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Zutritt war für die Öffentlichkeit streng verboten

Waldsiedlung Wandlitz – der geheime Wohnort der DDR-Elite!

Waldsiedlung Wandlitz
Auf dem Gelände der Waldsiedlung Wandlitz wohnten zu DDR-Zeiten Mitglieder der SED Foto: picture alliance / zb
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Robin Hartmann Autorenkopf
Freier Autor

25. März 2026, 11:29 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Im nördlichen Berliner Umland lag nahe Bernau einst einer der geheimsten und exklusivsten Orte der ehemaligen DDR. In der sogenannten Waldsiedlung Wandlitz lebte die politische Führungsriege auf Staatskosten ein für damalige Verhältnisse luxuriöses Leben. Der Öffentlichkeit war der Zugang streng verboten, weshalb sich schnell Legenden um das „SED-Ghetto“ bildeten. Die Wahrheit sah allerdings ganz anders aus, und das kann heute jedermann vor Ort nachvollziehen.

Das erste, was Besucher von der Waldsiedlung Wandlitz sehen, ist ein gusseisernes Haupttor. Dieses steht heute für jeden offen, doch bis zur deutschen Wiedervereinigung war der Öffentlichkeit der Zutritt hier strengstens verboten. Denn auf dem riesigen Areal residierte die politische Führungsriege der DDR in für den Normalbürger unvorstellbarem Luxus. Abgeschottet von der Außenwelt, lebten hier Granden wie Erich Honecker, Erich Mielke, Walter Ulbricht und Egon Krenz mit ihren Familien ein Leben in einer skurrilen Parallelwelt. Heute können das Besucher in der erstaunlich gut erhaltenen Anlage nachvollziehen.

Es ist das Jahr 1958, als nahe des kleinen Ortes Wandlitz laut der offiziellen Tourismusseite des Naturpark Barnim der Bau der Waldsiedlung Wandlitz beginnt. Dafür baut man ein Waldstück unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen zu einer Wohnanlage um. Von außen ist das Gelände getarnt durch einen Maschendrahtzaun, der das Areal offiziell als Wildforschungsgebiet ausweist. Nur mit Sonderausweis gelangt man überhaupt auf das Gelände, dessen vier Tore mit Kameraüberwachung und Sicherheitskräften geschützt werden. Denn hier soll niemand Geringeres einziehen als die Elite der SED, die Staatsoberhäupter der DDR.

Triste Realität

Waldsiedlung Wandlitz
Das Haus von Erich Honecker ist eines von 23 noch erhaltenen, in denen früher Funktionäre der DDR lebten Foto: picture alliance / Wolfgang Kumm

Außer deren Wohnhäusern, von denen heute 23 noch erhalten sind, befanden sich auf dem Gelände damals ein Privatkrankenhaus, eine Gärtnerei und Unterkünfte für die 650 Bediensteten, die sich rund um die Uhr um das Wohl der DDR-Größe zu kümmern hatten. Wer in dem Staat etwas zu sagen hatte, der zog in die Waldsiedlung Wandlitz, das war ein ungeschriebenes Gesetz. Und weil das Areal, das auf Staatskosten finanziert worden war, so streng von der Öffentlichkeit abgeschottet war, entstanden im Volk bald die wildesten Gerüchte von einem vermeintlichen Luxusleben, das die Abgeordneten dort in Villen mit goldenen Wasserhähnen angeblich führten.

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Die Wahrheit, so kann es heute Jedermann nachvollziehen, sah in der Waldsiedlung Wandlitz deutlich nüchterner, man könnte auch sagen trister, aus. So lebten die Mächtigen zwar in Häusern mit teils 15 Zimmern und mehreren hundert Quadratmetern Fläche, doch von außen versprühen diese keinerlei Charme, erinnern laut dem „Deutschlandfunk“ sogar ein wenig an Plattenbauten. Dennoch führte die DDR-Elite hier ein Leben, wie es für den normalen Bürger schlicht nicht vorstellbar war. So gab es jederzeit frisches Obst, Westwaren konnten einfach per Katalog bestellt werden. Das große Klubhaus verfügte über ein Schwimmbad, einen Konzertsaal, Sauna, Kino und ein Restaurant. Im Volksmund wurde der Ort daher auch als „Bonzenhausen“ und „SED-Ghetto“ betitelt.

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Von der Stasi überwacht

Waldsiedlung Wandlitz
Wo früher Partei-Granden wohnten, befindet sich heute unter anderem eine Reha-Klinik Foto: picture alliance / zb

Doch es gab auch einen anderen Grund, warum die DDR-Führung in der Waldsiedlung Wandlitz leben sollte: Der staatseigene Geheimdienst, die Stasi, überwachte selbst sie. Und so herrschte in der Anlage eine Atmosphäre des permanenten Misstrauens und der Abschottung des Einzelnen gegenüber seinen Nachbarn. Den inneren Ring, in dem die Häuser der Funktionäre wie auch das Klubhaus standen, hatte man durch eine zwei Meter hohe Betonmauer geschützt, 200 Soldaten sorgten auf 33 verschiedenen Positionen für zusätzliche Sicherheit.

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Mit dem Fall der Mauer jedoch war auch die Walsiedlung Wandlitz schon bald Geschichte, bereits im Januar 1990 musste die DDR-Elite hier ausziehen. Heute ist das Gelände jedermann zugänglich, wird unter anderem bereits seit 1990 von der Reha-Klinik Berlin-Brandenburg genutzt. Es gibt dort auch ein Altersheim. Die noch bestehenden Wohneinheiten wurden saniert und sind heute wieder vermietet. 23 Häuser, in denen damals die Parteifunktionäre residierten, sind ebenfalls erhalten geblieben. Manche von ihnen scheinen seit damals nahezu unverändert zu sein. 2017 nahm das Brandenburger Amt für Denkmalschutz die Waldsiedlung in seine Liste auf.

„Interesse an DDR-Geschichte“

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Heute kann man die Waldsiedlung Wandlitz jederzeit betreten und versuchen, einen Teil der Geschichte der DDR nachzuvollziehen. Ein Leitsystem führt über diverse Infotafeln mit QR-Codes über die Anlage mit ihren sehr gepflegten Gärten. Wer möchte, kann über die Tourismuswebsite des Naturparks Barnim auch Führungen buchen. Diese bietet auch die Stadt Bernau an, auf deren Gebiet im Stadtteil Waldfrieden das Areal liegt. Ein Mitarbeiter der örtlichen Touristeninformation sagt auf TRAVELBOOK-Anfrage: „Das Thema ist bei uns schon relativ gut nachgefragt. Wir bieten 2026 dort insgesamt drei Führungen an. Anfragen von Privatgruppen bekommen wir auch regelmäßig, konnten diese aber bislang leider noch nicht stemmen.“

Bei der Führung sehe man nur die Außenbereiche der Waldsiedlung Wandlitz. In die Gebäude selbst komme man unter normalen Umständen nicht hinein. „Die Idee ist es, den Leuten die damalige Funktion der Siedlung zu erklären.“ Allgemein bemerke man in Bernau in den vergangenen Jahren ein gesteigertes Interesse an DDR-Geschichte. Einen interessanten Teil davon könne man auch noch in der Bernauer Galerie „Kunstraum Innenstadt“ sehen. Dort sind nämlich zahlreiche Skulpturen ausgestellt, die aus der Waldsiedlung vor Plünderern gerettet werden konnten. Die Führungen kann man über die Website der Touristeninformation Bernau buchen. Sie kosten acht Euro, ermäßigt sechs Euro.

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