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Alkohol spielte eine große Rolle

Streit zweier Staaten um unbewohnte Insel beigelegt

Hans Island
So sieht Hans Island aus – skurril, wenn man bedenkt, dass Kanada und Dänemark sich schon seit mehr als 30 Jahren um den Felsen streiten. Bildquelle: Wikimedia/Toubletap/ CC BY-SA 3.0

Die Hans-Insel ist ein unbewohnter, vegetationloser Felsen mitten im Nirgendwo. Dennoch stritten sich Dänemark und Kanada seit Jahrzehnten darum, zu welchem Land die Insel denn nun gehöre. Nun wurde der auch als „Whiskey-Krieg“ bekannte Disput beigelegt.

Hans Island ist ein knapp 1,3 Quadratkilometer großer Felsen im Meer, auf dem es weder Leben noch wichtige Rohstoffe gibt. Dennoch haben sich Kanada und Dänemark seit Jahrzehnten darüber gestritten, wem die Insel gehört. Denn als die Staaten 1973 in einem UNO-Vertrag die Grenze zwischen dem kanadischen Ellesmere Island und dem zu Dänemark gehörenden Grönland festlegten, lag Hans Island genau dazwischen, bzw. direkt auf der Demarkationslinie.

Bei jedem Besuch eine Flasche Alkohol

Technisch gesehen gehörte die Insel sogar zu beiden Ländern, wie „Business Insider“ berichtet. Da sie wirtschaftlich aber so unbedeutend ist, erhob niemand offiziell Besitzanspruch auf sie. Bis zu einem Tag im Jahr 1984. Der damalige dänische Minister für grönländische Angelegenheiten besuchte Hans Island und stellte eine dänische Flagge auf, zusammen mit einem Schild: „Welcome to the danish island“ („Willkommen auf der dänischen Insel“). Bei seinem Abschied ließ er außerdem eine Flasche Schnaps zurück – der Beginn des wohl skurrilsten (und friedlichsten) Insel-Streits der Welt.

Jahrelang, so hieß es, hätten in den Gewässern rund um die Insel Schiffe beider Nationen patrouilliert. Und jedes Mal, wenn ein Soldat die Insel betritt, stellt er die Flagge seines Landes auf, entfernt die Flagge des anderen Staates und lässt in Erinnerung an den Präzedenzfall eine Flasche Alkohol zurück, entweder dänischen Schnaps oder kanadischen Whiskey.

Schon seit 2018 wurde an einer friedlichen Lösung gearbeitet

Dabei war die Insel, die nach dem grönländischen Arktisforscher Hans Christian Hendrik benannt ist, 1933 von einem Vorgänger des heutigen Internationalen Gerichtshofes eigentlich bereits Dänemark zugesprochen worden. Doch mit der Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 war die Entscheidung hinfällig. Hans Island geriet aufgrund seiner Bedeutungslosigkeit in Vergessenheit. Bis 1984 eben. Seitdem spaltete sie die Nationen. 2006 ernannte sich zudem ein Student aus Ottawa selbst zum Prinzen von Hans Island und erklärte die Insel zum unabhängigen Staat Tartupaluk (der grönländische Name der Insel). In den sogenannten „Whiskey-Konflikt“ zwischen Kanada und Grönland wurde er zu seinem Glück aber nicht hineingezogen.

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Zum Zeitpunkt der Ausrufung von Tartupaluk 2006 war der Streit zwischen Dänemark und Kanada bereits erkaltet. Schon ein Jahr eher wurde die Übereinkunft getroffen, dass jedes Land die andere Seite informieren muss, wenn es plant, die Insel zu besuchen. Später wurde ein Gremium, bestehend aus Anwälten und Experten aus unterschiedlichen Behörden und Organisationen, einberufen. Diese sollten final entscheiden, zu welchem Land Hans Island gehört. Und nun gibt es die Antwort: Hans Island gehört zu beiden!

Der Hans-Island-Konflikt ist Geschichte – und beide Staaten um einen Rekord reicher

Kanada und Dänemark haben einer neuen Grenzziehung zugestimmt, die die Insel etwa in der Mitte teilt. Doch nicht nur das. Mit dem Abkommen haben Kanada und Dänemark auch gleich einen neuen Rekord aufgestellt. Denn man einigte sich nicht nur um die Land-, sondern auch die Seegrenze. Diese erstreckt sich über 38000 Kilometer Länge von der Lincolnsee im Norden bis zur Labradorsee im Süden. Wie der Spiegel schreibt, ist sie damit die längste Seegrenze der Welt. Ein fulminantes Ende für den vermutlich friedlichsten und alkoholreichsten Grenzstreit aller Zeiten.

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