei der Stadt Frankfurt dazu verläuft im Sande. „Es handelt sich dabei eher um eine lokale Sehenswürdigkeit“, so ein Sprecher auf TRAVELBOOK-Anfrage. „Aber wir selbst werben nicht damit, und es ist sicher kein Touristenmagnet.“ Weiteres Wissenswertes hat man beim Anruf nicht zur Hand und auch fast zwei Wochen nach der Anfrage noch nicht, wie in Aussicht gestellt, nachgeliefert. Auch die Frankfurter Verkehrsbetriebe können keine weiterführende Auskunft zu dem U-Bahn-Kunstwerk geben.
Frankfurts U-Bahnhöfe sind Kunst
Eine Sprecherin schickt aber immerhin eine Broschüre zu Frankfurts unterirdischen Bahnhöfen. Denn der an der Bockenheimer Warte ist nicht der einzig künstlerisch interessante. So ist die Station Willy-Brandt-Platz seit August 2025 die erste Haltestelle deutschlandweit, die ganz in den Farben des lokalen Fußballvereins, der Eintracht Frankfurt, erscheint. Auf den Säulen sind zudem legendäre Spieler des Clubs zu sehen. Die Station Zoo weist sowohl in der Architektur als auch der Gestaltung sprichwörtlich „tierische“ Elemente auf.
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In der Station Bockenheimer Warte hängen unterirdisch Bilder der international bekannten Fotografin Barbara Klemm, die das studentische Leben in der Stadt zeigen. Laut „BILD“ fährt die U-Bahn in Frankfurt am Main seit 1968, heute benutzen sie täglich mehrere hunderttausend Fahrgäste. An der Bockenheimer Warte kreuzen sich die C-Strecke mit den Linien U6 und U7 sowie die im D-Tunnel verlaufende U4. Der Bahnhof ist damit einer von vier unterirdischen Umsteigebahnhöfen der Frankfurter U-Bahn. Und sicher allein schon wegen seines ungewöhnlichen Eingangs einen Besuch wert, wenn man denn einmal in Frankfurt ist.