Zum Inhalt springen
logo Deutschlands größtes Online-Reisemagazin
Deutschland Europa Alle Themen
Skurrile Architektur in Karlsruhe

Dieser Kindergarten ist eine riesige Katze

Katzen-Kindergarten
Der Katzen-Kindergarten in Karlsruhe ist eines der ungewöhnlichsten Gebäude Deutschlands. Hinter dem Entwurf stecken ein Künstler und ein Architekturbüro Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb
Artikel teilen
Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

16. November 2025, 6:53 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Im Karlsruher Ortsteil Wolfartsweier steht der wohl ungewöhnlichste Kindergarten Deutschlands. Denn das Gebäude sieht tatsächlich aus wie die riesige Version einer Katze. Auch mehr als 20 Jahre nach seiner Eröffnung begeistert es seine kleinen Besucher, aber auch Touristen gleichermaßen. TRAVELBOOK sprach mit einem Mitglied des Teams, das den Katenkindergarten entworfen hat, über das ungewöhnliche Design, schwierige Baubedingungen und Menschen, die beim Anblick des Gebäudes auch als Erwachsene noch leuchtende Augen bekommen.

Ob die Kindergartenkinder im Karlsruher Stadtteil Wolfartsweier glücklicher sind als im Rest der Republik, ist nicht bekannt. Fest steht aber wohl, dass sie besonders gerne in ihre Tagesstätte gehen dürften, denn diese befindet sich in einem ziemlich ungewöhnlichen Gebäude. Dieses hat nämlich die Form einer riesigen Katze. Entstanden vor mittlerweile mehr als 20 Jahren, begeistert das Gebäude seit jeher die Karlsruher Kids, die hier teilweise bis zum Eintritt in die Grundschule bleiben. Doch wie kam es zu dem skurrilen Design? TRAVELBOOK sprach darüber mit einem Mitglied des Planungsteams, das den Katzen-Kindergarten entworfen und gebaut hat.

Verantwortlich für den einzigartigen Kindergarten ist das Karlsruher Architekturbüro Yöndel Zimmerlin, das zur Zeit des Baus nur Yöndel hieß. „Die Idee zu dem Katzengebäude hatte damals der mittlerweile verstorbene, international bekannte Künstler Tomi Ungerer“, erinnert sich die Mitarbeiterin. „Er hat einige Kinderbücher geschrieben und auch ein Buch über Katzen gemacht.“ Vor allem bekannt als Grafiker, Schriftsteller und Illustrator, habe Ungerer dann irgendwann auch ein Gebäude entwerfen wollen. „Und dabei dachte er eben, es solle die Form einer Katze haben.“ Über den damaligen Leiter des Karlsruher Hochbauamts, Lars Dragmanli, sei dann der Kontakt zu dem Architekturbüro zustande gekommen.

Herausforderungen und Rutschen

„Der Bau des Kindergarten an sich hat dann etwa ein Jahr gedauert. Es gab zum Glück keine großen Komplikationen, aber doch einige Herausforderungen.“ So war der Baugrund, auf dem die riesige Katze heute steht, früher eine Tongrube gewesen. „Da konnte man nun wegen dem Untergrund nicht einfach ein Gebäude draufstellen. Also mussten wir tragende Pfähle in den Boden bohren, um das Haus entsprechend zu verankern.“ Auch die Idee, den Kindergarten als gigantische Katze umzusetzen, sei nicht leicht gewesen, aber sehr interessant.

Auch interessant: Nitt Witt Ridge: Das skurrile US-Anwesen aus Müll

Tatsächlich wirkt das ungewöhnliche Gebäude auf seine Art „echt“, ist eine gelungene Nachempfindung einer Katze. Nur eben ein paar Dimensionen größer. So sind die Augen des Tiers die Fenster, ihr Maul ist der Eingang zum Kindergarten. „Da ist dann auch ein roter Fußabtreter, der die Zunge der Katze darstellen soll.“ Der Clou aber für die Kids der KiTa Wolfartsweier: Der Schwanz des Schnurris ist eine Rutsche – eine eigenwillige Lösung des Architekten-Teams für einen Feuer-Fluchtweg. „Man kann dann vom ersten Stock ins Erdgeschoss rutschen und über eine Treppe wieder hinauf.“ Auch diese dient als Fluchtweg im Gefahrenfall, über einen kleinen Balkon sind sowohl Treppe als auch Rutsche zu erreichen.

„Die Menschen erinnern sich gerne daran“

Mapcreator Platzhalter
An dieser Stelle findest du Inhalte von Drittanbietern
Um mit Inhalten von Drittanbietern zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Lachend erinnert sich die Mitarbeiterin an die Eröffnung des besonderen Kindergarten im Jahr 2002. „Die Kinder und Eltern haben es von Anfang an geliebt, aber die Reaktionen in der Architekturwelt waren hochkontrovers.“ Auch heute noch gäbe es aber mehrfach im Jahr Anfragen von Medien aus aller Welt zu dem Katzen-Kindergarten. Darunter waren in der Vergangenheit schon Magazine aus den USA, Japan und Frankreich. „Wir denken, wir haben es gut gemacht, es ist ein Unikat“. Als besondere Sehenswürdigkeit würde die Frau ihr Gebäude aber nicht beschreiben. „Es stehen jetzt keine Reisebusse mit Touristen davor.“

Auch interessant: Die verrückte Kugelhaus-Siedlung in den Niederlanden

Dennoch sei sie damals nicht zu 100 Prozent zufrieden gewesen mit ihrer Version des Kindergarten. „Aus Kostengründen wurde das Gebäude damals einfach gemauert und verputzt. Wir hätten gerne mit Materialien wie Holz oder Stahl gebaut und die Katze noch mehr wie ein riesiges Spielzeug gestaltet. So ist es zu viel Gebäude und zu wenig Objekt.“ Ein Trost sei es aber, dass auch heute immer noch Menschen sich bei ihr für die skurrile KiTa bedanken würden. „Die sagen dann, dass ihre Kinder oder Enkel dort hingehen oder dass sie früher sogar selbst dort gewesen sind. Eigentlich alle, die dort einmal waren, erinnern sich gerne daran.“

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.