13. März 2026, 17:32 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Nahe der Gemeinde Bispingen in der Lüneburger Heide steht mit der Iserhatsche ein ganz besonderer „Vergnügungspark“. Erbaut hat ihn sich ein mittlerweile verstorbener Berliner Privatier. Auf einem Areal von 23 Hektar hat er ein unglaubliches Sammelsurium an skurrilen Dingen aus aller Welt zusammengetragen und noch zahlreiche andere eigenwillige Projekte verwirklicht. TRAVELBOOK stellt den ungewöhnlichen Ort vor.
Hätten Sie gewusst, dass Sie in der Lüneburger Heide Zeuge eines Vulkanausbruchs werden könnten? Und das sogar stündlich und ohne sich dabei auch nur in die geringste Gefahr zu begeben? Nun gut, es handelt sich hierbei zugegeben nicht um einen echten Feuerschlot, und dennoch ist dieser eine echte Attraktion in dem vielleicht verrücktesten „Vergnügungspark“ in ganz Deutschland. Denn auf einem 23 Hektar großen Areal, bekannt als Iserhatsche, hat ein mittlerweile verstorbener Berliner Künstler in jahrzehntelanger Arbeit nahe der Gemeinde Bispingen ein wahrhaft skurriles Wunderland erschaffen. Wer dieses betritt, kommt aus dem Staunen und Schmunzeln überhaupt nicht mehr heraus.
Zunächst sei vielleicht einmal der Name des Ortes erklärt, Iserhatsche. Laut „NDR“ ist dieser aus dem Plattdeutschen entlehnt und bedeutet „Eisenherz“. Und dessen Geschichte beginnt im Jahr 1910, als der Berliner Kommerzienrat auf der Weltausstellung in Brüssel eine Villa im Stil eines schwedischen Holzhauses entdeckt. Diese kauft er kurzerhand und lässt sie bei Bispingen wieder aufbauen, wo sie auch heute noch steht. Den Namen Iserhatsche gibt dem Areal dann seine Mutter. Bereits 1923 kauft der Tabakkonzern Reemtsma das Gelände und nutzt es bis 1962 als Erholungsheim für seine Mitarbeiter. Danach wird es für mehr als zwei Jahrzehnte zum Schullandheim für Kinder aus Berlin. 1986 kauft es dann der Privatier Uwe Schulz-Ebschbach. Er beginnt, verschiedenste Ideen und private Sammel-Leidenschaften zu einem wahrhaft einzigartigen Stilmix zu vereinen.
150 skurrile Sammlungen
Der Besucher bewegt sich über das Gelände zunächst einmal in dem 230.000 Quadratmeter großen Landschaftspark, in dem sich unter anderem eine künstliche Landschaft aus terrassierten Seen befindet. Hier befindet sich auch ein von Schulz-Ebschbach selbst gebauter „Berg“, der Montagnetto. Seine andere Bezeichnung, „Berg der Sammelleidenschaft“, gibt nur einen unzureichenden Hinweis darauf, was Gäste in seinem Inneren erwartet. Laut der offiziellen Seite der Iserhatsche gibt es hier unter anderem die größte Bierflaschen-Sorten-Sammlung der Welt, die sogar im Guinnessbuch der Rekorde steht. Sie beinhaltet mehr als 24.000 noch original abgefüllte Bierflaschen aus 192 Ländern und 4100 verschiedenen Brauereien.
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Weitere Beispiele gefällig? Wie wäre es mit einer Streichholz-Schachtel-Sammlung mit unglaublichen 250.000 Exemplaren? Sie findet man hier genauso wie eine Kollektion aus Kaffeesahne-Deckeln, die 25.000 Stück umfasst. Des Weiteren findet man hier 12.000 Flaschenöffner, mehr als 50.000 Miniatur-Schnapsflaschen, 22.000 Eulen, knapp 30.000 Frösche, 300 Buddelschiffe und zahllose weitere skurrile Dinge. Insgesamt beherbergt die Iserhatsche 150 Sammlungen dieser Art, zudem die größte Bügel-Bierflasche der Welt aus Holz, mit einem Gewicht von mehr als fünf Tonnen. Wen das alles ein wenig erschlägt, der kann sich im Außenbereich des Montagnetto einmal pro Stunde den Ausbruch des künstlichen Vulkans anschauen, den Schulz-Ebschbach gebaut hat.
Hier kann man auch heiraten
Und natürlich kann man auch die Iserhatsche selbst besuchen, die namensgebende hölzerne Villa. Hier erwartet Gäste geradezu umwerfender Prunk, zum Beispiel im „Kamin-Trophäen-Raum“, im „Diana-Sanssouci-Zimmer“ oder im „Vierjahreszeiten-Eichensaal“. Alle Räume sind inspiriert von verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte. Die ehemalige Bibliothek ist heute ein Spiegelsaal im Versailler Stil. Diesen kann man nicht nur besichtigen, sondern auch darin heiraten. Er dient als Außenstelle des Bispinger Standesamtes. Auch andere Räumlichkeiten auf dem Gelände der Iserhatsche kann man für Feierlichkeiten mieten.
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Wer das alles nun einmal mit eigenen Augen sehen möchte, hat dazu jährlich von April bis Dezember Gelegenheit. Die genauen Öffnungszeiten variieren je nach Saison, Sie können diese der offiziellen Website entnehmen. Wer möchte, kann auch an einer geführten Tour über das Gelände teilnehmen. Laut der Bispingen Touristik e.V. ist momentan allerdings noch nicht klar, wie und ob es nach dem Tod von Iserhatsche-„Erfinder“ Uwe Schulz-Ebschbach weitergehen wird, wie es auf TRAVELBOOK-Anfrage heißt. Bleibt zu hoffen, dass dieser ungewöhnliche Ort auch für zukünftige Besucher erhalten bleibt.